Währung

Währungskrieg oder Geldpolitik

EUR: Heute lese ich in einem deutschen Nachrichtenmagazin die Klage darüber, dass der Multilateralismus zerfällt und dass potenziell ein Währungskrieg droht. Wer könnte dem mehr zustimmen als ich. Nicht zustimmen kann man aber der (auch anderswo gehörten) Meinung, die Geldpolitik der großen Zentralbanken (insbesondere der EZB) wäre in Wahrheit ja eh schon immer „Währungsmanipulation“.

Klar, Geldpolitik beeinflusst die Wechselkurse. Und Wechselkurse beeinflussen über die Wirkung auf importierte Inflation die Geldpolitik. Das hat aber nichts mit Währungsmanipulation zu tun. Was Wissenschaftler, Zentralbanker und (bisher) Politiker damit bezeichnen, meint etwas anderes. Bei all dieser Geldpolitik stellt sich ein marktgleichgewichtiger Wechselkurs ein. Versucht eine Zentralbank / eine Regierung, dieses Ergebnis aus ihrer Geldpolitik und der Geldpolitiken aller anderen zu beeinflussen, dann ist das Währungsmanipulation. Man kann Zentralbanken nicht verbieten, heimische Inflationsziele zu verfolgen – auch wenn das Auswirkungen auf die Wechselkurse hat. Glücklicherweise wissen die Ökonomen, dass jede Zentralbank das unabhängig von anderen tun kann – solange die Wechselkurse wie oben beschrieben nicht manipuliert werden. Darum geht es. Nicht um mehr und nicht um weniger.

Produktidee: Faktor-Zertifikate
WKN Typ Basiswert Merkmale
CU2XLS Long EUR/USD Faktor: 10
CD910E Short EUR/USD Faktor: -10

CHF: Am Freitag war ein guter Tag für „sichere Häfen“. Sowohl JPY als auch CHF legten zu. Dabei fällt allerdings auf, dass die CHF-Reaktion stärker war. Ich will Sie nicht mit unseren Währungsindizes nerven, die das messen, sondern einfach darauf hinweisen, dass USD-JPY und EUR-JPY nur leicht unter die Tiefststände vom Donnerstag fielen, EUR-CHF hingegen sehr deutlich. Und auch heute Morgen notiert EUR-CHF noch tiefer, EUR-JPY und USD-JPY hingegen nicht.

Ich spiele nicht gerne die Kassandra, aber mir scheint die Wechselkursbewegung nahezulegen, dass der Franken schon recht eindeutig zur Aufwertung tendiert. Diese Aussage ist weitaus weniger trivial, als sie bei anderen Währungen wäre. Denn je tiefer EUR-CHF fällt, desto mehr muss man erwarten, dass die SNB nervös wird und den Finger an den Interventions-Abzug legen könnte. Dass es dennoch diese Aufwertungstendenz gibt, heißt: Die Angst des Marktes davor schwindet. Das ist kein gutes Zeichen für die Währungshüter in der Schweiz. Angst vor ihrer Interventions-Keule ist ein stärkeres Mittel als Interventionen selbst. Die haben schoneinmal nicht gewirkt. Wer dabei war, wird sein Lebtag nicht vergessen, wovon ich rede…

Produktidee: Faktor-Zertifikate
WKN Typ Basiswert Merkmale
CU2XL0 Long EUR/CHF Faktor: 5
CD91QB Short EUR/CHF Faktor: -5

GBP: Das britische Unterhaus hat bisher überdeutlich gemacht, dass es einen „harten“ Brexit nicht will. Das kann sich graduell ändern, wenn ersteinmal Boris Johnson Tory-Chef und Premierminister ist. Doch bleibt der Widerstand der Parlamentarier eine der Hürden, die für BoJo zu meistern wären, wenn er tatsächlich Ende Oktober raus will aus der Europäischen Union. Ein Weg wäre die temporäre Suspendierung des Parlaments. Für in kontinentaler Demokratie erzogene Leser ist das unvorstellbar, aber im „Mutterland der Demokratie“ (LOL) ist – das lernen wir Kontinental-Europäer, je mehr wir nolens volens die Details der britischen (Non-) Verfassung kennenlernen – fast alles möglich.

Höhere Wahrscheinlichkeit für einen harten Brexit wird vom Devisenmarkt logischerweise mit einem schwächeren Pfund quittiert. EUR-GBP ist der Wechselkurs, an dem man sich das ansehen muss. GBP-USD wird zu sehr von USD-spezifischen Faktoren dominiert. Man mag wohlwollend darauf hinweisen, dass EUR-GBP bereits wieder in die Nähe der Niveaus von Ende 2018 geklettert ist – als ein harter Brexit unmittelbar drohte. Kritisch kann man aber auch anmerken, dass damit noch längst nicht die Niveaus erreicht sind, die bei einem harten Brexit fundamental gerechtfertigt wären.

Der GBP-Markt wäre konsistent, wenn man EUR-GBP-Niveaus im Bereich 0.90 bis 0.95 im Fall eines harten Brexit erwarten würde. Dann würde (a) die Chance, dass es nicht so kommt, die Spot-Niveaus rechtfertigen und (b) der geringe Abstand zu diesen Niveaus die geringe 6-Monats-Volatilität erklären. Wer mehr erwartet oder befürchtet, wird sowohl Absicherungsbedarf sehen, als auch den Optionsmarkt als billig empfinden.

Produktidee: Faktor-Zertifikate
WKN Typ Basiswert Merkmale
CU2XL6 Long EUR/GBP Faktor: 10
CV0V4A Short EUR/GBP Faktor: -10

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