Währung

Was macht die EZB als nächstes?

EUR: Ja, die Bewegungen im Euro gestern waren vernachlässigbar gering. Trotzdem möchte ich Ihnen zwei Meldungen von gestern nicht vorenthalten. Denn in meinen Augen könnten sie für die EUR-Wechselkurse noch durchaus relevant werden. Zuerst war da ein Medienbericht, dass eine „signifikante Minderheit“ die von der EZB offiziell erwartete Wiederbelebung der Wachstumsdynamik in der zweiten Jahreshälfte anzweifelt. Genau diese Hoffnung auf wiederanziehende Wachstumsraten ist aber der Grund, warum die EZB trotz Abwärtsrisiken noch grundsätzlich an einem eher optimistischen Zukunftsbild festhält. Und das rechtfertigt wiederum, dass die Finanzmärkte weiterhin eine Zinserhöhung der EZB im Jahr 2020 für noch möglich halten (Abb.1), was das Abwertungspotenzial des Euros derzeit begrenzt. Sollte die EZB nun befürchten, dass der Euroraum längerfristig am Rande einer Rezession balanciert, wäre das ohne Zweifel EUR-negativ. Denn damit würden unvermeidlich Überlegungen über weitere Lockerungsmaßnahmen einhergehen müssen. Das Problem: Das Lockerungsarsenal der EZB ist ziemlich leergeräumt. Schon länger wird daher spekuliert, dass weitere expansive Schritte wohl von Maßnahmen begleitet werden müssten, die die Nebenwirkung der langfristig ultra-expansiven Geldpolitik eindämmen. Bereits letzte Woche hatte der Euro leichte Verluste verzeichnet, nachdem EZB-Präsident Mario Draghi in seiner Pressekonferenz eine entsprechende Analyse möglicher Instrumente angekündigt hatte.

Ein zweiter Medienbericht streute gestern jedoch Zweifel, dass die EZB mit dieser Analyse unmittelbar eine weitere Lockerung ihrer Geldpolitik vorbereitet. Demzufolge sind die Verantwortlichen in der EZB zumindest wenig begeistert von der Idee, den Negativzins neu auszugestalten. Das ändert zwar nichts daran, dass sich die EZB genauer mit der Thematik beschäftigt, wie mögliche unerwünschte Folgen langfristig negativer Zinsen für den Finanzsektor gemildert werden können. Doch aus Sicht des Marktes wird es unwahrscheinlicher, dass Instrumente wie eine Zinsstaffelung schon sehr bald eingeführt werden könnten. Und das würde wiederrum bedeuten, dass weitere signifikante Lockerungsmaßnahmen nicht unmittelbar vor der Tür ständen. Wie geht es also weiter für den Euro? Letztendlich hängt alles daran, ob die Wachstumsschwäche im Euroraum anhält oder nicht. Solange die Verantwortlichen in der EZB keinen nachhaltigen Abschwung befürchten, dürften sie es wohl erst einmal mit Oliver Cromwell halten: Auf Gott vertrauen, aber das Pulver trocken halten. Das spricht dafür, dass der Markt Zinserhöhungen vorerst nicht gänzlich auspreisen sollte, was dem Euro eine gewisse Unterstützung bietet. Der Devisenmarkt zeigt sich derzeit vorsichtig optimistisch, dass das Schlimmste vermieden werden kann. Das ist der Hauptgrund dafür, dass EUR-USD derzeit bei 1,13 und nicht unter 1,12 handelt, wobei auch eine bessere Marktstimmung im Zuge vielversprechender Entwicklungen in China hilft (Abb. 2).

Produktidee: Faktor-Zertifikate

WKN Typ Basiswert Merkmale
CD910B Long EUR/USD Faktor: 5
CD910C Short EUR/USD Faktor: -5

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