Währung

Sanktionen – wirkungsvoller als 100 Raketen

USD, RUB: Nun fielen doch amerikanische Bomben auf Syrien. Erst sah es so aus, als wäre diese Entwicklung kein neuer Belastungsfaktor für den Rubel. Denn die befürchtete militärische Auseinandersetzung zwischen Russland und den USA blieb aus. Doch zu früh gefreut. Die US-Botschafterin bei den Vereinten Nationen, Nikki Haley, kündigte am Sonntag weitere US-Sanktionen gegen Russland an. US-Finanzminister Steven Mnuchin würde sie heute verkünden, so Haley. Diesmal würde es „alle möglichen Unternehmen“ treffen, die „mit Ausrüstung handeln, die mit Assad und Chemiewaffen“ zu tun hätten. Die Frage, ob solche Sanktionen aus politischer Sicht geboten / sinnvoll / nützlich ist, müssen Sie anderen stellen. Nicht Ihrem FX-Analysten. Ich kann ihnen nur sagen, dass sich jetzt das andeutet, was nach den Sanktionen vom 6. April zu befürchten war: Die US-Administration hat – nachdem sie mit Ihrem neuen Sanktions-Stil ein äußerst wirkungsvolles Instrument gefunden (wirkungsvoller als 100 Marschflugkörper, scheint mir) – Appetit auf weiteren Gebrauch dieses Instruments gefunden. Aus FX-Sicht sind freilich weitere Sanktionen schädlich für beide Währungen, den Rubel und den Dollar. Allerdings auf unterschiedlichen Zeitskalen.

(1) Für den Rubel ist die Situation einfach. Schon nach den Sanktionen vom 6. April gab Russlands Währung deutlich nach. Und entsprechend steht sie auch heute Morgen wieder unter Abgabedruck. Der Hebel, den die US-Administration dadurch erzeugt, dass sie neuerdings auch den Handel ausstehender Wertpapiere sanktionierter Unternehmen untersagt, ist erheblich. In den letzten Tagen konnte sich der Rubel freilich wieder etwas erholen. Falls das darauf zurückzuführen ist (und das ist mein subjektiver Eindruck), dass einige Marktteilnehmer darauf setzten, dieses Vorgehen könne ein Ausnahmefall gewesen sein, dann gute Nacht Rubel. Mnuchin könnte heute – gerade zehn Tage nach den ersten Sanktionen – ähnliches für andere Unternehmen ankündigt. Spätestens dann wird sich jeder fragen, welches russische Unternehmen als nächstes dran ist. Vielleicht eines, das man selbst im Portfolio hält? Und so strahlen diese Sanktionen weit über die eigentlich sanktionierten Unternehmen hinaus aus und belasten auch Russlands Währung. Als mein Rubel-Spezialist mir vorschlug, für USD-RUB einen Wert von 70 ins Prognose-Tableau einzutragen, hielt ich ihn für übertrieben ängstlich. Heute bin ich froh, dass wir auf ihn gehört haben…

(2) Allerdings ist diese Entwicklung auch nicht USD-positiv. Die US-Sanktionen wirken nur deshalb so kräftig, weil die USA in der Lage sind, weltweit zu erzwingen, dass sich jeder-mann an diese Sanktionen hält. Und das klappt nur, weil die US-Währung Welt-Leitwährung ist. Keine global agierende Bank kann riskieren, US-Sanktionen nicht akkurat umzusetzen, ganz egal wie die heimische Rechtslage ist. Sonst wird man – das haben Fällen in der Vergangenheit gezeigt – vom Dollar-Handel ausgeschlossen. Würde zum Beispiel Norwegens Regierung ähnliches androhen, würde das keinen kümmern. Dann würden halt etliche Banken entscheiden, lieber Norwegens Sanktionen zu ignorieren, als NOK-Handel zu betreiben. Eben weil der Dollar Welt-Leitwährung ist, haben global agierende Banken im Fall des Dollars diese Option nicht – und müssen sich mehr oder weniger zähneknirschend an US-Sanktionen halten. Solange US-Sanktionen mehr oder weniger deckungsgleich mit Sanktionen anderer westlicher Industrieländer formuliert wurden (wie z.B. noch im Fall der Russland-Sanktionen nach der Krim-Annektierung), war das unproblematisch. Dann mussten sich westliche Banken und Unternehmen eh an entsprechende Sanktionen halten – aufgrund heimischer Vorgaben. Je mehr sich die US-Sanktionspolitik in Umfang und Instrumentarium aber von den Vorstellungen übriger westlicher Länder ablöst, desto eher entsteht die Gefahr, dass in diesen Ländern eine Abkehr vom dollar-zentristischen Währungssystem befördert wird und dass der Dollar nicht nur im Handel mit US-Sanktionsländern seine dominierende Stellung verliert. Würde das passieren, würde der Dollar massiv verlieren – denn ein guter Teil der Dollar-Nachfrage würde wegbrechen. Ist solch ein Szenario wahrscheinlich? Nicht sehr. Aber eben wahrscheinlicher, als vor den neuen US-Sanktionen. Und daher ist es die US-Sanktionspolitik potenziell USD-negativ.

