Währung

Brexit zurück auf der Agenda

GBP: Es kommt wieder Schwung in die Brexit-Dramödie. Für die Woche vom 3. Juni kündigte die britische Regierung die vierte Abstimmung über das Austrittsabkommen mit der EU an. Diesmal soll direkt über das Gesetz abgestimmt werden. Im Falle einer Niederlage dürfte es für Premierministerin Theresa May damit nahezu unmöglich werden, das Thema noch einmal vor das Parlament zu bringen. Und derzeit deutet alles genau auf eine solche Niederlage hin. Denn trotz fortlaufender Gespräche erteilte die Labour-Partei dem Gesetz in seiner jetzigen Form erneut eine Absage. Gleichzeitig wird immer wahrscheinlicher, dass das Brexit-Schicksal nach der Abstimmung nicht länger in Mays Verantwortung liegen wird. Nach einem gestrigen Treffen zwischen May und dem mächtigen 1922-Komitee konservativer Abgeordneter hat der Vorsitzende Sir Graham Brady ein weiteres Treffen nach der Abstimmung angekündigt. Da soll dann ein konkreter Zeitplan für Mays Rücktritt festgezurrt werden – unabhängig vom Ausgang der Abstimmung. Mays Tage sind also gezählt. Unmittelbar nach der Abstimmung (so es denn tatsächlich dazu kommt und diese nicht wieder kurzfristig abgesagt wird) blüht dem Vereinigten Königreich damit ein Führungskampf. Boris Johnson hat sich bereits in Stellung gebracht und seine Kandidatur angekündigt.

Angesichts dieser Gemengelage ist es für mich vollkommen unverständlich, wieso die implizite Volatilität sowohl für den nächsten Monat (bis ca. eine Woche nach der Abstimmung) als auch die längerfristigen bis nach dem derzeitigen Brexit-Datum Ende Oktober weiterhin nahe der Tiefststände aus dem vergangenen Jahr notieren. Die seit dem letzten Brexit-Aufschub vorherrschende Kombination aus niedriger impliziter Volatilität (Abb. 1) und dennoch erhöhten (längerfristigen) EUR-GBP-Risk-Reversals (Abb. 2) hatte ich immer so interpretiert, dass der Markt eine lange Hängepartie – deshalb niedrige Vola – aber keine gütliche Lösung erwartet, die letztlich GBP-positiv wäre und daher für niedrigere Risk-Reversals spräche; also wahrscheinlich einen immer weiteren Brexit-Aufschub. Das erscheint aber zunehmend unrealistisch. Denn nach der Abstimmung werden die Karten neu gemischt: Entweder May schafft es, einen geordneten Brexit zu sichern, was die GBP-Abwertungsrisiken erheblich reduzieren würde, oder ein neuer Premierminister bringt neue Unsicherheiten und wahrscheinlich einen härteren Brexit-Kurs. Ich sehe daher kurzfristig Korrekturpotenzial am Optionsmarkt und Raum für weitere GBP-Abwertung.

Produktidee: Faktor-Zertifikate
WKN Typ Basiswert Merkmale
CV0V45 Long EUR/GBP Faktor: 10
CV0V4A Short EUR/GBP Faktor: -10

AUD: Seit die schwachen Inflationszahlen für das erste Quartal Ende April vom Markt als akute Handlungsaufforderung an die australische Zentralbank (Reserve Bank of Australia, RBA) verstanden wurden, kennt der Aussie nur noch eine Richtung: Nach unten. Anfang Mai hatte die RBA jedoch von einer Zinssenkung abgesehen und dabei vor allem auf die vielversprechende Entwicklung am Arbeitsmarkt verwiesen. Nach dem gestrigen Anstieg der Arbeitslosenquote weitete der Markt entsprechend seine Zinssenkungs-Wetten aus. Und am kommenden Wochenende könnte ein weiterer impliziter Grund für die Zurückhaltung der RBA wegfallen: Am Samstag stehen in Australien Wahlen an. Nach wie vor liegt die oppositionelle Labor-Partei in Umfragen vorne. Es gibt aber Befürchtungen, dass die von beiden großen Parteien in Aussicht gestellten Unterstützungsmaßnahmen für die Wirtschaft im Fall eines Labor-Sieges eher zu Lasten der Unternehmen gehen könnten, was die Stimmung zusätzlich eintrüben könnte. Und die ist nach der erneuten Eskalation des Handelsstreites zwischen den USA und China bereits schwer gebeutelt. Die derzeit inzwischen eingepreisten 2-3 Zinssenkungen halten wir jedoch für übertrieben, weshalb wir grundsätzlich weiter höhere AUD-Notierungen erwarten. Angesichts des anhaltend unsicheren Marktumfeldes schließen wir jedoch nicht aus, dass die Abwertungsdynamik kurzfristig weiter anhält.

Produktidee: BEST Turbo-Optionsscheine
WKN Typ Basiswert Merkmale
CJ1QH7 Call EUR/AUD Hebel: 4,7
CJ6BQ6 Put EUR/AUD Hebel: 5,3

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