Rohstoffe

Saudi-Arabien hält beim OPEC-Treffen alle Zügel in der Hand

Energie: Saudi-Arabien hält alle Zügel in der Hand

Bei der heutigen Telefonkonferenz der OPEC+ geht es für das erweiterte Kartell um sehr viel. Denn sollte es keine gut koordinierte, starke und umsetzbare Einigung geben, droht dem Ölpreis ein tiefer Fall. Eigentlich müssten in dieser Situation die beiden führenden Länder in diesem Bündnis, Saudi-Arabien und Russland, die Richtung vorgeben. Doch dies ist nicht der Fall: Saudi-Arabien hat zuletzt unmissverständlich gezeigt, dass man nur unter (von ihm) bestimmten Bedingungen zu Produktionskürzungen bereit ist und sich ansonsten vor der Wiederaufnahme bzw. Eskalation des Preiskriegs nicht scheut. Ob Saudi-Arabien tatsächlich so weit geht, wird man spätestens morgen erfahren. Dann wird das Land seine offiziellen Verkaufspreise für die Mai-Lieferungen bekannt geben. Wenn es die gigantischen Rabatte von teilweise über 10 USD je Barrel ggü. Brentöl beibehält oder sogar ausweitet, wird dies eine neue Eskalationsstufe im Preiskrieg gegen die Nicht-OPEC-Produzenten einleiten. Auch im Falle einer Einigung auf eine Kürzung um 10 Mio. Barrel pro Tag dürften viele kleine Details wichtig sein, z.B. von welchem Niveau die Kürzungen gezählt werden, wie man diese umsetzt und kontrolliert, und welche anderen Ölproduzentenländer außerhalb der OPEC+ einbezogen werden. Die OPEC+ hat klar gemacht, dass sie eine Beteiligung der USA für unerlässlich hält. Auch die Dauer der Kürzungsmaßnahmen ist von großer Bedeutung. Nur wenn diese lang genug laufen, besteht die Chance, das aktuell massive Überangebot später wieder „einzusammeln“. Laut Schätzung von Rystad Energy liegt die Ölnachfrage im April 27,5 Mio. Barrel pro Tag niedriger als üblich. In Indien, dem immerhin drittgrößten Ölverbrauchsland der Welt, ist die Nachfrage laut der dortigen Raffinerien wegen des landesweiten Lockdown um 70% eingebrochen. Die angedachten Produktionskürzungen könnten diesen Nachfrageeinbruch höchstens etwas lindern. Somit bestehen für den Ölpreis im Anschluss an die heutige Videokonferenz erhebliche Abwärtsrisiken.

US-Lagerbestände – katastrophal auf ganzer Linie

Laut US-Energieministerium sind die US-Rohöllagerbestände in der letzten Woche um 15,2 Mio. Barrel gestiegen, ein rekordhoher Wochenzuwachs, nachdem sie in der Woche zuvor bereits um 13,8 Mio. Barrel gestiegen waren. Hauptgrund hierfür war eine erneut kräftig gefallene Rohölverarbeitung durch die Raffinerien. Die Benzinlagerbestände sind ebenfalls kräftig um 10,5 Mio. Barrel gestiegen, was nicht verwunderlich ist, weil die Benzinnachfrage mit rund 5 Mio. Barrel täglich nur noch halb so hoch ist wie zu dieser Jahreszeit üblich und so niedrig wie nie seit Beginn dieser Datenreihe 1990. Die Rohölbestände in Cushing verzeichneten einen Rekordanstieg um 6,4 Mio. Barrel, was Sorgen über ein baldiges Volllaufen der Lager verstärken dürfte. Aus unserer Sicht wird die Diskussion um die Reichweite der freien Lagerkapazitäten weltweit unabhängig vom Ausgang der heutigen “OPEC+”-Konferenz anhalten. Die Probleme einer massiven Überversorgung und ausufernder Lagerbestände bleiben weiterhin bestehen und dürften die Ölpreise wieder nach unten ziehen.

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WKNTypBasiswertMerkmale
CJ8EW7LongOil Brent Future Faktor: 2
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CJ8EWYLongOil WTI Light Crude Faktor: 2
CJ3D4NShortOil WTI Light Crude Faktor: -2
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Die maßgeblichen Produktinformationen stehen im Internet unter https://sg-zertifikate.de zur Verfügung. Den Basisprospekt sowie die Endgültigen Bedingungen und die Basisinformationsblätter erhalten Sie bei Klick auf die WKN.
Sie sind im Begriff, ein komplexes Produkt zu erwerben, das nicht einfach ist und schwer zu verstehen sein kann. Wir empfehlen Interessenten und potenziellen Anlegern den Basisprospekt und die Endgültigen Bedingungen zu lesen, bevor sie eine Anlageentscheidung treffen, um sich möglichst umfassend über die potenziellen Risiken und Chancen des Wertpapiers zu informieren, insbesondere um die potenziellen Risiken und Chancen der Entscheidung, in die Wertpapiere zu investieren, vollends zu verstehen. Die Billigung des Basisprospekts durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht ist nicht als ihre Befürwortung der angebotenen Wertpapiere zu verstehen.

