Währung

US-chinesischer Konflikt ist mehr als Handelskrieg

USD: Heute Morgen lese ich allerorts Analysen, die unserer Meinung folgen: Zwischen China und den USA ist mehr als nur Handelskrieg. Es geht der US-Seite nicht bloß um das Handelsbilanzsaldo mit dem Reich der Mitte. Was als Handelskrieg begann, ist Teil einer umfassenden Eindämmungs-Strategie. Die ist inkompatibel mit engen wirtschaftlichen Beziehungen zwischen beiden Ländern. Es droht (wie ein Beobachter heute schreibt) ein neuer, diesmal „seidener Vorhang“ zwischen zwei ideologisch antagonistischen Blöcken. Dazu passt, dass der US-Präsident bereits am Freitag die Wiederaufnahme der US-chinesischen Handelsgespräche (die für September geplant ist) infrage stellt und an Bedingungen zu knüpfen scheint. Und auf der anderen Seite tickelt das USD-CNY-Fixing der PBoC langsam aber stetig weiter nach oben (heute: 7,0211). Ja, die PBoC will sicherlich keinen CNY-Absturz. Aber sie will auch nicht das Signal, das sie vor einer Woche gesetzt hat, zurücknehmen.

Das heißt unter anderem: Chinesische Sparer könnten erneut mögliche Währungsgewinne als Motiv für Anlagen im Ausland sehen. Kapitalflucht wäre freilich Gift für die eh fragile Konjunktur Chinas. Die Verantwortlichen in Peking beschreiten einen schmalen Pfad zwischen politischen Signalen im Konflikt mit den USA und konjunkturell positiven Effekten der CNY-Schwäche einerseits und dem Risiko von Kapitalflucht andererseits. Das spricht für nur moderate CNY-Abwertungsgeschwindigkeit und immer mal wieder für kurzfristig fabrizierte Gegenbewegungen (um spekulative CNY-Verkäufer zu disziplinieren). Andererseits beinhaltet es die Gefahr, dass – falls es doch schief geht – der Kapitalverkehr wie schon 2015/16 stärker reglementiert wird. U.a. zulasten ausländischer Unternehmen, die in China aktiv sind.

Nachdem ein Anstieg von USD-CNY über 7 zugelassen wurde, ist klar, dass China in den Handelsspannungen mit den USA eine härtere Gangart eingelegt hat. Inzwischen wurden die Importe von Agrarerzeugnissen aus den USA ausgesetzt. Daraufhin haben die USA ihre Entscheidung über die Zusammenarbeit zwischen US-Firmen und Huawei verschoben. Ein richtiges Schlamassel also. Die jüngsten Äußerungen der USA haben den Markt noch weiter verwirrt. Präsident Trump zufolge kann er „mit oder ohne einen Deal“ leben und die Handelsgespräche sollten abgesagt werden. Jedoch äußerte Peter Navarro, der handelspolitische Berater Trumps, der für seinen falkenhaften Tonfall bekannt ist, dass die nächste Runde der Handelsgespräche nach wie vor wie geplant im September stattfände. Nun könnte ich auf die bevorstehende Volatilität verweisen, was aber wenig hilfreich ist. Allerdings ist es sehr wohl an der Zeit einzuräumen, dass China sich allem Anschein nach auf einen längeren Handelskrieg vorbereitet und bereit ist, in dieser chaotischen Situation wirtschaftliche Kosten in Kauf zu nehmen. Vielleicht hat Trump Recht und China hat vor den Präsidentschaftswahlen 2020 kein Interesse an einem Deal. Auf der anderen Seite weiß China natürlich auch, dass Trumps Verhalten zeigt, dass auch ein Deal nicht zwingend Beständigkeit haben wird. Sollte dies der Fall sein, lässt sich China auf eine gefährliche Wette ein. Aus diesem Grund ist es unserer Ansicht nach angezeigt, sowohl die BIP- als auch die Währungsprognosen für die nächsten 18 Monate zu senken. Wir haben die BIP-Prognose für 2019 und 2020 von derzeit 6,3% bzw. 6,0% auf 6,2% bzw. 5,8% gesenkt. Für USD-CNY haben wir unsere Zielvorgaben von 6,90 für Ende 2019 und 7,15 für Ende 2020 auf 7,15 bzw. 7,35 nach oben korrigiert.

Es ist nicht schwer einzusehen, dass all das ökonomisch für die USA und für China negativ ist. Doch dürfte es auch Kollateralschäden zu beklagen geben. Europa hat bisher auskömmlichen Handel mit den USA und mit China betrieben. Ob das in einer wieder zweigeteilten Welt in selbem Umfang möglich sein wird, ist offen. In Zeiten des eisernen Vorhangs kam es immer wieder zu politischen Konflikten mit dem Verbündeten USA, wenn deutsche Unternehmen beispielsweise Röhren für sowjetische Gaspipelines lieferten. Das derzeitige Gebaren der US-Regierung legt nahe, dass das nur ein müder Vorgeschmack darauf war, was Europas China-Händlern in einem US-chinesischen Konflikt drohen könnte. Ergo: Den Euro als strategische Hedge gegen einen neuen seidenen Vorhang zu betrachten, könnte falsch sein.

