Währung

Seit Freitag spricht alles für „risk on“

Seit Freitag spricht alles für „risk on“:
• Fed-Chair Jerome Powells beruhigende Bemerkungen (siehe unten),
• ein massiv positiv überraschender US-Arbeitsmarktbericht,
• die geldpolitische Lockerung der chinesischen Zentralbank (siehe unten)
• und (zumindest in der Interpretation einiger Beobachter) die Aufnahme der US-chinesischen Handelsgespräche (auch wenn ich in diesem Punkt skeptisch bin).

Diese Nachrichten dürften Balsam für die Seelen vieler rezessionsangst-geplagter Händler sein. Freilich verflüchtigen sich Ängste typischerweise deutlich langsamer, als sie entstehen. Die positive Reaktion vieler EM-Währungen war deshalb deutlich, aber nicht massiv. Genau das sind aber Gelegenheiten für spekulative Marktteilnehmer. Das graduelle Auspreisen übertriebener „risk-off“-Szenarien ist eine der seltenen Gelegenheiten, bei denen nicht alle Nachrichten sofort eingepreist werden. Wer nicht im Millisekunden-Bereich agiert, hat oft keine Chance, aus Nachrichten am Devisenmarkt Profit zu schlagen. In Phasen, in denen sich übertriebene Stimmungslagen verflüchtigen, ist das anders. Wer also – wie wir – nicht an die Doomsday-Szenarien glaubt, die jüngst durch den Markt getrieben wurden, der wird jetzt noch auf den „risk-on“-Zug aufspringen.

USD: Im Rahmen der Jahrestagung der American Economic Association am Freitag wie-derholte Fed-Chair Jay Powell, was er schon früher gesagt hatte: Er ist für die US-Wirtschaft moderat optimistisch, teilt also keinesfalls die Ängste der Finanzmärkte vor einer Rezession. Allerdings zeigte er sich diesmal offener für deren Sorgen. Insbesondere betonte er, dass die Fed – falls nötig – auch die Geschwindigkeit, mit der sie ihr Wertpapierportfolio abbaut, reduzieren könnte. Bisher war von den US-Notenbankern vor allem zu hören, dass der Leitzins das Mittel der geldpolitischen Steuerung ist, die Reduktion des Portfolios hingegen automatisch, mit fester Geschwindigkeit ablaufen würde. Nun weiß jedermann, dass im Fall krisenhafter Entwicklungen alles auf dem Prüfstand stehen könnte. Inhaltlich ist Powells Einlassung daher nichts Neues. Relevant ist sie vor allem deshalb, weil der Fed-Chair offensichtlich ein Ohr für die Sorgen der Finanzmärkte hat – trotz gegenteiliger Einschätzung der wirtschaftlichen Situation. Für die Aktienmärkte war das ein gutes Signal. Nichts wäre für sie gefährlicher, als eine Fed, die nach dem Motto „Augen zu und durch“ handeln würde.

Und noch etwas anderes war auffällig: Sowohl Powell als auch seine beiden Vorgänger betonten bei der Paneldiskussion die Episode 2016, als die Fed geplante Zinserhöhungen abblies, weil die Weltkonjunktur schwächelte. Auch hier ist das Signal klar: Die US-Notenbank ist bereit, früh zu reagieren und ihre Geldpolitik anzupassen, falls es konjunkturell klemmt. Auch das ist aus meiner Sicht nicht überraschend. Seit ich mich erinnern kann war die Fed stets bemüht, realwirtschaftliche Schmerzen zu minimieren. Nach meinem Geschmack oft viel zu sehr. Aber ich habe in den letzten Wochen halt auch nicht verstanden, was EUR-USD unter der Marke von 1,14 verloren hat bzw. warum die US-Währung in Zeiten globaler Konjunkturrisiken als „sicherer Hafen“ taugen soll. Daher muss ich davon ausgehen, dass Powells Botschaft für den Markt tatsächlich neu war und meine Interpretation ein wenig mehr zum Markt-Konsens geworden ist: Falls es tatsächlich zu einer globalen Rezession kommt, wird die Fed-Geldpolitik deutlich aggressiver angepasst als die Geldpolitiken anderer Zentralbanken – einfach, weil die Fed mehr Spielraum hat. Für den Dollar wäre somit eine Rezession kein rundherum positives Signal.

Produktidee: Faktor-Zertifikate

WKN Typ Basiswert Merkmale
CD910B Long EUR/USD Faktor: 5
CD910C Short EUR/USD Faktor: -5

GBP: Same procedure as last year. Diese Woche wird das britische Parlament seine Dis-kussion um den von der Regierung vorgelegten Brexit-Deal wieder aufnehmen. Dass Premierministerin Theresa May im Dezember die Abstimmung in letzter Minute abgeblasen hat und auf nächste Woche verschoben hat, dürfte nichts, aber auch gar nichts gebracht haben. Die EU ist nicht von ihren in diesem Deal verankerten ehernen Prinzipien abgerückt und folglich gibt es für die Parlamentarier keine neuen Gründe, dem Deal zuzustimmen.

Dass die EUR-GBP-Vol-Kurve für Tenors über einer Woche komplett flach ist, ist nicht darauf zurückzuführen, dass der Markt der Parlamentsabstimmung keine Bedeutung zurechnet. Vielmehr reflektiert sich darin die Ansicht, dass mit einer Ablehnung von Mays Deal noch nicht das Ende aller Tage erreicht ist, sondern dass dann der politische Kampf um ein neues Referendum und/oder eine Ablösung der bisherigen Regierung (mit einem neuen Mandat für ihre Nachfolger) erst so richtig losgeht.

Produktidee: Faktor-Zertifikate

WKN Typ Basiswert Merkmale
CV0V44 Long EUR/GBP Faktor: 5
CV0V49 Short EUR/GBP Faktor: -5

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