Rohstoffe

Rohstoffe im Abwärtssog: Rezessionssorgen setzen Preise unter Druck

Rezessionssorgen haben die Preise von Industrierohstoffen wie Rohöl und Kupfer zuletzt stark unter Druck gesetzt. Wir erwarten nach dem Ausverkauf eine Stabilisierung, aber keine nennenswerte Erholung. Der Erdgaspreis dürfte wegen eines befürchteten Lieferstopps Russlands weiter steigen. Der Preisrückgang bei Gold ist unseres Erachtens übertrieben. Wir rechnen mit einer Preiserholung. 

Wochenausblick: Rezessionssorgen
Die Ölpreise sind in den vergangenen Tagen wegen zunehmender Rezessionssorgen deutlich unter Druck geraten. Zeitweise kostete ein Barrel Brent zum ersten Mal seit Ende April weniger als 100 USD (Grafik 1). Dabei droht ein geringeres Angebot, da ein russisches Gericht verfügt hat, dass die Öllieferungen aus Kasachstan von täglich rund 1,2 Mio. Barrel über ein Exportterminal am Schwarzen Meer für 30 Tage unterbrochen werden (siehe Energienachrichten unten). Aber offensichtlich konnte dies die Ängste vor einer geringeren Nachfrage nicht ausgleichen. Ob sich dies kurzfristig wieder ändert, hängt stark davon ab, welche Einschätzung die OPEC und die IEA in ihren Monatsberichten geben werden. Die Nachfrageprognosen für das zweite Halbjahr könnten weiter reduziert werden, da insbesondere die der OPEC noch sehr optimistisch erscheint. Die OPEC veröffentlicht zudem erstmals Prognosen für 2023. Die IEA dürfte ihre Prognose für die Ölproduktion Russlands nach oben revidieren, nachdem diese zuletzt anders als erwartet deutlich gestiegen ist. Wir rechnen nach dem starken Preisrückgang zunächst mit einer Stabilisierung bei den Ölpreisen. Eine nennenswerte Preiserholung ist allerdings unwahrscheinlich.

Anfang kommender Woche wird der Gasfluss über die Ostseepipeline Nord Stream für 10 Tage wegen turnusmäßiger Wartungsarbeiten komplett abgeschaltet. Während dies früher ein kaum beachteter Routinevorgang war, wird dieses Mal befürchtet, dass Russland danach die Gaslieferungen nicht wieder hochfährt, nachdem diese bereits vor drei Wochen deutlich reduziert worden sind (Grafik 2). Diese Sorgen dürften den Gaspreis weiter steigen lassen, bis nach der Wartungsphase klar ist, was mit den Gaslieferungen passiert.

Auch der Goldpreis ist zuletzt stark unter Druck geraten und auf ein 9-Monatstief gefallen. Wichtigster Belastungsfaktor ist der starke US-Dollar, der auf handelsgewichterer Basis auf das höchste Niveau seit fast 20 Jahren aufgewertet hat. Hinzu kommt, dass sich die ETF-Anleger von Gold trennen. Allein in den letzten zwei Wochen verzeichneten die von Bloomberg erfassten Gold-ETFs Abflüsse von rund 60 Tonnen. Wir erachten die aktuelle Preisschwäche als übertrieben. Die weiterhin hohe Inflation und das Risiko einer Rezession sprechen für Gold, was für eine Preiserholung spricht.

China könnte wegen der Aufhebung der Corona-Beschränkungen im Juni wieder mehr Rohstoffe importiert haben. Dies würde den Metallpreisen nach dem kräftigen Rückgang der letzten Wochen etwas Unterstützung geben.

Frühere Wertentwicklungen, Prognosen und Simulationen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.

Energie

Saudi-Arabien hat seine offiziellen Verkaufspreise für Öllieferungen im August teilweise deutlich erhöht. Der Preisaufschlag für Arab Light gegenüber der Benchmark Oman/Dubai beträgt für Abnehmer in Asien 9,3 USD je Barrel und erreicht damit beinahe wieder das Rekordniveau vom Mai. Abnehmer in Europa müssen im August sogar rekordhohe Preisaufschläge von mehr als 5 USD gegenüber Brent zahlen. Für Abnehmer in den USA gab es hingegen keine Preisanpassung.

China hat im Juni laut Angaben von Vortexa, Kpler und Refinitiv erneut eine rekordhohe Menge von 2 Mio. Barrel Rohöl pro Tag aus Russland importiert. Russland war damit den zweiten Monat in Folge wichtigster Öllieferant Chinas vor Saudi-Arabien.

Ein russisches Gericht hat verfügt, die Beladung von Öltankern aus einem Exportterminal am Schwarzen Meer wegen angeblicher Verstöße gegen Umweltauflagen für 30 Tage auszusetzen. Darüber werden täglich rund 1,2 Mio. Barrel Rohöl zum Export verladen, die über eine Pipeline aus Kasachstan ankommen. Bislang ist es noch nicht zu einer Unterbrechung der Öllieferungen gekommen. Das Pipeline-Konsortium will gegen die Entscheidung Berufung einlegen.

