Rohstoffe

Rohstoffpreise auf breiter Front unter Druck

Am Ölmarkt dominieren die Nachfragesorgen. Daran dürfte sich nächste Woche nichts ändern, vor allem falls Russland den Gashahn Ende der Woche nicht wieder aufdrehen sollte und damit die Gefahr einer Gaskrise in Europa deutlich zunimmt. Bei den Industriemetallpreisen haben die Nachfragesorgen bereits stärkere Spuren hinterlassen, auch weil das Angebot ohnehin ausreichend war. Am Goldmarkt schaut man auf die EZB, auch weil ein zögerliches Vorgehen den Dollar stärken könnte. 

Wochenausblick: Wenig Angebots-, aber viele Nachfragesorgen

Der Brentölpreis ist diese Woche spürbar unter 100 USD je Barrel gerutscht. Die Talfahrt dürfte sich fortsetzen, denn die Rezessionsängste werden wohl vorerst nicht nachlassen. Dazu passt, dass die Internationale Energieagentur zumindest für dieses Jahr von einem spürbar besser versorgten Markt ausgeht. Sie hat nicht nur die Nachfrageprognosen nach unten genommen, sondern ist auch für das Angebot optimistischer. Ausschlaggebend dafür ist ein deutlich höheres russisches Angebot, das im Juni pro Tag wohl fast 0,5 Mio Barrel höher war als im Vormonat und damit nur gut 300 Tsd Barrel unter dem Vor-Invasionsniveau lag. Allerdings erwartet die IEA für die zweite Jahreshälfte weiterhin eine fallende Produktion. Positiv überrascht hat auch das Angebot aus Nordamerika. Wieviel die US-Schieferölproduktion dazu beiträgt, wird am Montag der Drilling Productivity Report zeigen (Chart 1).

Am kommenden Donnerstag endet die offiziell angemeldete Wartungszeit für Nord Stream 1, in der kein Gas durch die Pipeline fließt. Auch wenn die Bundesnetzagentur darauf hingewiesen hat, dass die Zeit solcher Wartungsarbeiten schwankt, wird der Tag mit Spannung erwartet. Hoffnung auf eine Wiederaufnahme besteht wohl ohnehin nur dann, wenn die im Zentrum des Geschehens stehende Gasturbine bis dahin in Russland angekommen sein sollte (siehe unten). Eine Wiederaufnahme der Gaslieferungen würde für eine gewisse Erleichterung an den Rohstoffmärkten und für eine Preiserholung bei vielen Rohstoffen sorgen. Der TTF-Erdgaspreis würde hingegen fallen. Im anderen Fall wäre mit erheblichen Turbulenzen zu rechnen.

Die Preise an den Industriemetallmärkten haben – gemessen am Londoner Metallpreisindex – seit ihrem Jahreshoch um 35% nachgegeben. Inzwischen sind alle Preise seit Jahresbeginn im Minus. Denn anders als am Ölmarkt gibt hier die Angebotsseite kaum Unterstützung. Vielmehr waren fast überall die Märkte zuletzt ausreichend versorgt. Am Kupfermarkt übertraf laut Zahlen der International Copper Study Group das Angebot in den ersten vier Monaten die Nachfrage um fast 100 Tsd Tonnen. Für Entlastung am Markt sorgte bislang ein schneller steigendes Angebot. In den kommenden Monaten dürfte wohl eine konjunkturbedingte Verlangsamung der Nachfrage einen Angebotsüberschuss sichern. Das dürfte den Kupferpreis weiter unter Druck setzen, zumal auch der feste US-Dollar belastet (Chart 2).

Der starke US-Dollar, der vor allem das Spiegelbild eines schwachen Euros ist, setzt auch den Goldpreis unter Druck. Neben der Gaskrise lastet das verglichen mit der Fed vorsichtige Vorgehen der EZB auf dem Euro. Sollte sich im Rahmen der EZB-Sitzung ein beherzteres Vorgehen gegen die Inflation abzeichnen, könnte Gold indirekt profitieren, auch wenn höhere Zinsen per se für Gold als zinslose Anlage schlecht sind.

