Währung

Was bringt der Brexit-Aufschub

GBP: Wenigstens kann seit heute Nacht niemand mehr den Europäern vorwerfen, sie wollten die Briten aus Europa hinausdrängen. Etwas Positives hatte die heutige Nacht also schon. „Wir müssen alles tun, um einen ‚hard deal‘ zu vermeiden“, so Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker. Ratspräsident Donald Tusk hingegen fiel gar nichts mehr ein, um dieses Ergebnis schönzureden. Bis 31. Oktober gibt’s nun Verlängerung für die Briten. Das Signal ist klar: Die Briten werden so oft verlängern dürfen, wie sie wollen, aber immer nur häppchenweise. Das ist so ziemlich das schlechteste unter allen Ergebnissen, die ich mir vorstellen kann. Brexit wird zur unendlichen Geschichte. Denn, weil ab heute Nacht für alle Zeit (und nicht nur bis zum 31. Oktober) der Zeitdruck vom britischen Parlament genommen wurde, wird es sich nie auf irgendetwas einigen können. Nur in allerletzter Sekunde wäre das möglich; und die wird’s niemals geben. Für ein neues Referendum ist allerdings auch keine Zeit, so dass auch kein neuer Impuls in die britische Entscheidungsfindung gebracht werden kann. Schlimmer noch: Selbst Tusk konnte nicht mehr leugnen, dass die Verlängerungs-Frage einen Riss im Rat erzeugt hat. Da dürfte auf der Insel gleich die Hoffnung keimen, dass auch die Einigkeit in der Frage des Austrittsabkommens nicht lange halten könnte, wie die Briten verlängern, verlängern, verlängern… Auch das wird den Eindruck verstärken, dass es bei jeder neuen Verlängerungsrunde für die Insulaner etwas zu gewinnen gibt.

Besteht auf absehbare Zeit noch ein „No-Deal“-Risiko und damit ein signifikantes GBP-Absturzrisiko? Einige abseitige Szenarien sind vorstellbar, hören sich aber allesamt eher wie ein Witz als wie eine ernsthafte Prognose an: Die Europäer könnten doch noch prinzipientreu werden; das Unterhaus könnte plötzlich komplett seine Meinung ändern und mehrheitlich für „No Deal“ stimmen. Glauben Sie wirklich an solche Szenarien? Klar, ich würde nicht darauf wetten, dass die Briten in fünf Jahren auch noch dabei sind. Wer weiß, wie sich bis dahin die politischen Mehrheitsverhältnisse entwickeln? Aber dass sie am 31. Oktober rausfliegen, nur weil sie bis dahin immer noch nicht dem Austrittsabkommen zugestimmt haben, kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen.

Produktidee: Faktor-Zertifikate
WKN Typ Basiswert Merkmale
CV0V44 Long EUR/GBP Faktor: 5
CV0V49 Short EUR/GBP Faktor: -5

USD: Draghi spricht, der Euro fällt. Und das, obwohl die EZB ihre geldpolitische Ausrichtung gestern unverändert ließ. EZB-Präsident Mario Draghi ging in der Pressekonferenz sogar so weit zu sagen, dass es sich bei der gestrigen Sitzung nicht um ein „operatives“ Treffen gehandelt habe, sondern es allein darum ging, mögliche Reaktionen auf zukünftige Entwicklungen abzuwägen. Entsprechend verwies er auch bei allen Fragen zu möglichen Anpassungen (TLTRO, eventuelle weitere Lockerungsmaßnahmen) auf die nächste Sitzung im Juni. Dann erhofft sich die EZB von den neuen Projektionen ein klareres Bild über die Situation der Euroraum-Konjunktur. Das Signal: Noch ist es zu früh, weitere Maßnahmen zu beschließen. Grundsätzlich hielt Draghi aber daran fest, dass die Abwärtsrisiken im Euroraum dominieren und die EZB daher auch weiterhin bereit und fähig ist, ihre Geldpolitik bei Bedarf weiter zu lockern. Für den Markt dürften diese Beteuerungen keineswegs überraschend gekommen sein, gehören sie doch schon länger zum rhetorischen Standardrepertoire Draghis. Trotzdem fiel der Euro im Zuge der Pressekonferenz deutlich. Warum?

Auslöser war der Verweis auf eine Diskussion, die noch nicht einmal begonnen hat – nämlich ob Maßnahmen notwendig sind, um unerwünschte Folgen der langfristig negativen Zinsen für den Finanzsektor zu dämpfen. Die Befürchtung dahinter ist, vereinfacht gesagt, dass die negativen Zinsen die Profitabilität des Bankensektors so sehr belasten könnten, dass dieser seine Aktivität eher reduziert anstatt weiter auszuweiten, was der von der EZB gewünschte Effekt einer expansiven Geldpolitik wäre. Eventuelle Gegenmaßnahmen, wie das zuletzt verstärkt diskutierte Tiering-System, dass eine Zinsstaffelung auf Überschussreserven der Banken vorsieht, würden es der EZB dementsprechend erlauben, an ihrer ultra-expansiven Geldpolitik festhalten zu können, ohne befürchten zu müssen, dass deren Wirkung ins Gegenteil umschlägt. Damit wäre der Weg frei für „japanische Verhältnisse“, also dauerhaft negative Zinsen. Die Aussicht auf eine Zinsnormalisierung würde damit in so weite Ferne rücken, dass sie für die EUR-Wechselkurse keine unmittelbare Relevanz mehr haben würde. Allein die Tatsache, dass die EZB sich das Thema grundsätzlich anschauen will, hat gereicht, die Zinserwartungen weiter zu drücken, was den Euro gestern belastete. Doch noch erwartet der Markt gegen Ende des marktrelevanten 2-Jahreshorizontes Zinserhöhungen. Solang das der Fall ist und Zinserhöhungserwartungen nicht vollständig ausgepreist werden, oder sogar in Richtung weiterer Zinssenkungen kippen, gehen wir davon aus, dass der Euro zwar bis auf weiteres nicht signifikant aufwerten wird, aber auch das Abwertungspotenzial vorerst begrenzt ist. Denn für eine deutliche Abwertung des Euros müsste der Markt wohl jegliche Normalisierungshoffnungen erst gänzlich über Bord werfen.

Am Nachmittag einsetzende USD-Schwäche hat verhindert, dass EUR-USD in Folge der EZB-Pressekonferenz gestern nachhaltig in Richtung 1,12 abrutschte. In unseren Augen ist das gerechtfertigt, schließlich hat das gestern veröffentlichte Protokoll der Fed-Sitzung im März gezeigt, wie viel einfacher es der Fed fallen würde, auf eine anhaltende Konjunkturschwäche zu reagieren. Sie kann einfach die Zinsen senken, ohne auf Tricks wie umständliche Zinsstaffelungen zurückgreifen zu müssen. Die Fed hält sich bereit, entsprechend der Datenlage zu entscheiden, ob sie die Zinsen im weiteren Jahresverlauf senken, konstant halten oder sogar erhöhen wird. Die starke Datenabhängigkeit des Fed-Ausblicks spricht dafür, dass der Dollar zukünftig noch heftiger auf Datenüberraschungen reagiert. Meine Kollegen haben vergangene Woche ja bereits ausgeführt, dass es dabei jedoch leider keineswegs so einfach sein muss, dass gute Daten für einen stärkeren, und schlechte Daten für einen schwächeren Dollar sprechen.

Produktidee: Faktor-Zertifikate
WKN Typ Basiswert Merkmale
CD910B Long EUR/USD Faktor: 5
CD910C Short EUR/USD Faktor: -5

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