Rohstoffe

Preisaufschlag für Brent mit kurzfristiger Lieferung nimmt zu

Energie: Die Ölpreise stehen wegen der weiteren Zuspitzung des Handelsstreits zwischen den USA und China unter Druck. Brent fällt daraufhin wieder unter 70 USD je Barrel. Die Backwardation der Brent-Terminkurve wird dagegen immer ausgeprägter. Der Preisabstand zwischen dem nächstfälligen und dem darauffolgenden Terminkontrakt (Juli vs. August) beträgt mittlerweile 1,5 USD. Höher war er in diesem Laufzeitsegment zuletzt im September 2013. Dass die Marktteilnehmer bereit sind, für kurzfristig lieferbares Öl einen derartigen Aufschlag zu zahlen, deutet auf ein angespanntes Ölangebot hin. Gleichzeitig könnte die fallende Terminkurve Finanzanleger anlocken. Denn auf Jahressicht winkt durch das Eingehen einer Brent-Long-Position eine Rendite von 7%, sofern sich der Ölpreis nicht bewegt. Oder anders ausgedrückt müsste der Brentölpreis in den nächsten 12 Monaten um 7% fallen, bevor die Position ins Minus dreht. Ganz anders sieht dagegen die Situation am US-Ölmarkt aus. Hier deuten die steigenden Lagerbestände auf einen überversorgten Markt hin. Die WTI-Terminkurve ist im vorderen Laufzeitbereich entsprechend ansteigend. Die wöchentlichen US-Lagerdaten werden wegen des Feiertages am Montag erst heute Abend (API) bzw. morgen Nachmittag (DOE) veröffentlicht. Aufgrund von Überflutungen im Mittleren Westen soll der Abfluss des Rohöls vom Lagerort Cushing in Oklahoma behindert sein. Dies deutet auf einen weiteren Lageraufbau hin und könnte den WTI-Preis somit belasten. In der Folge könnte auch der Preisabschlag zu Brent weiter steigen. Aktuell beträgt dieser bereits 11 USD je Barrel. So hoch war er zuletzt vor fast einem Jahr.

Produktidee: Faktor-Zertifikate
WKN Typ Basiswert Merkmale
CJ3H9A Long WTI Oil Future Faktor: 8
CJ3H9H Long Brent Oil Future Faktor: 8
CJ3D4S Short WTI Oil Future Faktor: -8
CJ3D5A Short Brent Oil Future Faktor: -8

Edelmetalle: Gold ist gestern Nachmittag wie aus dem Nichts bis auf 1.276 USD je Feinunze gefallen. Eigentlich gab es zu dieser Zeit eher preisunterstützende Nachrichten wie zum Beispiel fallende US-Anleiherenditen und aufkommende politische Unsicherheiten in Italien und Deutschland. Dennoch gab es gestern wieder ETF-Abflüsse. Später veröffentlichte gute US-Konjunkturdaten (das Konsumentenvertrauen lag über den Erwartungen) haben den Preis interessanterweise nicht mehr weiter belastet. Die in Teilen inverse Zinsstrukturkurve in den USA lässt den Goldpreis allerdings ebenso kalt. Eine inverse Zinsstrukturkurve wird häufig als Signal einer bevorstehenden Rezession angesehen. Heute Morgen hat sich Gold immerhin um fast 10 USD erholt, da sich der Handelsstreit zwischen den USA und China weiter zuspitzt (siehe Industriemetalle auf Seite 2). Silber wurde gestern von Gold mit nach unten gezogen und verlor zeitweise 2%. Es handelte auf einem 6-Monatstief von 14,3 USD je Feinunze. Das Gold/Silber-Verhältnis ist daraufhin auf über 89 gestiegen. Platin ist wieder unter die Marke von 800 USD je Feinunze gefallen. Einzig Palladium zeigt sich standhaft. Dies ist aus unserer Sicht erstaunlich, da die Palladium-ETFs gerade in den letzten Wochen starke Abflüsse verzeichneten. Seit Quartalsbeginn haben die ETF-Investoren 85 Tsd. Unzen Palladium verkauft, seit Jahresbeginn mittlerweile 100 Tsd. Unzen. Laut Johnson Matthey sollen in diesem Jahr über 300 Tsd. Unzen aus den ETFs abfließen. Die schwache Investmentnachfrage soll aber durch eine starke Nachfrage aus der Autoindustrie klar überkompensiert werden.

Produktidee: Faktor-Zertifikate
WKN Typ Basiswert Merkmale
CU0E63 Long Gold-Future Faktor: 10
CJ7RLD Short Gold-Future Faktor: -10
CJ7RMS Long Palladium-Future Faktor: 5
CJ7RMH Short Palladium-Future Faktor: -5
CJ7RMG Long Platinum-Future Faktor: 5
CJ7RL7 Short Platinum-Future Faktor: -5

Industriemetalle: Die Spirale im Handelsstreit zwischen den USA und China dreht sich weiter, was heute auf den Metallpreisen lastet. Laut verschiedenen chinesischen Medienberichten plant China, die Exporte von Seltenen Erden in die USA zu beschränken. Diese wurden von US-Präsident Trump bislang bei den Importzöllen aus gutem Grund außen vor gelassen. Denn sie sind für viele zivile (z.B. Mobiltelefone, andere Elektronikgeräte) und militärische Anwendungen (z.B. Radar- und Raketenlenksysteme) essenziell und können kaum ersetzt werden. Gemäß Daten der US-Geologiebehörde beziehen die USA 80% ihres Bedarfs an Seltenen Erden aus China. Diese Materialien zu importieren ist für die USA günstiger als sie selbst zu produzieren. China produziert rund 90% aller Seltenen Erden weltweit und hat damit ein Quasi-Monopol.
An den Börsen in Dalian und Singapur geben die Eisenerzpreise heute um 3% nach. Die Dalian Commodity Exchange (DCE) erhöht mit dem Beginn des Abendhandels die Gebühren für den Handel mit Futures-Kontrakten, um die zuletzt stark aufgekommenen spekulativen Aktivitäten einzudämmen. Ob dies den Beginn einer Korrektur der gerade in den letzten Wochen stark gestiegenen Eisenerzpreise darstellt, lässt sich jetzt noch nicht sagen. Die steile Backwardation in den Terminkurven (91 USD Ende 2019, 79 USD Ende 2020) deutet aber an, dass die aktuelle Knappheit von den Marktteilnehmern als vorübergehend angesehen wird und sich der seewärtige Markt wieder entspannt.

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