Frühere Wertentwicklungen, Prognosen und Simulationen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.

Energie

  • Die OPEC geht für das nächste Jahr von einem kräftigen Anstieg der Ölnachfrage aus. Diese soll 2023 bei durchschnittlich 103 Mio. Barrel pro Tag liegen und damit 2,7 Mio. Barrel pro Tag höher als in diesem Jahr. Die Internationale Energieagentur revidierte ihre Nachfrageprognose für das laufende und die kommenden Quartale dagegen teilweise deutlich nach unten. Gleichzeitig erwartet sie für das zweite Halbjahr ein höheres Nicht-OPEC-Angebot, da die Ölproduktion in Russland weniger stark zurückgeht und in den USA stärker steigt. Diese Prognosen implizieren für die zweite Jahreshälfte einen deutlich überversorgten Ölmarkt. Eine stärker steigende Nachfrage und eine deutlich niedrigere Ölproduktion in Russland sollen im nächsten Jahr dazu beitragen, dass der Ölmarkt in ein Angebotsdefizit dreht.
  • Die US-Energiebehörde hat ihre Prognose für die US-Rohölproduktion im nächsten Jahr um rund 200 Tsd. auf durchschnittlich 12,77 Mio. Barrel pro Tag nach unten revidiert. Das Ende 2019 erreichte Rekordniveau von knapp 13 Mio. Barrel pro Tag soll im Spätherbst 2023 überschritten werden. Bislang rechnete die EIA damit im Sommer kommenden Jahres. Die IEA erwartet für 2023 einen Anstieg der US-Ölproduktion von 1,1 Mio. Barrel pro Tag. Davon sollen 680 Tsd. Barrel pro Tag auf Schieferöl entfallen.
  • China hat im Juni Daten der Zollbehörde zufolge lediglich 8,7 Mio. Barrel Rohöl pro Tag importiert, was einem 4-Jahrestief und einem Rückgang um 11% gegenüber dem Vorjahresmonat entspricht. Die Rohölimporte im ersten Halbjahr waren 3% niedriger als im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Die chinesischen Raffinerien haben damit auf die Mobilitätseinschränkungen zur Eindämmung des Coronavirus reagiert, die zu einer geringeren Ölnachfrage führten.
  • Russland macht die Wiederaufnahme der Gaslieferungen über die Nord Stream-Pipeline nach den Wartungsarbeiten in der kommenden Woche neben der Nachfrage seitens der Europäer auch von den negativen Auswirkungen der Sanktionen abhängig. Dies sagte die Sprecherin des Außenministeriums, Sacharowa. Sie verwies dabei auf die fehlende Turbine. Diese soll laut einer russischen Zeitung heute von Kanada ausgeliefert werden. In Deutschland sind die Erdgasvorräte nach dem wartungsbedingten Stopp der Gaslieferungen über Nord Stream zuletzt nicht weiter gestiegen.
Produktidee: Faktor-Optionsscheine
WKNTypBasiswertMerkmale
SD2S7ULongOil Brent FutureFaktor: 5
SH310NShortOil Brent FutureFaktor: -5
SD1XJFLongOil WTI Light Crude Future Faktor: 5
SH3QBCShortOil WTI Light Crude Future Faktor: -5
SH2SLDLongNatural Gas Future Faktor: 5
SN0WY8ShortNatural Gas Future Faktor: -5
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Edelmetalle

