Währung

USA sagt Mexiko-Zölle ab. Grund für “Risk On”?

US-Präsident Donald Trump hat die angedrohten Zölle auf Importe aus Mexiko nicht eingeführt. Und damit ist wieder Friede, Freude, Eierkuchen. Ist es? Bin ich voreingenommen, oder ist mein Eindruck richtig, dass die Politik dieser US-Administration exponentiell erratischer wird? Da geht es mal in Richtung Protektionismus, mal wieder zurück. Und auch diese “Einigung” mit der mexikanischen Regierung (über Dinge, die nichts, aber auch gar nichts mit Handelsbeziehungen zu tun haben) ist verwirrender als erwartet werden darf. Da schwafelt der US-Präsident im Fernsehen über “geheime” Seitenabsprachen mit der mexikanischen Regierung, die diese dementiert. Im Ergebnis weiß niemand, was der Gegenstand dieses Abkommens ist. Und das entwertet dieses Abkommen für die Märkte.

Ja, USD-MXN ist wieder auf Niveaus, auf denen es vor der Zoll-Androhung Trumps war. Das ist insofern gerechtfertigt, als Mexiko momentan nicht mehr das primäre Angriffsziel der US-Regierung ist. Das Problem für den Devisenmarkt ist ein anderes: Wie ist die US-Währung selbst zu bewerten in dieser neuen Welt, in der neue imperiale US-Außenpolitik alles verändert?

Einzupreisen ist eine US-Administration, deren primäres Ziel die relative ökonomische Stärkung der USA ist – indem das Wachstum anderer Volkswirtschaften geschwächt werden soll. So Trump in einem Interview gestern:

They [China] were going to catch us had a Democrat gotten in […]. China would have caught us by the end of her term. They’re nowhere close. They’ll never catch us. Not with what I’m doing. They’ll never catch us.

Diese US-Politik richtet sich momentan gegen China, wird sich – so deutet sich an – bald gegen Europa richten und vielleicht in Zukunft gegen andere Volkswirtschaften. Ist die Trump-Administration damit erfolgreich, mag man sich als Europäer und Chinese darüber vor Ärger die Haare raufen. Als Devisenmarkt-Beobachter muss man konstatieren, dass das USD-positiv wäre. Solch eine Politik vergrößert nicht das absolute Produktivitätswachstum der USA, reduziert aber das des Rests der Welt. Und das reicht für allgemeine USD-Stärke.

Wenn da nicht die Geldpolitik wäre. Die Angriffe Trumps auf die Fed verschärfen sich. Und kein Ende ist abzusehen. Jetzt beschwert sich der US-Präsident schon darüber, dass die Fed ihre geldpolitischen Entscheidungen nicht am Emissionskalender des Finanzministeriums ausrichtet. So etwas kann dazu führen, dass eine Zentralbank erst recht auf “stur” schaltet. Das hat die Fed bislang nicht gemacht. Sie würde wahrscheinlich sowieso ihre Geldpolitik lockern. Jetzt werden solche Schritte aber unweigerlich ein “Geschmäckle” haben. Das Verhalten der US-Notenbanker wird nicht mehr von einem Verhalten zu unterscheiden sein, welches ungebührlichen Einmischungen nachgibt – und damit sind die kommenden Fed-Zinssenkungen schädlicher für den Greenback als sie eigentlich sein müssten.

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Präsident Donald Trump droht mit Zöllen auf alle chinesische Güter, wenn sein Amtskollege Präsident Xi Jinping nicht am G20-Gipfel in Osaka am 28. und 29. Juni teilnehme. Allerdings sagte er: „Ich glaube, er wird kommen.“ Medienberichten zufolge wurde zudem, anstatt bloßem Händeschütteln und einer kurzen Unterhaltung, ein Abendessen zwischen den beiden Staatschefs vorgeschlagen. Das lässt hoffen, dass ein ausufernder Handelskrieg vermieden werden könnte. Jedoch wurde das Treffen zwischen Trump und Xi noch nicht von offizieller Seite bestätigt.

Am Devisenmarkt wird am häufigsten die Frage gestellt, ob die chinesische Zentralbank (PBoC) bald zulassen wird, dass USD-CNY über die Marke von 7,00 klettert. Dies wurde in den letzten Jahren unzählige Male thematisiert. Zumindest erscheint dies vor dem Gipfeltreffen in Osaka unwahrscheinlich. Zwar deutete PBoC-Gouverneur Yi Gang kürzlich an, dass es keine „rote Linie“ für USD-CNY gibt, aber die jüngsten Maßnahmen der chinesischen Zentralbank weisen immer noch eindeutig auf einen „Stabilitätsmodus“ hin. So hält die PBoC weiterhin an einem USD-CNY-Referenzkurs von deutlich unter 6,90 fest und teilte heute Morgen mit, dass Ende Juni neue Schatzwechsel am Offshore-Markt ausgegeben werden. Dies wird allgemein als Geste gedeutet, die die „chinesischen Bären“ davor warnen soll, Short-Positionen im CNH einzugehen, weil die PBoC in Bezug auf diese Positionen einen Squeeze herbeiführen und somit deren Kosten erhöhen könnte. Sowohl CNY als auch CNH erhielten durch diese Nachricht heute Morgen leichten Auftrieb.

Wichtiger ist die Frage, ob es abgesehen von der politischen Agenda für China Sinn macht, die Währung “loszulassen”. Laut Lehrbuch ergeben sich aus einer stärkeren Flexibilität einer Währung viele Vorteile. Allerdings besteht dabei für viele Schwellenländer wie China das Risiko einer unkontrollierbaren Abwertung und Kapitalabflüssen. Nachdem der CNY bereits unter Abwertungsdruck steht (sonst würde das Land nicht 1 Bio. USD an Devisenreserven verlieren), ist damit zu rechnen, dass dieser eine deutlich schnellere Abwertung vollziehen würde, sollte die Zentralbank grünes Licht geben. Demzufolge ist die eigentliche Frage, wie ein Gleichgewicht erreicht werden kann, dass nicht nur die Konjunktur ankurbelt, sondern auch den Markterwartungen gerecht wird. Darüber hinaus ist abzuwägen, ob eine schnellere CNY-Abwertung die bereits angeschlagene Beziehung zwischen den USA und China weiter belasten würde. Die chinesischen Währungshüter müssen sich dies gut überlegen und sich auf Unsicherheitsfaktoren einstellen, bevor sie diesen Schritt wagen.

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