Währung

Was kommt nach der USD-Korrektur?

Was kommt nach der USD-Korrektur?

Die anziehenden US-Inflationserwartungen waren lange Zeit ein Belastungsfaktor für den Dollar gewesen, hatten aber im Januar Niveaus erreicht, ab denen eine Fed-Zinserhöhung in absehbarer Zeit wieder möglich erschien. Das half dem Dollar freilich nur so lange, bis Fed-Chair Jay Powell der Hoffnung auf geldpolitische Normalisierung einen Dämpfer verpasste. Dabei musste er gar nichts Neues sagen, sondern lediglich erneut an die Fed-Strategie erinnern:

“[A]ppropriate monetary policy will likely aim to achieve inflation moderately above 2 percent for some time.”

Das Neue war halt, dass er das sagte, als langfristige Inflationserwartungen die 2,4%-Marke längst passiert hatten. Das, nicht die altbekannte Formulierung, nahm die Fantasie auf Fed-Normalisierung aus den Köpfen der Devisenhändler.

Und nun? Dieser Rücksetzer für den Greenback ist durch. DXY (der US-Dollar-Index der ICE), EUR-USD, USD-JPY etc. zeigten gestern kein Anzeichen weiterer USD-Schwäche. Jetzt bleibt immer noch, dass den USA weitaus eher zugetraut wird, dass sie aus dem Corona-Schlamassel schneller rauskommen als der weitaus größte Teil der G10-Volkswirtschaften. Insbesondere im Vergleich zu Europa (das es noch nichteinmal schafft, die beschlossene expansive Fiskalpolitik hinreichend rasch auf die Straße zu bringen) scheinen die USA mal wieder besser aus einer Krise herauszukommen. Schon lese ich wieder FX-Research, das diesbezüglich ganz dick aufträgt und von US-“Exzeptionalismus” redet und von der “shining city upon a hill”.

Schaut man sich die Lage etwas weniger pathetisch an, wird man nicht übersehen können, dass es auch eine Kehrseite gibt. Denn wie so oft in der Vergangenheit fußt dieser “Exzeptionalismus” ganz wesentlich auf der Tatsache, dass der Rest der Welt den USA Kredit gewährt. Der fiskalische Impuls, der die USA voraussichtlich auch diesmal schneller als Europa wachsen lassen wird, dürfte die Verschuldung der US-Volkswirtschaft gegenüber dem Rest der Welt weiter rasch anwachsen lassen. Anders gesagt: Die “shining city” steht auf einem Schuldenberg.

Die Exzeptionalismus-Apologeten werden an dieser Stelle den Dualismus bemühen, der allen ökonomischen Überlegungen innewohnt: dass die US-Verschuldung gegenüber dem Rest der Welt Ausdruck der Tatsache ist, dass alle Welt ihr Kapital vorallem in die USA bringen möchte – u.a. eben, weil dort Krisen schneller überwunden werden. Nun, diese Story hatte früher einen gewissen Appeal. Seit der Großen Rezession hat sich aber ein wesentlicher Aspekt geändert: Kapital, das in die USA fließt, wird nicht mehr geringer verzinst als die Investitionen, die Amerikaner im Ausland tätigen. Anders gesagt: Die Welt zahlt keine Prämie mehr dafür, in den USA investieren zu dürfen. Im Gegenteil. Die Folge ist: Der Schuldenstand der US-Volkswirtschaft gegenüber dem Rest der Welt wächst schneller als ihre Neuverschuldung (aka. ihr Leistungsbilanz-Defizit). Wenn der Rest der Welt aber eine immer größere Prämie dafür verlangt, der US-Volkswirtschaft noch mehr Kredit zu geben, ist dieses Spielchen nicht nachhaltig. Dann wird’s irgendwann in USD-Schwäche enden – insbesondere dann, wenn der Devisenmarkt beginnt, durch den fiskalischen Wachstums-Impuls hindurchzuschauen.

Freilich, ich werde nicht nochmal den Fehler von 2018/19 wiederholen. Die damalige Dollar-Stärke basierte – das ist im Rückblick wohl jedermann klar – auf unsinnigen Annahmen. Doch hielt sie 1½ Jahre an. So gestehe ich dem Devisenmarkt diesmal lieber zu, dass er noch eine Zeit lang die “shining city” bejubeln mag, bevor er erkennt, auf welchem Berg sie eigentlich steht. In der Prognoserunde, die Commerzbank Research in dieser Woche abgeschlossen hat, habe ich daher unsere Sicht bestätigt, dass in der ersten Jahreshälfte EUR-USD nach unten tendieren dürfte.

Produktidee: BEST Turbo-Optionsscheine
WKNTypBasiswertMerkmale
SB96R8CallEUR/USDHebel: 8,1
SB2ESMPutEUR/USDHebel: 8,5
Die Darstellung der genannten Produkte erfolgt lediglich in Kurzform.
Die maßgeblichen Produktinformationen stehen im Internet unter https://sg-zertifikate.de zur Verfügung. Den Basisprospekt sowie die Endgültigen Bedingungen und die Basisinformationsblätter erhalten Sie bei Klick auf die WKN.
Sie sind im Begriff, ein komplexes Produkt zu erwerben, das nicht einfach ist und schwer zu verstehen sein kann. Bitte beachten Sie, dass bestimmte Produkte nur für kurzfristige Anlagezeiträume geeignet sind. Wir empfehlen Interessenten und potenziellen Anlegern den Basisprospekt und die Endgültigen Bedingungen zu lesen, bevor sie eine Anlageentscheidung treffen, um sich möglichst umfassend über die potenziellen Risiken und Chancen des Wertpapiers zu informieren, insbesondere um die potenziellen Risiken und Chancen der Entscheidung, in die Wertpapiere zu investieren, vollends zu verstehen. Die Billigung des Basisprospekts durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht ist nicht als ihre Befürwortung der angebotenen Wertpapiere zu verstehen.

Rohstoff-Ausblick 2021: Das sind die Aussichten für Gold, Öl und Co.

Trotz der Corona-Krise konnten die meisten Rohstoffpreise 2020 deutlich zulegen. Wie wird es im neuen Jahr weitergehen? Erfahren Sie hier, welche Rohstoffe neue Rekordhochs erreichen könnten und wer es 2021 schwer haben wird. Jetzt lesen!