Währung

Wie haben sich die GBP-Risiken in dieser Woche verändert?

GBP: Nach drei Brexit-relevanten Abstimmungsrunden im britischen Unterhaus wissen wir folgendes: (a) Eine Mehrheit im britischen Parlament will einen Deal, aber nicht den, den sie von der EU bekommt. Das britische Parlament hätte auch entscheiden können, dass die Erde ab nun eine Scheibe sein soll. Kann es machen, doch beides ist ähnlich wirkungslos. Damit wir uns recht verstehen: Man kann die Haltung der EU gut oder (wie unser Chefvolkswirt in seinem Beitrag in der heutigen Woche im Fokus:) schlecht finden. Doch ist die EU-Seite (überraschend!) konstant in ihrer Haltung und damit nicht der entscheidende Treiber für den Devisenmarkt. Der wird von der (freundlich gesagt) changierenden Haltung der britischen Politik getrieben. Und die erkennt nun einmal weiterhin nicht an, dass die Haltung der EU (zu Recht oder Unrecht) unverrückbar sein dürfte. Seit gestern wissen wir aber auch (b), dass die britischen MPs eine Verlängerung der Brexit-Verhandlungen wünschen.

Die gestern angenommene „Motion“ enthält zwei mögliche Wege zur Verschiebung des Brexits: (1) Falls die Parlamentarier am kommenden Mittwoch doch noch dem seit November vorliegenden „Deal“ zustimmen, gibt’s nur eine „technische Verlängerung“ bis 30.06. Doch das ist eher unwahrscheinlich, denn das Parlament hat diesen Deal schon zweimal, zuletzt am Dienstag, abgelehnt. (2) Andernfalls wäre eine deutliche Verlängerung nötig, um einen neuen Deal auszuhandeln. Der GBP-relevante Punkt ist: Es ist weder sicher, dass die EU-Regierungen einer solchen Verlängerung zustimmen (zumal der Graben zur Position des britischen Parlaments so tief wie eh und je ist, siehe oben), noch ist ausgemacht, dass das Unterhaus selbst wirklich zu einer deutlichen Verlängerung bereit wäre (die u.a. die Teilnahme an der EU-Wahl im Mai implizieren würde). Daher gilt auch nach dieser Woche: Es besteht weiterhin ein nicht zu vernachlässigendes Risiko für einen No-Deal-Brexit am 29. März. Ich kann nachvollziehen, dass der Devisenmarkt dieses Risiko als geringer als zu Wochenanfang einschätzt, weshalb das stärkere Pfund gerechtfertigt erscheinen mag. Richtig ist aber vor allem, dass die kurzfristigen GBP-Volatilitäten weiterhin auf relativ hohen Niveaus handeln, da wir bis nächsten Donnerstag (dem EU-Gipfel) eigentlich Klarheit haben dürften. Weniger verständlich finde ich, dass die 1-Wochen-Risk-Reversals sowohl in EUR-GBP als auch in GBP-USD nahe der Null-Marke handeln. Käme es zum No-Deal, würde das für heftige GBP-Schwäche sprechen. Käme es zur Verschiebung, wäre m.E. weiterhin eine Risikoprämie auf GBP-Positionen angebracht. Denn ein aufgeschobener No-Deal-Brexit muss kein aufgehobener No-Deal-Brexit bleiben. Summa summarum: Für diejenigen, denen „No Deal“ als nicht akzeptables Risiko erscheint, ist der GBP-Optionsmarkt weiter überraschend attraktiv.

Produktidee: Faktor-Zertifikate

WKN Typ Basiswert Merkmale
CV0V44 Long EUR/GBP Faktor: 5
CV0V49 Short EUR/GBP Faktor: -5

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