Währung

USD: Trump und die Fed

USD: Freitag war „Risk-On“-Tag. JPY und CHF- die beiden „klassischen“ „sicheren Häfen“ verloren, aber auch der US-Dollar, der ja seit einiger Zeit auch gehandelt wird, als sei er ein „sicherer Hafen“. Der Rest des G10-Währungsuniversums konnte gegenüber den dreien zulegen, in unterschiedlichem Ausmaß, je nach typischer Nähe zum Dollar. Warum? Falsche Frage! Die Bewegung kam in zwei Wellen, muss also eher als „Entladung“ des Marktes verstanden werden, der eigentlich schon `ne Weile so tickt, das aber noch nicht in den Kursen verarbeitet hatte. So ist’s nun einmal. Manchmal wartet jedermann auf’s richtige Timing. Freilich gab’s ex post Rechtfertigung vom IMF-Treffen der Finanzminister und Notenbanker. Dort zeigte man sich allgemein moderat optimistisch. Eine globale Rezession kann sich in diesem Kreis kaum jemand vorstellen. Logisch. Die üblichen Auslöser (Finanzmarktkrise oder restriktive Geldpolitik) fehlen halt. Allerdings verstehen die Ökonomen in letzter Zeit so einiges (fehlende Inflationsdynamik, niedrige Realzinsen…) nicht. Daher bleibt ein Rest von Zweifel. Was, wenn in diesen seltsamen Zeiten auch Rezessionen aus anderen Ursachen entstehen können als sonst? Weil das Repertoire der Zentralbanken zur Rezessionsbekämpfung nur spärlich bestückt ist, ist verständlich, dass die Finanzmärkte – inklusive dem FX-Markt – besonders empfindlich auf die kleinsten Anzeichen von Rezessionsrisiken reagierten. Und das heißt auch: Jede Bewegung in die Gegenrichtung fällt ebenso heftig aus.

Sie wissen, dass wir im Commerzbank Research keine (oder schlimmstenfalls: eine milde) Rezession erwarten. Daher war aus meiner Sicht die Bewegung vom Freitag nicht nur gerechtfertigt, sondern insbesondere bzgl. USD noch nicht hinreichend. Aber erst einmal freue ich mich darüber, dass wir wieder den 1,13-Handel sehen. Und weil die USD-Schwäche seit Ende März nur sehr graduell entsteht, erschüttert sie bislang nicht die USD-Bullen. Zumindest ist das mein Eindruck, wenn ich mich heute durch die Veröffentlichungen anderer Analysten kämpfe. Das ist gut, denn das lässt noch Platz dafür, dass noch mehr Marktteilnehmer umfallen und der Greenback weiter nachgibt.

US-Präsident Donald Trump twittert weiter gegen die Fed und stellt – wenn die US-Notenbank nur folgsam wäre – erneut paradiesische Zustände in Aussicht. Jetzt sind’s schon „über 4%“ Wachstum. Warum nicht 40%? 400% 4000%? Bei einer Prozentzahl bin ich mir ziemlich sicher: 99% aller Ökonomen werden das für ausgemachten Quatsch halten. Aber wir dürften in seinen Augen eh Teil des „swamp“ sein, den er trockenlegen will. Und zugegeben: Er trifft die Ökonomen-Profession in einem besonders empfindlichen Zeitpunkt, an dem wir vor vielen Phänomenen stehen wie der Ochs vorm Berge (siehe oben). Das Schöne am Leben als FX-Analyst ist: Ich muss mir gar nicht allzu viele Gedanken darüber machen, ob und wieweit Trumps Forderungen teilweise berechtigt sind und er nur in dieselbe Kerbe wie die Fed haut (was übrigens der besonders perfide Aspekt dieses Angriffs auf die Fed ist). Solange die Fed nicht auf stur schaltet und einen extra restriktiven Kurs fährt, um ihre Unabhängigkeit unter Beweis zu stellen, solange wird das eh alles USD-negativ sein. Ich sehe (siehe oben) Trumps Fed-Kritik nicht als Ursache der jüngsten USD-Schwäche, aber zumindest als unterstützenden Faktor.

Produktidee: Faktor-Zertifikate

WKN Typ Basiswert Merkmale
CD910B Long EUR/USD Faktor: 5
CD910C Short EUR/USD Faktor: -5

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