Währung

Wenn selbst Zölle die Inflation nicht nachhaltig anschieben…

USD: Der Devisenmarkt bleibt ein Getriebener des US-chinesischen Handelskrieges. Gestern war in diesem Zusammenhang Risk-On angesagt, nachdem die Ängste vor einer weiteren Eskalation des Konflikts etwas nachließen. Dabei setzen die Marktteilnehmer offenbar in erster Linie ihre Hoffnungen auf die sich fortsetzenden Gespräche zwischen Washington und Peking (siehe unten). Unabhängig davon, ob die beiden Nationen bald doch noch zu einer Einigung kommen können oder nicht, die Bewegungen an den Märkten in den letzten Tagen waren zumindest überaus lehrreich. So hatte der US-Dollar unter den zunehmenden Spannungen im Handelskonflikt gelitten, wenn auch nur moderat. Meine Kollegen und ich haben bereits mehrfach darauf hingewiesen, dass, wenn eine große Volkswirtschaft wie die USA, Importzölle einführen (die nicht von der Gegenseite im gleichen Ausmaß gekontert werden), sich dies aufgrund des inflationären Effekts positiv auf die Währung auswirken müsse. Dass diese Sicht nicht abwegig ist, zeigen die jüngsten Äußerungen des New York Fed Präsident John Williams. Der befürchtet sogar, dass der Effekt auf die Inflation „signifikant“ ausfallen werde. So habe die Teuerung bereits durch die bisherigen Zölle einen kleinen Schub erhalten, so Williams.

Der Grund, weswegen der Dollar von dem Handelskrieg dennoch nicht profitieren kann liegt auf der Hand: Der Markt glaubt nicht an den inflationären Effekt der Importzölle. Das Gegenteil ist sogar der Fall: Die langfristigen marktbasieren US-Inflationserwartungen sind jüngst in der Tendenz gefallen. Hier bestätigt sich unsere Vermutung: Und zwar, dass der Markt nur die negativen realwirtschaftlichen Effekte der Zölle sieht, die seiner Ansicht nach die Inflation auf lange Sicht sogar dämpfen, wodurch auch die Zinsen langfristig fallen sollten. Angesichts der Inflationsentwicklung der vergangenen Jahre erscheint das sogar sehr gut nachvollziehbar. Zuletzt hat sich die US-Inflation – trotz hohem Wachstum und trotz Zöllen – wieder abgeschwächt. Setzt sich dieser Preistrend fort – und das unabhängig davon, ob der Handelskrieg fortgesetzt wird – sieht es schlecht aus für die US-Währung.

Die letzten 24 Stunden boten sowohl für den CNY als auch den CNH Erleichterung, da die Handelsgespräche in Peking fortgesetzt werden sollen. US-Finanzminister Steven Mnuchin wird Berichten zufolge Peking bald für eine neue Runde von Handelsgesprächen besuchen. US-Präsident Trump sagte, er werde den chinesischen Präsidenten Xi Ende Juni auf dem G20-Gipfel in Osaka treffen. USD-CNH scheint sich auf dem Niveau von rund 6,90 bei zunehmendem Eingreifen der chinesischen Zentralbank (PBoC) zu stabilisieren. Wie von uns jüngst berichtet, ergänzte die PBoC ihr Fixing-Modell um den „antizyklischen Faktor“ und wird heute in Hongkong neue Schatzwechsel emittieren. Dadurch wird dem Markt Liquidität entzogen, sodass die Kosten für Leerverkäufe der chinesischen Währung steigen. Beide Maßnahmen deuten an, dass die chinesische Zentralbank die jüngste Abwertung des CNY als zu rasant einschätzen dürfte. Weil die PBoC dafür bekannt ist, für eine stabile Währung zu sorgen, scheint der Markt zum gegenwärtigen Zeitpunkt zu zögern. Dies deutet an, dass die chinesische Währung gegenwärtig richtungslos agieren könnte.

In der Zwischenzeit enttäuschten Chinas April-Daten deutlich und spiegelten die heftigen wirtschaftlichen Belastungen wider. Industrieproduktion und Einzelhandelsumsätze wuchsen wesentlich langsamer als erwartet und die Anlageinvestitionen übertrafen die Hürde von 6% nur knapp. Schwache Daten zur Wirtschaftstätigkeit überschatten die Einschätzung der chinesischen Wachstumsdynamik, die seit den starken Einkaufsmanagerindizes vom März zunehmend optimistisch wurde. Während also die Stimmungsindikatoren positiv wirkten, scheinen die harten Daten noch immer darauf hinzudeuten, dass die Realwirtschaft anfällig ist. Eins ist jedoch sicher: Die chinesischen Behörden werden Maßnahmen ergreifen (oder haben dies bereits getan), um einen Konjunktureinbruch zu verhindern.

Auch der Euro hat mit Sorgen um eine Wachstumsabschwächung und niedriger Inflation zu kämpfen. Hinzu gesellt sich hier aber noch die politische Risikokomponente, die gestern mal wieder schön zutage trat, nachdem der stellvertretende Ministerpräsident Italiens, Matteo Salvini, in den EU-Wahlkampfmodus schaltete und einen möglichen Bruch der EU-Fiskalregeln in Aussicht stellte. Der jüngste Haushaltsstreit mit Brüssel mag glimpflich ausgegangen sein – nicht zuletzt dadurch, dass die italienische Regierung zurückrudern musste, aufgrund des zunehmenden Drucks am Anleihemarkt. Doch niemand kann vollkommen ausschließen, dass es beim nächsten Mal nicht doch zu einem politischen Unfall kommt, weil sich eine der Seiten unnachgiebiger zeigt. Diese Risikoprämie wird den Euro noch lange Zeit begleiten.

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