Währung

Sind steigende T-Note-Renditen USD-positiv?

Sind steigende T-Note-Renditen USD-positiv?

Ein zweites Tapering (ein Auslaufen der US-T-Note-Käufe durch die Fed) wäre der große Aufreger am Rentenmarkt. Aber das heißt noch lange nicht, dass davon auch EUR-USD betroffen sein muss. Ich erinnere mich noch gut an den Sommer 2013, als die Kollegen vom Renten-Research aufgrund des “Taper-Tantrums” so extrem aufgeregt waren, während wir FX-Analysten kaum wussten, wie wir jeden Morgen die TagesInfo füllen sollten – so wenig war los am Devisenmarkt. Thu Lan hat schon letzte Woche an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass ein Taper-Tantrum keine höhere FX-Volatilität bedeuten muss. Ich will noch einen draufsetzen: Es heißt nicht einmal USD-Stärke.

Wenn man als “Taper-Tantrum” die Periode von Anfang Mai bis Anfang September 2013 bezeichnet (d.h. von den Andeutungen des damaligen Fed-Chefs Ben Bernanke bis zum zwischenzeitigen Hochpunkt der T-Note-Renditen), dann haben sich die Renditen zehnjähriger T-Notes in diesem Zeitraum fast verdoppelt. Auch die Bund-Renditen zogen an, aber weitaus weniger. Das Resultat war ein dauerhaft höherer Abstand zwischen T-Note- und Bund-Renditen (Diagramm 1). Dem Dollar hat das freilich wenig genützt. EUR-USD zog in dieser Zeit sogar leicht an. Wie kann das sein?

Normalerweise sind Staatsanleihe-Renditen ein Indikator für die Ertragsmöglichkeiten einer Volkswirtschaft. Alle anderen Investitionsmöglichkeiten tragen zusätzliche Risiken: dass der Emittent ausfällt, dass der Sektor, in dem er seine Erträge erzielt, nicht läuft, etc. Da es auf solche spezifischen Faktoren nicht ankommt, wenn’s um die Attraktivität von USD-Anlagemöglichkeiten insgesamt (und damit um die Attraktivität des Dollars) geht, nimmt der FX-Analyst gerne die Staatsanleihe-Renditen als Proxy. Allerdings: Wertpapierkäufe der Zentralbanken verzerren auch den Markt für Staatsanleihen erheblich. Droht eine Zentralbank (wie die Fed im September 2013) damit, ihre Käufe einzustellen, droht der Ausfall eines großen Käufers, die Staatsanleihen verbilligen sich bzw. die Renditen steigen. Und natürlich: Die Änderung des Fed-Kaufverhaltens bringt die Ertragsaussichten aller US-Anlagen in Bewegung, steigert sie tendenziell. Die Lehre aus 2013 ist aber: Dieser Effekt kann gering sein. Zu gering, als dass er in den Wechselkursverläufen sichtbar wird. Schließlich gibt es auch einen gegenläufigen Effekt: dass das Auslaufen des geldpolitische Stimulus die Konjunktur belastet und die Ertragsaussichten für US-Investitionen schmälert.

In letzter Zeit habe ich des Öfteren auf die Entwicklung der langfristigen (5Yx5Y) realen Renditen (Diagramm 2) hingewiesen und aus dem Anziehen der realen 5Yx5Y-US-Renditen USD-positive Stimmung abgeleitet – wieder, weil ich die T-Note-Renditen als Proxy verwendet habe. Aber auch hier muss man vorsichtig sein. Früher (bis zum Taper-Tantrum 2013) waren die langfristigen realen Renditen von T-Notes und Bunds nahezu gleich. Das macht aus ökonomischer Sicht Sinn. Denn langfristig ist Kapital flexibel genug, um relative Kapitalknappheit auf der einen Atlantik-Seite durch entsprechende Kapital-Bewegungen in diese Richtung auszugleichen – bis die realen Erträge wieder gleich sind. Seit Mai 2013 ist dieser Nexus aufgehoben. Das kann man damit erklären, dass bei allgegenwärtigem Kapital-Überangebot dieser Ausgleich nicht mehr funktioniert. Man kann es aber auch damit erklären, dass die Verzerrungen durch Fed- und EZB-Käufe die Proxy-Eigenschaft der Staatsanleihe-Renditen zerstören. Ich werde auf jeden Fall in Zukunft vorsichtiger sein. Die anziehenden US-Renditen sind – soweit sie die Angst des Rentenmarktes vor einem neuen Fed-Tapering reflektieren – nur ein schwaches Argument für den Greenback.

Freilich: Wo’s mittelfristig mit EUR-USD hingeht, wird darauf ankommen, ob die US-Volkswirtschaft wirklich einen deutlich stärkeren Post-Lockdown-Boom hinlegt als Europa. Das ist weiterhin unsere Hausmeinung. Und deshalb erwarte ich für’s erste Halbjahr weiterhin niedrigere EUR-USD-Notierungen. Allerdings: Nicht alles davon dürfte der Markt jetzt schon vorwegnehmen. Die bessere Performance der US-Wirtschaft muss sich wohl erst deutlicher in “harten Daten” zeigen. Bis dahin dürfte EUR-USD im derzeitigen Bereich wohl besser aufgehoben sein als unter 1,20.

