Währung

USD: Interventionsgefahr?

USD: Mehr und mehr Kollegen bei Mitbewerbern rechnen ernsthaft mit Interventionen des US-Finanzministeriums am Devisenmarkt. In der Tat, es scheint verlockend. US-Präsident Donald Trump will einen schwächeren Dollar, die Fed ist aber nicht so expansiv, dass er ihn bekommt. Warum also nicht direkt das Problem angehen?

Ich muss Ihnen nicht im Einzelnen erklären, dass das eine schlechte Idee wäre, oder? Solch ein Schritt würde den Konsens der G7-Zentralbanken und -Regierungen auf einen Schlag zerstören. Und in einem Währungskrieg würde die US-Regierung, wenn sie auf sich allein gestellt wäre, schnell denjenigen Ländern unterliegen, in denen die Zentralbanken Interventionen unterstützen. Die können – im Gegensatz zur Fed – unbegrenzt ihre eigene Währung drucken. Ergo: Ohne die Fed geht’s nicht. Die würde aber kaum zustimmen. Denn sie versteht sehr gut, wie wichtig der G7-Konsens ist.

Eher scheint mir ein Szenario vorstellbar, in dem die Frage der Interventionen die Regierung und die Fed auf noch größeren Konfrontationskurs bringt. Würde die US-Regierung ernsthaft Interventionen wollen und würde die Fed nicht mitmachen, wäre das ein Konflikt-Niveau, welches wir in der Nachkriegsgeschichte noch nicht gesehen haben. Und allein schon deshalb wäre es für den Dollar schlecht.

Produktidee: Faktor-Zertifikate
WKN Typ Basiswert Merkmale
CU2XLS Long EUR/USD Faktor: 10
CD910E Short EUR/USD Faktor: -10

GBP: An diese neue Art von Politikern müssen wir uns noch gewöhnen. Ihre Politik folgt nicht unbedingt einer stringenten Agenda, ihre Äußerungen reflektieren nicht immer eine politische Linie. So knickt US-Präsident Donald Trump im Streit um die US-Volkszählung völlig überraschend ein, macht im Handelsstreit mit China aber wieder eine Kehrtwende in Richtung Konfrontation (siehe unten). Letzteres überrascht uns übrigens nicht. Regelmäßige Leser werden wissen, dass wir den US-chinesischen Handelsstreit als Teil einer größeren Strategie der US-Administration zur ökonomischen, politischen und geostrategischen Eindämmung Chinas auffassen, der keine „Lösung“ haben kann.

Warum erzähle ich das ganze in einem Artikel zum britischen Pfund? Weil der wahrscheinliche nächste britische Premierminister Boris Johnson mir vom selben Schlag zu sein scheint. Er ist m.E. einer der letzten Vertreter der Brexit-Fraktion, die an dem Wahn festhält, die EU würde im letzten Moment einknicken. Das war zu Zeiten der Brexit-Kampagne eine beliebte, aber schon damals unrealistische Phantasie der Brexiteers. Mittlerweile gab es genügend Belege, die sie widerlegen. Korrigieren Sie mich, aber mir scheint diese Vorstellung bei Johnson weiter durchzuscheinen. Zumindest die Autoren der Financial Times teilen meinen Eindruck, weshalb ich heute den Mut für diesen Artikel fasse. Mit dieser Interpretation werden die ständig wechselnden Positionen Johnsons rational erfassbar. Einmal baut er Drohkulisse gegenüber der EU auf, einmal lässt er uns hinter den Vorhang schauen.

Die Annahme, Johnson meine es mit dem harten Brexit nicht so ernst, wie es manchmal klingt, rechtfertigt m.E. aber keineswegs größeren GBP-Optimismus. Genausowenig wie die Tatsache, dass das Parlament (inklusive einer hinreichenden Zahl von Tories) weiterhin den harten Brexit unter allen Umständen verhindern will. „Wollen“ ist nicht „können“. Generationen von Spieltheoretikern beschäftigen sich mit Situationen, in denen am Ende etwas herauskommt, was keiner will. Das Drama vom letzten Winter zeigt, wie relevant diese Theorie ist.

Ich will gar nicht sagen, dass EUR-GBP zu niedrig handelt. Aber wer 6-Monats-Vola bei 7½% handelt, muss mir bitte mal erklären, welchen Sinn das macht.

Produktidee: Faktor-Zertifikate
WKN Typ Basiswert Merkmale
CU2XL6 Long EUR/GBP Faktor: 10
CV0V4A Short EUR/GBP Faktor: -10
WKN Typ Basiswert Merkmale

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