  • Die US-Inflation ist im Juni unerwartet deutlich auf 9,1% und damit den höchsten Stand seit über 40 Jahren gestiegen. Der Goldpreis ist daraufhin zeitweise unter 1.700 USD je Feinunze gefallen. Denn der Euro rutschte gegenüber dem US-Dollar kurzzeitig unter die Parität und die Anleiherenditen stiegen. Dies ist Ausdruck höherer Zinserwartungen. Die US-Notenbank Fed wird auf ihrer kommenden Sitzung unserer Meinung nach die Zinsen abermals kräftig um 75 Basispunkte anheben. Laut den Fed Fund Futures ist sogar ein Zinsschritt von 100 Basispunkten teilweise eingepreist.
  • Die Zinsstrukturkurve in den USA ist mittlerweile wieder invers, das heißt die Rendite 2-jähriger Staatsanleihen liegt über der Rendite 10-jähriger Staatsanleihen. Aktuell ist der Renditeunterschied sogar so groß wie zuletzt vor 22 Jahren. Eine inverse Zinsstrukturkurve war in der Vergangenheit ein Indikator für eine bevorstehende Rezession. Und die Marktteilnehmer scheinen eine Rezession in den USA mehr und mehr zu erwarten. Davon sollte Gold in seiner Eigenschaft als sicherer Hafen eigentlich profitieren. Unter anderem deshalb erwarten wir in den kommenden Monaten und Quartalen höhere Goldpreise. Dazu müssten allerdings die nach wie vor kräftigen ETF-Abflüsse enden und wieder Kaufinteresse in den Markt zurückkehren.
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WKNTypBasiswertMerkmale
SD3APGLongGold FutureFaktor: 5
SF5DDDShortGold FutureFaktor: -5
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Industriemetalle

  • China hat im Juni viel Kupfer importiert. Daten der Zollbehörde zufolge wurden 538 Tsd. Tonnen eingeführt, die größte Menge in einem Monat bislang in diesem Jahr und gut 25% mehr als im Vorjahr. Dies führen wir auf die Lockerung bzw. Aufhebung der Corona-Restriktionen zurück. In den ersten sechs Monaten des Jahres lagen die Kupferimporte gut 5% über dem vergleichbaren Vorjahreszeitraum. Die Einfuhren von Kupfererz und -konzentrat lagen im Juni zwar unter dem Rekordwert des Vormonats, aber ebenfalls deutlich über dem Vorjahresniveau. Im ersten Halbjahr sind sie gegenüber dem vergleichbaren Vorjahreszeitraum um knapp 9% gestiegen.
  • Dagegen hat China im Juni gemäß Daten der Zollbehörde mit 89 Mio. Tonnen etwas weniger Eisenerz importiert als im Vorjahr. Die chinesische Stahlindustrie hat offenbar weniger Eisenerz nachgefragt, da sie sich einer schwächeren Nachfrage gegenübersieht. Auch in den ersten sechs Monaten 2022 waren die Eisenerzeinfuhren niedriger als im entsprechenden Vorjahreszeitraum.
  • Die chinesischen Stahlproduzenten haben auf die schwächere Nachfrage offenbar reagiert und gemäß Daten des Nationalen Statistikbüros im Juni gut 3% weniger Stahl hergestellt als im Vorjahr. Dagegen ist die chinesische Aluminiumproduktion im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Sie hat den zweithöchsten Wert überhaupt erreicht und lag nur leicht unter dem Rekordhoch.
  • Die chinesische Wirtschaft ist Daten des Nationalen Statistikbüros zufolge im zweiten Quartal nur um 0,4% gegenüber Vorjahr gewachsen. Dies war deutlich weniger als vom Bloomberg-Konsensus erwartet und dürfte in erster Linie mit den Corona-Restriktionen zusammenhängen. Gegenüber dem ersten Quartal ist die Wirtschaft sogar geschrumpft. Der Juni sah anhand der Daten zur Industrieproduktion und den Anlageinvestitionen zwar etwas besser aus, dies trägt aber nicht zu einer Stimmungsaufhellung der Marktteilnehmer bei.
  • Die Metallpreise verzeichneten in den letzten Tagen weitere starke Verluste. Der LME-Industriemetallindex ist auf den tiefsten Stand seit 17 Monaten gefallen, Kupfer handelt mittlerweile unter der Marke von 7.000 USD je Tonne. Solange Rezessionssorgen das Bild bestimmen, dürften die Metallpreise vorerst weiter unter Druck bleiben. Wir erachten den starken Rückgang seit Anfang Juni mittlerweile aber als übertrieben.
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WKNTypBasiswertMerkmale
SB3Q6SLongCopper FutureFaktor: 8
SD5RM8ShortCopper FutureFaktor: -8
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