Währung

Risiko eines No-Deal Brexit noch lange nicht vom Tisch

GBP: Derzeit hört man recht wenig aus London. Aber hinter den Kulissen brodelt es. Nigel Farage hat mit seiner vor einigen Wochen gegründeten Brexit-Partei über 30% der Stimmen in der EU-Wahl geholt. Er wird deshalb vermutlich die möglichen Kandidaten für die Nachfolge Mays – derzeit 11 – vor sich hertreiben, immer mit dem Argument, dass seine Partei ja stärkste Kraft sei, ungeachtet dessen, dass sich die Stimmen der pro-EU-Wähler einfach nur auf verschiedene Parteien verteilt haben. Die Kandidaten, die in den Startlöchern für den Posten des Premierministers stehen (u.a. alte Bekannte wie Boris Johnson, Dominic Raab, Michael Gove) befürworten alle den Brexit, die meisten sogar, wenn es nicht vermeidbar ist, auch ohne Abkommen mit der EU. Beim aktuellen Machtkampf könnte sich folglich herauskristallisieren, dass sich May, trotz ihrer gefühlten ausgeprägten Sturheit, da sie lange an ihren roten Linien festhielt und erst sehr spät, wahrscheinlich zu spät, gegenüber EU und Parlament einlenkte, letzten Endes sogar als das geringste Übel für den Brexit-Prozess erwiesen hätte. Denn wie es oft bei Veränderungen ist, weiß man in der Regel, was man verliert, aber nicht, was man erhält. Ein Zauber wohnt diesem (Neu-)Anfang aber kaum inne. Denn das Risiko ist groß, dass der potentielle Nachfolger Mays seine Tonart gegenüber der EU erheblich verschärft, um die Brexit-Anhänger hinter sich zu scharen, und möglicherweise auch einen harten Brexit in Kauf nimmt. Damit stiege die Unsicherheit für Unternehmen bezüglich des Brexit-Prozesses wieder deutlich an, was über eine geringere Investitionstätigkeit wiederum zu realwirtschaftlichen Folgen führen könnte. Der Machtkampf in Westminster könnte das Pfund als Kollateralschaden heftig treffen. Ich bleibe deshalb vorsichtig.

Produktidee: Faktor-Zertifikate
WKN Typ Basiswert Merkmale
CV0V45 Long EUR/GBP Faktor: 10
CV0V4A Short EUR/GBP Faktor: -10

CAD: Für die Bank of Canada (BoC) gibt es keinen Grund, heute etwas an ihrer Geldpolitik zu ändern. Bereits Ende April auf ihrer letzten Sitzung schwenkte sie im Fahrwasser der Fed von einer leicht restriktiven auf eine neutrale Haltung um. Sprach sie zuvor noch von „erhöhter Unsicherheit, was das Timing zukünftiger Zinserhöhungen“ anbelangt, ließ sie im April diese Referenz fallen und betonte, dass weiterhin eine akkommodierende Geldpolitik notwendig sei. Grund für diesen Schwenk war die Erwartung, dass das Wachstum dieses Jahr mit 1,2% deutlich niedriger ausfällt als zuvor erwartet (1,7%). Die Inflation war hingegen nie ein wirkliches Problem für die BoC. Sie liegt, ähnlich wie die verschiedenen Maße der Kerninflation, komfortabel in der Mitte des Zielbands von 1-3%. Der Markt sieht eine kleine Chance für eine Zinssenkung im Jahresverlauf. So weit gehen wir nicht, denn dafür müsste sich die Wirtschaft schon deutlich stärker verlangsamen, womit wir nicht rechnen. Außerdem haben sich auch die Sorgen um den Handel mit den USA nahezu verflüchtigt, nachdem die Zölle auf Aluminium und Stahl aufgehoben wurden und damit der Weg für die Ratifizierung durch Premier Trudeau frei ist, der die Beziehungen zu den USA mittlerweile wieder als „sehr stark“ und „sehr positiv“ bezeichnet. Alles in allem also Grund für eine neutrale Haltung der BoC. Ein etwas positiverer Wortlaut im Statement wäre meines Erachtens angemessen und könnte dem CAD sogar etwas Rückenwind verleihen. Klingt aber trotz allem eine deutlich zurückhaltende Haltung der BoC im Statement durch, was ich befürchte, da die Unsicherheit um den Handelsstreit zwischen den USA und China weiterhin präsent ist, könnte USD-CAD deutlich über die 1,3500 Marke springen.

Produktidee: Faktor-Zertifikate
WKN Typ Basiswert Merkmale
CU2XLU Long EUR/CAD Faktor: 2
CE9MCY Short EUR/CAD Faktor: -2

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