Währung

USD: Der Handelsstreit und die Konjunktur

USD: Die gute Nachricht ist: sie reden noch miteinander. Larry Kudlow, Direktor des National Economic Council, deutete an, dass US-Präsident Donald Trump und Chinas Präsident Xi Jinping am Rande des G20-Gipfels in Osaka (28. bis 29. Juni) miteinander sprechen wollen. Wird dann der Handelskrieg zwischen beiden Nationen beigelegt? Unsere Volkswirte sind davon überzeugt, dass es in absehbarer Zeit zu einer Einigung kommt. Osaka wäre dazu eine gute Gelegenheit. Bis dahin ist noch eine Weile, aber der ökonomische Schaden (siehe unten), den die Zölle bis dahin anrichten, wäre überschaubar.

Nun tickt freilich der Devisenmarkt nicht wie ein Volkswirt. Hier müssen Risiken, nicht Überzeugungen, in Preise übersetzt werden. Und eines haben die Ereignisse der letzten Tage und Wochen gezeigt: dass in diesem Verhandlungsprozess einiges schiefgehen kann. Innerhalb weniger Tage drehte am ersten Mai-Wochenende die Situation, obwohl eigentlich schon jedermann davon überzeugt gewesen war, dass eigentlich nur noch Kleinigkeiten zu verhandeln seien und die Planung der Unterzeichnungs-Festivitäten als größte verbleibende Aufgabe angesehen wurde. Hinzu kommt momentan, dass der eindrücklichste Newsflow derzeit die Tweets des US-Präsidenten sind. Und liest man sich die durch, beschleicht einen schon die Sorge, dass der Punkt, an dem das Tischtuch zwischen den beiden Seiten endgültig zerschnitten ist und keine konstruktiven Gespräche mehr möglich sind, nicht mehr weit ist.

Wegen dieser verbleibenden Risiken kann der Markt momentan – trotz aller überzeugenden Argumente – den Optimismus meiner Kollegen nicht teilen, sondern schaltet auf „risk off“: USD-JPY handelt unter 110, EUR-CHF unter 1,1360. Dabei ist auffällig, dass der Dollar eben nicht „sicherer Hafen“ ist und folglich in EUR-USD nichts Wesentliches passiert. Dabei wäre – wenn das Risikoszenario „Handelskrieg“ tatsächlich einträte, die Wirkung auf den Dollar komplex. Dazu habe ich am letzten Freitag zu wenig (und damit potenziell Verwirrendes) gesagt. Daher hier drei Punkte zur Erläuterung:
(1.) Natürlich ist prinzipiell die Einführung von Import-Zöllen durch eine große Volkswirtschaft, die nicht von ihren Handelspartnern in ähnlichem Ausmaß mit Gegenzöllen gerächt werden, positiv für diese Währung. Weil sie mehr heimische und nicht mehr so viele ausländische Waren konsumiert, werden die Waren und Dienstleistungen, die diese Volkswirtschaft produziert, „wertvoller“, d.h. ihre Währung „wertet real auf“: Entweder steigen die heimischen Preise, oder die Währung legt am Devisenmarkt zu. Da aber auch im Fall steigender Inflation der Dollar zulegen würde (weil die Fed dann nicht mehr über Zinssenkungen nachdenken müsste), ist egal, über welchen Kanal die reale Aufwertung initial liefe, der Dollar wäre am Ende stärker.
(2.) Dieser Lehrbuch-Fall wird in der Realität „verwässert“: Nicht Alles, was die US-Importeure aufgrund der Zölle nicht mehr aus China importieren, wird daheim produziert werden. Seitdem China nicht mehr ausgesprochener „Niedriglohn“-Standort ist, gibt es Anlass genug, Produktion von dort zu verlagern. Nur eben nicht in die USA, sondern nach Vietnam, Laos etc.
(3.) Viel wichtiger ist (und das ist der Unterschied zu Ende 2017 / Anfang 2018, als das Thema schon einmal diskutiert wurde): Im Gegensatz zum Lehrbuch-Fall ist keinesfalls sicher, dass die US-Nachfrage nicht durch die Zölle sinkt. Denn sie kommen zum konjunkturell ungünstigen Zeitpunkt. Machen wir uns nichts vor. Unsere und andere Volkswirte haben zwar nach der spektakulären US-BIP-Zahl für Q1/2019 ihre US-Wachstumsprognosen angehoben – aber nur minimal, verglichen mit der Überraschung, die diese Zahl bedeutete. Mit anderen Worten: Für die nächsten Quartale erwarten sie niedrigere Wachstumsraten als bislang. In einer Phase nachlassenden Wachstums ist aber ein weiterer Aspekt von Zöllen solch massiven Ausmaßes relevanter: ihre disruptive Wirkung.

Auf kurze Frist besteht für viele Importe aus China keine Substitutionsmöglichkeit. Zölle verringern daher die private Nachfrage. Das wird teilweise dadurch ausgeglichen, dass Trump plant, die Zolleinnahmen zur Nachfrage nach heimischen Gütern zu verwenden. Nur besteht halt – anders als Ende 2017 – die Gefahr, dass die Nachfrage überproportional auf den Zoll reagiert und netto ein negativer Nachfrage-Effekt übrig bleibt.

Kein Wunder, dass die Fed-Erwartungen bereits wieder sinken (Abbildung 1). Angesichts dessen sollte eher verwunderlich sein, dass der Dollar sich so gut hält und nicht deutlich nachgibt. In diesem Sinn muss man schon konstatieren: Der Dollar ist doch „sicherer Hafen“. Nicht, weil er aufwerten würde, sondern weil er trotz rückläufiger Fed-Erwartungen nicht nachgibt.

Produktidee: Faktor-Zertifikate

WKN Typ Basiswert Merkmale
CD910B Long EUR/USD Faktor: 5
CD910C Short EUR/USD Faktor: -5

ZAR: Der regierende ANC hat die Parlamentswahlen in Südafrika mit 57,5% der Stimmen gewonnen. bei der Wahl 2014 waren es 62,15%. Damit hat sich der Vorsprung deutlich verringert, was sich aber in Umfragen vorher zum Teil bereits abgezeichnet hatte. Auch in wichtigen Provinzen musste der ANC Verluste hinnehmen. Besonders knapp war es mit 50,19% in Gauteng, das etwa ein Drittel des Bruttoinlandsprodukts beisteuert. Dennoch konnte er wie zuvor in acht der neun Provinzen die Mehrheit behaupten. Im Parlament werden damit künftig 14 Parteien vertreten sein, eine mehr als bislang. Von den 400 Sitzen erhält der ANC 230, das sind 19 weniger als bislang. Dennoch reagierte der Markt positiv auf das Wahlergebnis, das sich mit dem Auszählen der Stimmen am Donnerstag und Freitag bereits abzeichnete. USD-ZAR fiel unter die Marke von 14.20. Nun kommt es darauf an, dass Präsident Cyril Ramaphosa nach der Regierungsbildung rasch seine politische Agenda aufsetzt und dringend benötigte Reformen anstößt. Denn die Probleme des Landes sind komplex, vor der neuen Regierung liegt eine Herkules-Aufgabe. Weitere Informationen finden Sie in unserem ZAR-Währungsausblick, der heute aktualisiert wird.

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