Frühere Wertentwicklungen, Prognosen und Simulationen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.
Produktidee: BEST Turbo-Optionsscheine
WKNTypBasiswertMerkmale
SB96R8CallEUR/USDHebel: 8,2
SB2ESMPutEUR/USDHebel: 8,5
Die Darstellung der genannten Produkte erfolgt lediglich in Kurzform.
Die maßgeblichen Produktinformationen stehen im Internet unter https://sg-zertifikate.de zur Verfügung. Den Basisprospekt sowie die Endgültigen Bedingungen und die Basisinformationsblätter erhalten Sie bei Klick auf die WKN.
Sie sind im Begriff, ein komplexes Produkt zu erwerben, das nicht einfach ist und schwer zu verstehen sein kann. Bitte beachten Sie, dass bestimmte Produkte nur für kurzfristige Anlagezeiträume geeignet sind. Wir empfehlen Interessenten und potenziellen Anlegern den Basisprospekt und die Endgültigen Bedingungen zu lesen, bevor sie eine Anlageentscheidung treffen, um sich möglichst umfassend über die potenziellen Risiken und Chancen des Wertpapiers zu informieren, insbesondere um die potenziellen Risiken und Chancen der Entscheidung, in die Wertpapiere zu investieren, vollends zu verstehen. Die Billigung des Basisprospekts durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht ist nicht als ihre Befürwortung der angebotenen Wertpapiere zu verstehen.

Nordasien: Erholung des Handels setzt sich fort

Während das Virus weiterhin den Dienstleistungssektor belastet, scheinen sich das verarbeitende Gewerbe und die Außenwirtschaft überdurchschnittlich zu entwickeln. Dies ist auch in Nordasien der Fall. Heute Morgen meldete Südkorea in seinen vorläufigen Handelsdaten für Februar erneut ein zweistelliges Wachstum. Unterdessen hat Taiwan seine Exportprognose für 2021 von bisher 5% beträchtlich auf fast 10% angehoben. Als Grund führt das Land eine starke Halbleiternachfrage und eine synchronisierte Handelserholung in Asien an. Weil der Handelssektor robust bleibt, erlebte auch China für das Jahr 2020 einen Leistungsbilanzüberschuss von rund 2% des BIP – der höchste Wert seit 2015. Die exportgestützte Erholung dürfte sich wohl auch in absehbarer Zeit fortsetzen. Aus diesem Grund werteten die Währungen innerhalb der Region in den letzten Quartale unablässig auf. Im Vergleich zu den relativ soliden Aussichten für den KRW und den TWD dürfte der chinesischen Währung aber eine holprigere Entwicklung bevorstehen. Die Währung wird zwar durch gute Handelszahlen gestützt, doch die geopolitischen Spannungen werden wohl irgendwann zu einem Rückschlag führen. Beispielsweise sagte der chinesische Außenminister Wang Yi heute Morgen, China hoffe, dass sich die Biden-Regierung zunehmend entgegenkommend zeigen wird. Dies beinhaltet die Aufhebung von Zöllen und Sanktionen und scheint eine Antwort auf Bidens G7-Rede zu sein, in der er China aufgefordert hatte, „unfaire Wirtschaftspraktiken“ aufzugeben. Für die chinesische Währung bleibt die zukünftige Lage damit kompliziert.

Produktidee: BEST Turbo-Optionsscheine
WKNTypBasiswertMerkmale
CJ6YH9CallEUR/CNHHebel: 11,8
CJ4VFXPutEUR/CNHHebel: 13,8
CU97XBCallUSD/CNHHebel: 14,1
CJ4U8TPutUSD/CNHHebel: 11,5
Die Darstellung der genannten Produkte erfolgt lediglich in Kurzform.
Die maßgeblichen Produktinformationen stehen im Internet unter https://sg-zertifikate.de zur Verfügung. Den Basisprospekt sowie die Endgültigen Bedingungen und die Basisinformationsblätter erhalten Sie bei Klick auf die WKN.
Sie sind im Begriff, ein komplexes Produkt zu erwerben, das nicht einfach ist und schwer zu verstehen sein kann. Bitte beachten Sie, dass bestimmte Produkte nur für kurzfristige Anlagezeiträume geeignet sind. Wir empfehlen Interessenten und potenziellen Anlegern den Basisprospekt und die Endgültigen Bedingungen zu lesen, bevor sie eine Anlageentscheidung treffen, um sich möglichst umfassend über die potenziellen Risiken und Chancen des Wertpapiers zu informieren, insbesondere um die potenziellen Risiken und Chancen der Entscheidung, in die Wertpapiere zu investieren, vollends zu verstehen. Die Billigung des Basisprospekts durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht ist nicht als ihre Befürwortung der angebotenen Wertpapiere zu verstehen.

Rohstoff-Ausblick 2021: Das sind die Aussichten für Gold, Öl und Co.

Trotz der Corona-Krise konnten die meisten Rohstoffpreise 2020 deutlich zulegen. Wie wird es im neuen Jahr weitergehen? Erfahren Sie hier, welche Rohstoffe neue Rekordhochs erreichen könnten und wer es 2021 schwer haben wird. Jetzt lesen!