Rohstoffe

China kommt USA im Handelsstreit entgegen – das sind die Auswirkungen auf die Edelmetall- und Rohstoffpreise

Energie: Laut einer Bloomberg-Umfrage lag die OPEC-Rohölproduktion im Mai unverändert bei 31,9 Mio. Barrel pro Tag. Dass die Fördermenge nicht weiter gefallen ist, lag primär an einer höheren Produktion in Saudi-Arabien (+110 Tsd. Barrel pro Tag). Der größte OPEC-Produzent förderte damit erstmals seit Oktober 2017 wieder mehr als 10 Mio. Barrel pro Tag. Aufgrund eines höheren Eigenbedarfs erhöht Saudi-Arabien während der Sommermonate für gewöhnlich seine Produktion. Auch im letzten Jahr lag die Fördermenge Saudi-Arabiens zwischen Juni und Oktober bei gut 10 Mio. Barrel pro Tag. Dass die 10 Mio.-Marke in diesem Jahr schon einen Monat früher erreicht wurde, kann ein Indiz für ein zaghaftes Umsteuern in der Förderpolitik sein, etwa um die Ausfälle in Venezuela auszugleichen. Dort fiel die Ölproduktion im Mai um weitere 50 Tsd. auf 1,44 Mio. Barrel pro Tag. Noch stärker ging die Produktion in Nigeria zurück (um 190 Tsd. auf 1,62 Mio. Barrel pro Tag). Niedriger war sie zuletzt vor 13 Monaten. Grund hierfür waren Unterbrechungen bei einer wichtigen Pipeline. Die Probleme beschränken sich somit nicht nur auf Venezuela. Ende letzter Woche hatte Reuters ähnliche Zahlen berichtet, wenngleich die OPEC-Produktionsmenge in jener Umfrage mit 32 Mio. Barrel pro Tag etwas höher lag. Doch auch dieses Produktionsniveau reicht nicht, um den derzeitigen Bedarf an OPEC-Öl zu decken. Die Umfragen von Bloomberg und Reuters bestätigen somit die Notwendigkeit einer Anhebung der Fördermenge im zweiten Halbjahr (siehe auch „Rohstoffe kompakt Energie: Potenzielle Lockerung des Kürzungsabkommens?” vom 1. Juni 2018).

Produktidee: Faktor-Zertifikate
WKN Typ Basiswert Merkmale
CE9J1Y Faktor Long WTI Oil Future Faktor: 8
CE9J22 Faktor Long Brent Oil Future Faktor: 8
CE7XGS Faktor Short WTI Oil Future Faktor: -8
CV55QJ Faktor Short Brent Oil Future Faktor: -8

Edelmetalle: Ein schwächerer US-Dollar hat dem Goldpreis gestern phasenweise Unterstützung gegeben, so dass sich Gold wieder der Marke von 1.300 USD je Feinunze näherte. Allerdings wertete der US-Dollar später wieder auf und auch die Aktienmärkte legten zu – der S&P 500-Aktienindex in den USA ist auf ein 2½-Monatshoch gestiegen –, woraufhin Gold wieder nachgab. Immerhin wurde der starke Abfluss aus den Gold-ETFs gestoppt. Letzten Donnerstag und Freitag verloren die Gold-ETFs fast 14 Tonnen, womit alle Zuflüsse seit Anfang Mai wieder rückgängig gemacht wurden. Gestern gab es einen leichten Zufluss von 1,4 Tonnen.
Palladium handelte gestern lange Zeit über der Marke von 1.000 USD je Feinunze. In diesem Zusammenhang hatte sich die Preisdifferenz zwischen Palladium und Platin zeitweise auf über 100 USD je Feinunze ausgeweitet. Hierzu beigetragen haben unseres Erachtens die soliden Fahrzeugverkäufe in den USA im Mai, die Ende letzter Woche gemeldet wurden. Da der US-Markt benzinlastig ist, dürfte Palladium hiervon profitiert haben. Daneben ist der Absatz von Diesel-Autos in Deutschland auch im Mai eingebrochen. Laut Angaben des Verbands der Automobilindustrie (VDA) wurden rund 27% weniger Diesel-Autos verkauft als im Vorjahr. Der Diesel-Anteil bei den Pkw-Neuzulassungen lag im Mai nur noch bei gut 31%, nach über 40% im Vorjahr. Dies hat Platin belastet, das in der Herstellung von Diesel-Katalysatoren verwendet wird.

Produktidee: Faktor-Zertifikate
WKN Typ Basiswert Merkmale
CD5B2X Faktor Long Gold-Future Faktor: 6
CD5B34 Faktor Short Gold-Future Faktor: -6

Industriemetalle: Feste Aktienmärkte haben gestern den Metallpreisen Auftrieb gegeben. Der größte Gewinner war Blei mit einem Plus von 2,5% auf über 2.500 USD je Tonne. An der SHFE in Shanghai zieht der meistgehandelte Blei-Kontrakt heute nach: Er steigt um fast 4% auf ein 7½-Monatshoch. Dort wurden die Bleivorräte in diesem Jahr bislang deutlich abgebaut. Ansonsten dürften unseres Erachtens Finanzinvestoren hinter dem Preisanstieg stehen, die auf ein weiteres Zusammenlaufen der Preisdifferenz zwischen Zink und Blei setzen. Diese beträgt aktuell rund 600 USD je Tonne.
Die japanischen Aluminiumkonsumenten müssen sich im nächsten Quartal wohl auf deutlich höhere physische Prämien einstellen. Große Aluminiumproduzenten wie Rio Tinto Alcan fordern einen Aufschlag auf den LME-Preis von bis zu 160 USD je Tonne. Dies wären 24% mehr als im laufenden Quartal. Für die Prämien in Japan besteht quasi Nachholbedarf, vor allem im Vergleich zu denen in den USA. Dort waren die Prämien nach der Einführung von Importzöllen auf Aluminiumimporte stark gestiegen und haben nach einer Verschnaufpause Ende letzter Woche wieder etwas zugelegt. Hinzu kommen die Sorgen über eine Knappheit von Aluminium am Weltmarkt, sollten die US-Sanktionen gegen den russischen Aluminiumproduzenten Rusal nicht aufgehoben werden. Auch Rusal fordert von seinen japanischen Kunden eine physische Prämie von 160 USD je Tonne. Allerdings prüfen die japanischen Kunden eigenen Angaben zufolge noch, ob sie wegen der US-Sanktionen überhaupt Geschäfte mit Rusal machen wollen.

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