Währung

Schicksalstage einer Premierministerin

GBP: Das ging gestern ausnahmsweise glatt: Das britische Parlament schickt Premierministerin Theresa May mit dem Auftrag, den Brexit auf den 30. Juni zu verschieben, zum heutigen EU-Gipfel nach Brüssel. Und dort steht prinzipiell die Chance für eine Verlängerung nicht schlecht. Selbst Frankreichs Präsident Emmanuel Macron – bisher der Hardliner unter den EU-Staats- und Regierungschefs in Sachen Brexit-Verschiebung – lenkt offenbar ein. Und von Deutschlands Bundeskanzlerin Angela Merkel gab’s gestern sowieso (wie schon zuvor) Unterstützung für eine Verlängerung. Die wichtigste GBP-positive Erkenntnis ist also: Ein No-Deal-Brexit übermorgen dürfte höchstwahrscheinlich (sicher ist bei diesem Thema nichts) abgewendet sein. Niedrigere implizite GBP-Volatilitäten sind zumindest für kurze Tenors gerechtfertigt. Die Frage, die die EU-Regierungschefs heute Abend beantworten müssen, ist also nur: um wieviel wird verschoben? Der 30. Juni erscheint Ratspräsident Donald Tusk und anderen Europäern arg kurz zu sein, Macron will laut Pressemeldungen keine Verlängerung „über ein Jahr“. Ich kann mir gut vorstellen, dass die Europäer 12 Monate (mit der Option auf einen früheren Termin) anbieten werden. Das scheint mir der naheliegende Kompromiss zu sein. Damit wäre bis zu diesem Tenor Druck auf die GBP-Volatilitäten gerechtfertigt. Da einerseits die theoretische Chance besteht, dass die Briten sich vorher zu einer Annahme des ausgehandelten Ausritts-Abkommens entscheiden, eine Mehrheit für „No Deal“ andererseits sehr unwahrscheinlich ist, sind bis zu diesem Tenor auch betragsmäßig niedrigere GBP-Risk-Reversals gerechtfertigt. Eigentlich sogar negative in EUR-GBP- bzw. positive in GBP-USD-Riskies.

Aus spieltheoretischer Sicht ist die ganze Verschieberitis unsinnig. Die britische Politik hatte zwei Jahre Zeit, sich auf eine Haltung zu einigen. Briten-Witze liegen da nahe. Die Tatsache, dass bislang vom Unterhaus nichts Konstruktives kommt, liegt jedoch nicht daran, dass die britischen Abgeordneten dumm oder unfähig wären, sondern daran, dass die unterschiedlichen Präferenzen der Abgeordneten keine Mehrheit möglich machen, solange nicht extremer Zeitdruck herrscht. So ist’s halt, wenn Fraktionszwänge nicht mehr greifen und es fast so viele Meinungen wie Abgeordnete gibt. Die Europäer haben mit der ersten Verschiebung allerdings bereits hinreichend signalisiert, dass sie keinen gefährlichen Zeitdruck entstehen lassen. Ihr „Entgegenkommen“ ist somit zur Lösungsfindung nicht hilfreich. Aber es ist unvermeidlich. Denn auch ihre Drohung, den Stecker zu ziehen, ist – das haben wir in den letzten Tagen gelernt – nicht glaubhaft. Letztendlich haben auch sie kein Interesse an „No Deal“ und einer neuen harten Grenze in Irland. Das will niemand (selbst Macron nicht) den irischen EU-Partnern antun. Ein GBP-negatives No-Deal-Szenario wäre nur als „Unfall“ in einem Prozess wahrscheinlich, der extremen Zeitdruck entstehen lässt. Erst einmal dürfte – wenn der Gipfel wie erwartet abläuft – solch eine riskante Situation vom Tisch sein.

Produktidee: Faktor-Zertifikate
WKN Typ Basiswert Merkmale
CV0V44 Long EUR/GBP Faktor: 5
CV0V49 Short EUR/GBP Faktor: -5

USD: Die EZB-Sitzung dürfte heute ein Non-Event werden. Die Einschätzung des Rats zur Wirtschaft ist mittlerweile hinreichend bekannt, nachdem die Wachstums- und Inflationsprognosen im März gesenkt wurden. Die Abwärtsrisiken für die Konjunktur dürften für die EZB weiterhin überwiegen, auch wenn sie im zweiten Halbjahr mit einer Erholung rechnet. Anlass zur Änderung gibt es keinen. Da es wohl auch noch zu früh für Detailangaben zu den neuen TLTROs ist, muss der Markt sich vermutlich damit zufrieden geben, dass er nicht viel Neues erfahren wird. Entsprechend mager dürfte die Reaktion im Euro ausfallen.
Trump hat noch nicht fertig! Darauf müssen sich die Europäer einstellen. Nachdem sie schon einmal kurz im Fokus standen, kam zwischendrin die NAFTA dran, und dann hatte sich der US-Präsident erst einmal voll auf China konzentriert. In seinem Handelskrieg hat er jetzt schon die nächste Schlacht angekündigt: die gegen Europa. „Die EU hat die US im Handel jahrelang übervorteilt. Das wird bald aufhören!“, twitterte er. Selbst wenn es im Moment erst um Flugzeuge und Landwirtschaft geht, dürften Autozölle bald wieder ein Thema sein. und diese täten der europäischen Wirtschaft richtig weh. Die EZB bliebe entsprechend wohl noch sehr viel länger expansiv. Da aber auch die Fed einer Zinssenkung näher steht als einer Zinserhöhung, was in den Fed Minutes zur letzten Sitzung am 20. März heute noch einmal deutlich werden dürfte, und der politische Druck in Richtung niedrigerer Zinsen auf sie gleichzeitig zunimmt, könnte der negative Effekt auf EUR-USD letztlich begrenzt sein.

Produktidee: Faktor-Zertifikate
WKN Typ Basiswert Merkmale
CD910B Long EUR/USD Faktor: 5
CD910C Short EUR/USD Faktor: -5

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