Edelmetalle: Zentralbanken kaufen weniger Gold

Gold steigt am Morgen auf 1.655 USD je Feinunze, Silber legt auf 15,15 USD je Feinunze zu. Gold verhält sich aktuell nicht wie ein klassischer sicherer Hafen, sondern legt trotz eines steigenden Risikoappetits zu. Die US-Aktienmärkte verzeichneten gestern erneut kräftige Gewinne. Der S&P 500 hat damit sämtliche Verluste seit Mitte März wieder rückgängig gemacht. Der Optimismus speist sich aus der Hoffnung, dass das Schlimmste der Corona-Krise überstanden ist. Tatsächlich gehen die Zahlen der Neuinfektionen in immer mehr Ländern allmählich zurück. Dies gilt insbesondere für Europa, wo auch auf EU-Ebene über eine schrittweise Lockerung der Zwangsmaßnahmen nach Ostern nachgedacht wird. In den USA ist es dafür allerdings noch zu früh. Hier dürften sich in der letzten Woche erneut ca. 6 Mio. Menschen arbeitslos gemeldet haben, was für neue Unsicherheit sorgen könnte. Die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie dürften die Märkte jedenfalls noch sehr lange beschäftigen, auch nachdem die Pandemie abgeklungen ist. Wie wir bereits mehrfach betont haben, dürfte Gold von der noch nie dagewesenen Schwemme von Zentralbankgeld und neuer Schulden profitieren.

Wie der World Gold Council (WGC) berichtete, lagen die Goldkäufe der Zentralbanken im März 44% unter dem Niveau in den ersten beiden Monaten des Jahres. Der WGC führt dies auf die Folgen der Coronavirus-Pandemie zurück. Die Währungen vieler Schwellenländer gerieten im März wegen fallender Ölpreise und Kapitalflucht massiv unter Druck, so dass die Zentralbanken dieser Länder zunächst andere Prioritäten haben als Gold zu akkumulieren. Die russische Zentralbank hat bereits angekündigt, die Goldkäufe ab April gänzlich einzustellen. Um an US-Dollar-Liquidität zu kommen und Finanzierungsschwierigkeiten zu überbrücken, könnten einige Zentralbanken sogar gezwungen sein, Gold zu verkaufen oder zu verpfänden. An Kaufinteressenten sollte es dabei allerdings nicht mangeln, seien es andere Zentralbanken oder private Investoren. Dennoch scheint klar, dass die Zentralbankkäufe in diesem Jahr deutlich schwächer ausfallen werden als in den beiden Vorjahren.

Produktidee: Faktor-Zertifikate
WKNTypBasiswertMerkmale
CJ7RLNLongGold FutureFaktor: 3
CJ7RLHShortGold FutureFaktor: -3
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Industriemetalle: Europäische Stahlindustrie kämpft mit dem Coronavirus

Der LME Futures-Kontrakt für Betonstahl hat sich bis vor kurzem erstaunlich gut gehalten und den scharfen Rückgang am 1. April bereits zum Teil wieder aufgeholt. Dies kann aber auch am geringen Interesse an diesem Kontrakt liegen, da der Futures-Kontrakt für Betonstahl an der SHFE in Shanghai seit Mitte März deutlicher nachgegeben hat. Die Preisentwicklung an der LME kann auch nicht darüber hinwegtäuschen, dass die europäische Stahlindustrie von der Coronavirus-Pandemie stark getroffen wurde. So ist die Nachfrage aus der Automobilindustrie, hinter der Baubranche der zweitgrößte Stahlkonsument, fast komplett weggebrochen. Angaben von S&P Global Platts zufolge standen in der letzten März-Woche bei allen großen europäischen Automobilherstellern die Bänder still. S&P Global Platts schätzt, dass dies für die Produzenten einen Verlust von 61 Tsd. Fahrzeugen pro Tag bedeutet. Bei einem durchschnittlichen Stahlverbrauch von 900 kg pro Auto wäre die Stahlnachfrage somit um rund 55 Tsd. Tonnen täglich niedriger. Dies deckt sich in etwa mit den Aussagen des Verbands der europäischen Automobilproduzenten, der letzte Woche den Verlust auf mehr als 1,2 Mio. Fahrzeuge bezifferte. Von den Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus ist in einigen Ländern auch die Baubranche betroffen, so dass auch dieser Sektor derzeit weniger Stahl nachfragt. Einige Marktbeobachter gehen davon aus, dass die Auswirkungen der Pandemie auf die Stahlindustrie insgesamt mindestens genauso groß sein werden wie während der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/09. Viele rechnen mit einem ähnlichen Einbruch der Stahlproduktion wie 2009, da die Stahlhersteller auf die schwache Nachfrage reagieren müssen. Einige Produzenten haben bereits ihre Produktion gedrosselt und sogar die Stilllegung von Hochöfen angekündigt. Daten des Weltstahlverbands zufolge ist 2009 die Stahlproduktion in der EU um 30% eingebrochen. Das Niveau von 2008 wurde bis heute nicht wieder erreicht.