Währung

Sind Zinssenkungen noch gerechtfertigt?

USD: Die Wirtschaftsdaten aus den USA haben zuletzt eher positiv überrascht, wie gestern der Philly Fed Index, der auf den höchsten Stand in diesem Jahr sprang. Der US-Dollar profitiert, da der Markt offenbar darauf setzt, dass die Fed ihre Zinsen nicht allzu aggressiv senken wird. Einige Analysten sprechen mittlerweile von einer “falkenhaften Zinssenkung”, soll heißen, die Fed wird ihren Zins in ihrer Sitzung Ende des Monats zwar senken, aber keine weitere Lockerung ihrer Geldpolitik in Aussicht stellen.

Auch wenn es auf den ersten Blick nachvollziehbar erscheinen mag, dass der US-Dollar aufgrund einer besseren Wirtschaftsentwicklung und damit einer geringeren Wahrscheinlichkeit für deutliche Zinssenkungen aufwertet, ganz konsistent ist die Marktreaktion streng genommen nicht. Denn wenn die Wirtschaft so gut läuft, könnte man hinterfragen, ob Zinssenkungen allgemein – eine einmalige Zinssenkung im Juli eingeschlossen – angebracht sind. Ein um 25 Basispunkte niedrigerer Leitzins wird realwirtschaftlich schließlich wenig bringen. Warum dann überhaupt senken?

Es sei denn, die Fed sieht einen anderen Vorteil in einer einmaligen Zinssenkung: Beispielsweise könnte sie sich davon erhoffen, dass der politische Druck aus Washington dann endlich nachlässt. Das Problem allerdings ist, dass eine mickrige Zinssenkung nicht ausreichen wird, um den US-Dollar in dem Ausmaß zu schwächen, den sich US-Präsident Donald Trump wünscht. Seine Forderung nach niedrigeren Zinsen und im Zuge dessen einer schwächeren US-Währung würde also wohl kaum schwächer werden.

Nun mag es der Fed gelingen, eine Zinssenkung im Juli noch als “Versicherung” gegen einen stärkeren Abschwung zu verkaufen. Doch sollte die US-Wirtschaft weiter so gut wie zuletzt laufen, würde es immer schwieriger werden, weitere Zinssenkungen fundamental zu rechtfertigen. Es würde stattdessen immer mehr der Eindruck entstehen, dass die US-Notenbanker aufgrund des politischen Drucks auf eine zu expansive Geldpolitik umschwenken. Und in diesem Fall würde der US-Dollar viel stärker unter Druck geraten als er es bisher als Reaktion auf die Zinssenkungserwartungen getan hat.

Ich würde nicht ausschließen, dass er die Lage eigentlich etwas entspannen wollte. Stattdessen ist ihm das Gegenteil gelungen: US-Finanzminister Steven Mnuchin heizte gestern Gerüchte um Devisenmarktinterventionen zur Schwächung des US-Dollars an. Auf die Frage, ob die US-Regierung plane, ihre Wechselkurspolitik zu ändern, antwortete Mnuchin, dass dies eine Erwägung für die Zukunft wäre, aber „aktuell“ gäbe es keine Änderung.

EUR: Am Donnerstag belasteten Gerüchte, die EZB wolle ihr Inflationsziel neu definieren, kurzfristig den Euro. Bislang strebt die EZB eine HICP-Rate von „unter, aber nahe an 2%“ an. Laut unbestätigten Presseberichten beabsichtigt die EZB, dieses Ziel durch ein „symmetrisches“ Inflationsziel zu ersetzen.

Das würde allerdings keinen Sinn machen. Klar, die Definition des Inflationszieles ist unpräzise. Denn niemand hat je definiert, was „nahe an“ wirklich heißt. Aber das heißt nicht, dass das Ziel als asymmetrisch zu verstehen wäre. Niemand hat das EZB-Ziel jemals so interpretiert, als solle die EZB die Inflation stets unter der 2%-Marke halten. Niemals hat die EZB in diesem Sinn argumentiert. Die unpräzise Definition ist schlicht der Tatsache geschuldet, dass es der EZB (wie jeder anderen Zentralbank) nicht möglich ist, ein auf die Nachkommastelle definiertes Punktziel einzuhalten.

Hinzu kommt: Aus Marktsicht ist dies ein denkbar ungünstiger Zeitpunkt, um das Inflationsziel neu zu definieren. Klar, im Prinzip ist es mehr als gerechtfertigt, zu fragen, ob (a) HICP das geeignete Inflationsmaß ist und ob (b) „unter, aber nahe an 2%“ das optimale Zielniveau ist. In der Logik, der die EZB folgt, ist das dominierende Problem aber nicht die Zieldefinition, sondern die Tatsache, dass die Kernrate der Inflation seit mehr als elf Jahren unter dem EZB-Ziel verharrt, dass sie also unfähig erscheint, ihre gesetzten Ziele zu erreichen. In der Logik der EZB müsste also die Zielerreichung das vordringliche Problem sein. Erst wenn die geschafft ist – so hat auch EZB-Präsident Mario Draghi in der Vergangenheit häufig argumentiert, und das erwartet der Markt – sollte man sich um die Optimierung der Zieldefinition kümmern.

Jetzt eine Diskussion um die Zieldefinition zu starten – insbesondere mit dem dubiosen Argument, das Ziel sei bislang asymmetrisch zu verstehen gewesen – ist Wasser auf die Mühlen all derjenigen, die der EZB eine geheime Agenda zur Finanzierung von Euroraum-Staaten unterstellen. Denn mit steter Neudefinition des Zieles lässt sich ad infinitum expansive Geldpolitik rechtfertigen. Summa summarum: Wäre an dem Gerücht etwas dran, wäre das in der Tat ein signifikanter Belastungsfaktor für den Euro. Ich kann nur hoffen, dass es nicht mehr war als ein wildes Gerücht.

Produktidee: Faktor-Zertifikate
WKN Typ Basiswert Merkmale
CU2XLS Long EUR/USD Faktor: 10
CD910E Short EUR/USD Faktor: -10

GBP: Das Pfund wertete gestern ordentlich auf, nachdem das britische Parlament eine Gesetzesänderung verabschiedete, die einen No-Deal Brexit Ende Oktober verhindern soll. Sollte das Parlament in der Tat die Chance erhalten, über den Brexit vor Ablauf der Frist abzustimmen, sieht es ganz danach aus, als würde es auf eine weitere Verschiebung hinauslaufen. Denn realistischerweise wird es der britischen Regierung bis dahin nicht gelingen, eine neues Austrittsabkommen auszuhandeln – zumal die EU es weiterhin ablehnt, das bisherige Abkommen neu zu verhandeln und auch wenn EU-Chefunterhändler Michel Barnier sich “offen” für neue Vorschläge zur irischen Grenze zeigt. Das No-Deal Brexit Risiko mag mit Blick auf Ende Oktober geringer erscheinen, doch es bleibt bestehen, bis eine gangbare Alternative gefunden ist.

Produktidee: Faktor-Zertifikate
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CU2XL6 Long EUR/GBP Faktor: 10
CV0V4A Short EUR/GBP Faktor: -10

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