Währung

Xi-Trump-Gespräche abgesagt

USD, AUD: Vorgestern schrieb ich in Bezug auf die Brexit-Verhandlungen über politische Verunfallungsrisiken. Die gibt es auch in den US-chinesischen Handelsgesprächen. Weil man sich nicht auf Ort und Zeitpunkt einigen konnte, ist das für Ende Februar geplante Treffen zwischen den Präsidenten beider Länder, Xi Jinping und Donald Trump, offensichtlich abgesagt worden. Auf höchster Ebene wird also bis zum Ablauf des US-Ultimatums Ende des Monats nicht mehr gesprochen. Klingt das nicht nach Kindergarten – angesichts der Bedeutung des Problems? Oder ist es nur eine Formalie, weil eh die Sherpas die politische Arbeit machen? Nicht nur. Die Hoffnung auf einen konstruktiven Ausgang der Gespräche beruhte zu einem nicht unerheblichen Teil auf der Annahme, dass der US-Präsident sich mal wieder als „Deal Maker“ präsentieren wolle und daher – ziemlich unabhängig vom handelspolitischen Inhalt der Übereinkunft – einen Handelsdeal mit China einzutüten gedenke. Mit dieser Möglichkeit ist ein erheblicher Grund für Optimismus verschwunden.

Siehe unten zu den Konsequenzen für CNY. Für den Greenback ist das momentan einigermaßen neutral. Einerseits hat der Devisenmarkt in der Vergangenheit meistens „Handelskrieg“ mit USD-Schwäche übersetzt, andererseits wird der US-Dollar momentan als „sicherer Hafen“ gehandelt, profitiert also von handelspolitischen Ängsten. Mit beiden Interpretationen bin ich nicht einverstanden, aber auf kurze Frist ist wichtig, wie der Markt tickt und es kommt nicht auf meine makroökonomischen Argumentationen an.
Auf der Verliererseite steht der Australische Dollar, für den es in letzter Zeit ganz dicke kommt. Vor kurzem noch von China-Konjunkturängsten geplagt, musste er zur Mitte der Woche unter den taubenhaften Äußerungen von RBA-Chef Philip Lowe leiden. Und jetzt kommen mit den Handelskrieg-Sorgen wieder China-Ängste auf, die typischerweise Australiens Währung belasten – weil der AUD halt die ideale Proxy-Variable für China-Risiko innerhalb des G10-Universums ist.

Produktidee: Faktor-Zertifikate

WKN Typ Basiswert Merkmale
CD910B Long EUR/USD Faktor: 5
CD910C Short EUR/USD Faktor: -5
CV1YLZ Long AUD/USD Faktor: 5
CV1YM1 Short AUD/USD Faktor: -5

GBP: Ein Zinsschritt der Bank of England (BoE) sei immer noch möglich ließ Bank-of-England Gouverneur Mark Carney gestern wissen. Natürlich nur, wenn es nicht zu einem Chaos-Brexit kommt. Das klingt deutlich GBP-positiv – im Vergleich zum Euro, weil die EZB dürfte vorsichtige Zinserhöhungspläne längst auf den Sankt-Nimmerleinstag verschoben haben, und im Vergleich zum Dollar, weil die Fed hinreichend klar gemacht hat, dass ihr Zinserhöhungszyklus nun vorbei ist. Entsprechend konnte das Pfund gestern zulegen.
Doch warne ich, den aktuellen BoE-Ausblick zu ernst zu nehmen. Die Aufteilung der gegenwärtigen UK-Wachstumsschwäche in Brexit-Effekt einerseits und allgemeine Konjunkturschwäche andererseits ist eine unglaublich schwere Aufgabe. Carney kann sich nicht sicher sein, wie die Volkswirtschaft des Vereinigten Königreichs im konstruktiven Ergebnis laufen wird. Das globale und kontinentaleuropäische Konjunkturumfeld sehen zumindest nicht gut aus. Der BoE-Gouverneur wird in diesem Fall abwarten müssen, bis dazu mehr Klarheit herrscht. Wenn er UK da nicht mal überschätzt und auch ohne No-Deal-Brexit einiges an Wachstumsschwäche übrigbleibt. Zumal Unternehmen, die momentan ihre Brexit-Notfallpläne exekutieren, vielleicht erkennen, dass der Kontinent gar kein so schlechter Standort ist.

Und schließlich sieht die Nachrichtenlage aus Brüssel bislang nicht unbedingt rosig aus. Ja, die EU freut sich über die Vorschläge von Labour-Chef Jeremy Corbyn (kurz gesagt: nah an einer Norwegen-Lösung). Aber die würden noch weitaus mehr „rote Linien“ der Briten reißen als der bereits im Januar vom Parlament abgelehnte Brexit-Deal. Ich sehe da keine Chancen auf eine Unterhaus-Mehrheit für Corbyns Vorschlag. Experten der britischen Politik mögen mich gerne korrigieren. Die Position von Labour bleibt so verworren wie die der Tories. Und die Gespräche von Premierministerin Theresa May in Brüssel verliefen wie das Hornberger Schießen – was freilich jede Frau, jeder Mann und jedes Kind schon vorher wusste. Nur Frau May nicht.

Produktidee: Faktor-Zertifikate

WKN Typ Basiswert Merkmale
CV0V44 Long EUR/GBP Faktor: 5
CV0V49 Short EUR/GBP Faktor: -5

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