Produktidee: Faktor-Zertifikate
WKN Typ Basiswert Merkmale
CU2XLS Long EUR/USD Faktor: 10
CD910E Short EUR/USD Faktor: -10
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Die maßgeblichen Produktinformationen stehen im Internet unter www.zertifikate.commerzbank.de zur Verfügung. Den Basisprospekt sowie die Endgültigen Bedingungen und die Basisinformationsblätter erhalten Sie bei Klick auf die WKN.
Sie sind im Begriff, ein komplexes Produkt zu erwerben, das nicht einfach ist und schwer zu verstehen sein kann. Wir empfehlen Interessenten und potenziellen Anlegern den Basisprospekt und die Endgültigen Bedingungen zu lesen, bevor sie eine Anlageentscheidung treffen, um sich möglichst umfassend über die potenziellen Risiken und Chancen des Wertpapiers zu informieren, insbesondere um die potenziellen Risiken und Chancen der Entscheidung, in die Wertpapiere zu investieren, vollends zu verstehen. Die Billigung des Basisprospekts durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht ist nicht als ihre Befürwortung der angebotenen Wertpapiere zu verstehen.

CHF: Kürzerfristig heißt das ganze erstmal: Die Erholung riskanter Währungen ist vorbei. Und die „sicheren Häfen“ JPY und CHF legen wieder zu. Beide Zentralbanken haben nur noch extrem kleinen Handlungsspielraum. Die BoJ stöhnt schon seit langem, dass ihre dauer-expansive Geldpolitik das Bankensystem unerträglich belastet. Und im Fall der SNB erinnern sich die meisten wohl noch an die Gerüchte, die Anfang 2015 aufkamen: dass große institutionelle Anleger ihre Einlagen bei Banken in großem Stil abheben und als Bargeld lagern wollten. Zu beiden, BoJ wie SNB, kommen dennoch immer wieder Spekulationen auf, dass sie ihre Leitzinsen nochmals senken könnten. Können sie? Hier muss ich eine typische Volkswirte-Antwort geben: Es kommt darauf an. Klar, jede Zentralbank kann einen beliebig negativen Zins einführen, wenn die entsprechende Fazilität nur so klein ist, dass er ökonomisch irrelevant wird. Das ist aber nicht Geldpolitik, sondern Reklame. ein ökonomisch relevanter Negativzins für Banken hingegen kann zwei Konsequenzen haben: Entweder sie geben ihn nicht an ihre Kunden weiter. Dann ist er in Zeiten von Überschussliquidität und Eigenkapitalmangel der Banken keine expansive, sondern eine restriktive geldpolitische Maßnahme (weil er die Fähigkeit der Banken zur Ausdehnung der Kreditvergabe einschränkt und nicht erhöht) – also genau das falsche Instrument. Oder die Banken geben ihn weiter. Dann droht ein Ausweichen der Banken-Kundschaft auf Bargeldhaltung. Die Maßnahme verpufft. Ergo: Formal gibt es stets Möglichkeiten, auf irgend eine Fazilität immer negativere Zinssätze zu erheben. Ökonomisch relevante Zinssenkungen dürften BoJ und (vor allem) SNB freilich kaum noch gelingen.

Daher sind JPY und CHF „sichere Häfen“. Und daher handelt USD-JPY um 105,50 und EUR-CHF wieder um 1,09.

Der Euro hat am Devisenmarkt noch nicht solch eine Stellung. Seine Kurse werden noch von Erwartungen einer expansiveren EZB getrieben. Mit unserer Prognoseänderung vom Freitag haben wir der Tatsache Rechnung getragen, dass das so ist – auch wenn wir die Einschätzung des Marktes ganz und gar nicht teilen. Denn in dieser Beziehung ist die EZB den beiden „Safe-Haven“-Zentralbanken schon ziemlich ähnlich. Die RBNZ hat gerade einmal ausgerechnet, was ihrer Meinung nach ökonomisch sinnvoll machbar ist. Sie kommt auf eine Zinsuntergrenze von -0,35%. Ziemlich nah am jetzigen EZB-Einlagensatz. Klar, auch die EZB kann kurzfristig mehr machen. Und sie kann noch ein wenig QE-en (d.h. Staatsanleihen kaufen). Doch auch die gehen schnell aus. Das Ende der wirklichen geldpolitischen Möglichkeiten (abgesehen von Reklame-Maßnahmen) ist so nahe, dass der Devisenmarkt früher oder später einsehen muss, dass auch der Euro mehr als „sicherer Hafen“ zu handeln wäre. Bislang ist das nicht passiert. Deshalb erwarten wir EUR-negative Effekte von den expansiven Maßnahmen, die unsere EZB-Watcher für September prognostizieren. Über kurz oder lang wird sich diese Erkenntnis aber durchsetzen. Deshalb bleiben wir mittelfristig EUR-USD-Bullen.

WKN Typ Basiswert Merkmale
CU2XL1 Long EUR/CHF Faktor: 10
CD91QD Short EUR/CHF Faktor: -10
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