Produktidee: Faktor-Zertifikate

WKN Typ Basiswert Merkmale
CD9105 Long EUR/USD Faktor: 1
CD91QE Short EUR/USD Faktor:-1

PLN: Adam Glapiński, Chef der polnischen Notenbank (NBP), hat letzte Woche erklärt, dass der Zeitpunkt kommen könne, zu dem Zinssenkungen gerechtfertigt seien. Hintergrund war ein plötzlicher Rückgang der Inflationszahlen von März, was auch in anderen Teilen der Eurozone zu beobachten ist. Letzten Freitag veröffentlichte das nationale Statistikamt die aufgeschlüsselte Verbraucherpreisinflation (VPI). Diese gab Anzeichen dafür, dass die Kerninflation im März auf nur noch 0,5% bis 0,6% gegenüber Vorjahr gesunken sein könnte. Offizielle Zahlen stehen aber erst heute an. Wir halten diese Zahlenreihe aufgrund eines Phänomens im Hintergrund für beachtenswert: Eurostat veröffentlicht für Polen einen eigenen harmonisierten VPI (HVPI) und hatte für diesen bereits einen beträchtlichen Rückgang in Polen ausgewiesen. Und dieser Rückgang betrifft nicht nur die Gesamtinflation: Unter Ausklammerung von Lebensmitteln, Energie, Alkohol und Tabak sank der HVPI im März auf eine negative Inflation bzw. Deflation von -0,1% ggü. Vj. Vor nur zwei Monaten ergab dieselbe Messung der Kerninflation noch einen positiven Wert bei 0,8%. Wir können deshalb nicht ausschließen, dass die Inflation in den C3-Ländern, darunter Polen und die Tschechische Republik, entweder sehr niedrig werden wird oder sogar in Deflationsterritorium abrutscht. Und das ist keineswegs bereits voll eingepreist.

CNY: Erwartungsgemäß wurde China vom US-Finanzministerium nicht als „Währungsmanipulator“ gebrandmarkt. Mit einem Plus von 5% seit Jahresbeginn hat der CNY unter den asiatischen Währungen die zweitbeste Performance erzielt. Darüber hinaus ist auch der CNY-Index seit Ende 2017 um 2% gestiegen. Deshalb liegen keine stichhaltigen Beweise dafür vor, China zu diesem Zeitpunkt der Währungsmanipulation zu bezichtigen. Die Outperformance des CNY ist weitestgehend auf den Leistungsbilanzüberschuss und strikte Kapitalverkehrskontrollen zurückzuführen. In der Folge sind die Deviseneinlagen an Chinas Onshore-Markt seit Ende 2016 rapide angestiegen. Der Gouverneur der chinesischen Zentralbank (PBoC), Yi Gang, erklärte letzten Freitag, dass die Zentralbank seit „geraumer Zeit“ jeglichen Interventionen am Devisenmarkt entsage. Meiner Kollegin Thu Lan Nguyen zufolge würde China die Bemühungen um Kapitalverkehrskontrollen, die eigentlich die Währung stützen sollen, verwässern, sollte es den CNY abwerten lassen. Und im Hinblick auf die Wettbewerbsfähigkeit des Außenhandels macht eine interventionsgestützte Stärkung des CNY sowieso kaum Sinn. Daher ist eine Sache sehr interessant: China kann seine Währung zwar als übermäßig stark betrachten, aber die meisten politischen Aktionen stützen den CNY eher.

MYR: Am 9. Mai finden die mit Spannung erwarteten 14. Parlamentswahlen statt. Die Koalition Barison Nasional (BN) strebt eine Verlängerung ihrer 60-jährigen ununterbrochenen Amtszeit seit der Unabhängigkeit im Jahr 1957 an. Die Kandidaten werden am 28. April benannt und der Wahlkampf findet nur an 11 Tagen statt, während er 2013 15 Tage dauerte. Premierminister Najib wird sich einen engen Kampf mit dem früheren Premierminister liefern, dem 92-jährigen und rüstigen Dr. Mahathir Mohamad, der dieses Amt 22 Jahre und damit am längsten innehatte. Bei den Parlamentswahlen des Jahres 2013 gewann BN 133 Sitze, also 60% der 222 Sitze im Parlament. Sie verlor jedoch erstmals seit 1969 die Gesamtzustimmung, da sie nur 46,5% aller Stimmen erreichte, während die Opposition 53,5% erzielte. Die wichtigsten Themen dieser Wahlen werden erneut die wirtschaftliche Lage sein und der Skandal um den Quasi-Staatsfonds und Premierminister Najib. Die Wirtschaft entwickelt sich gut und profitiert vom globalen Aufschwung. Nach 5,9% im Jahr 2017 wird dieses Jahr ein Wachstum von 5,4% prognostiziert, was der Regierung helfen dürfte. Die diesjährige Wahl könnte aber ein Wendepunkt sein, denn die Regierung kämpft gegen die Unzufriedenheit und Ernüchterung der Wähler wegen des Skandals im Umfang von mehreren Milliarden USD an. Die Opposition hofft, über die Koalition Pakatan Harapan hiervon zu profitieren. Dr. Mahathir führt den Wahlkampf, wird aber nur ein vorübergehender Vorsitzender und Premierminister (im Falle eines Wahlsiegs) sein, bis Anwar Ibrahim aus dem Gefängnis entlassen oder begnadigt wird. Gegenwärtig gehen wir in unserem Basisszenario davon aus, dass die aktuelle Regierung an der Macht bleibt, möglicherweise aber mit einer noch knapperen Mehrheit. Das Risiko keiner parlamentarischen Mehrheit ist nicht zu vernachlässigen. Bei einem Wahlsieg von BN könnte es zu einer Erholungsrally des MYR kommen. Wenn es jedoch keine eindeutigen Mehrheitsverhältnisse gibt, ist es möglich, dass MYR den Großteil seiner diesjährigen Gewinne von über 4,5% zum USD wieder abgibt. Bei einem Wahlsieg der Opposition dürften die Anleger wegen der bevorstehenden Unsicherheit vorsichtig sein und der MYR dürfte abwerten.

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