Die US-Rohöllagerbestände stiegen in der letzten Woche laut US-Energieministerium unerwartet deutlich um 8,2 Mio. Barrel. Hauptverantwortlich dafür waren höhere Netto-Importe und die Freigabe von Rohöl aus den strategischen Reserven.

Ein Streik in der Öl- und Gasindustrie wurde von der norwegischen Regierung mit Verweis auf die schwerwiegenden Auswirkungen für die Energieversorgung in Europa per Intervention für beendet erklärt.

Produktidee: Faktor-Optionsscheine
WKNTypBasiswertMerkmale
SD2S7ULongOil Brent FutureFaktor: 5
SH310NShortOil Brent FutureFaktor: -5
SD1XJFLongOil WTI Light Crude Future Faktor: 5
SH3QBCShortOil WTI Light Crude Future Faktor: -5
SH2SLDLongNatural Gas Future Faktor: 5
SN0WY8ShortNatural Gas Future Faktor: -5
SH0GT8LongGas Oil FutureFaktor: 5
SN25C2ShortGas Oil FutureFaktor: -5
Kein passendes Produkt für Sie dabei? Hier gelangen Sie direkt zur Produktsuche!
Die Darstellung der genannten Produkte erfolgt lediglich in Kurzform.
Die maßgeblichen Produktinformationen stehen im Internet unter https://sg-zertifikate.de zur Verfügung. Den Basisprospekt sowie die Endgültigen Bedingungen und die Basisinformationsblätter erhalten Sie bei Klick auf die WKN.
Sie sind im Begriff, ein komplexes Produkt zu erwerben, das nicht einfach ist und schwer zu verstehen sein kann. Bitte beachten Sie, dass bestimmte Produkte nur für kurzfristige Anlagezeiträume geeignet sind. Wir empfehlen Interessenten und potenziellen Anlegern den Basisprospekt und die Endgültigen Bedingungen zu lesen, bevor sie eine Anlageentscheidung treffen, um sich möglichst umfassend über die potenziellen Risiken und Chancen des Wertpapiers zu informieren, insbesondere um die potenziellen Risiken und Chancen der Entscheidung, in die Wertpapiere zu investieren, vollends zu verstehen. Die Billigung des Basisprospekts durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht ist nicht als ihre Befürwortung der angebotenen Wertpapiere zu verstehen.

Edelmetalle

Der Goldpreis ist seinem Ruf als sicherer Hafen zuletzt nicht gerecht geworden und diese Woche stark unter die Räder geraten. Er ist im Tief auf gut 1.730 USD je Feinunze zurückgefallen, den niedrigsten Stand seit letztem September. Hauptbelastungsfaktor war wohl der feste US-Dollar, der gegenüber dem Euro immer näher an die Parität heranrückt.

Wie aus dem Protokoll der letzten Fed-Sitzung hervorgeht, erwägt die US-Notenbank eine noch stärker restriktive Haltung einzunehmen, sollte der hohe Inflationsdruck anhalten. An den Zinserwartungen des Marktes hat sich daraufhin allerdings nichts geändert. Laut den Fed Fund Futures ist ein Zinsschritt von 75 Basispunkten auf der nächsten Sitzung nicht vollständig eingepreist.

Die Gold-ETFs verzeichneten im Juni laut Daten des World Gold Council Abflüsse von 28 Tonnen. Für das 2. Quartal vermeldete der WGC Netto-Abflüsse von 39 Tonnen. Dank der kräftigen Zuflüsse in den ersten drei Monaten verbleiben für das erste Halbjahr noch immer Netto-Zuflüsse von 234 Tonnen. Für die Zuflüsse seit Jahresbeginn waren die in Nordamerika und in Europa gelisteten ETFs verantwortlich. Die Abflüsse im Juni erfolgten größtenteils in Nordamerika und hier insbesondere im SPDR Gold Trust.

Silber ist diese Woche erneut stärker als Gold gefallen. Es handelte zeitweise unter 19 USD je Feinunze auf einem 2-Jahrestief. Das Gold/Silber-Verhältnis war zwischenzeitlich auf 93 gestiegen. Die von Bloomberg erfassten Silber-ETFs verzeichnen weiter kräftige Abflüsse, so dass dem Silberpreis eine wichtige Unterstützung fehlt.

Produktidee: Faktor-Optionsscheine
WKNTypBasiswertMerkmale
SD3APGLongGold FutureFaktor: 5
SF5DDDShortGold FutureFaktor: -5
SN0785LongSilver FutureFaktor: 5
SF5DDEShortSilver FutureFaktor: -5
Kein passendes Produkt für Sie dabei? Hier gelangen Sie direkt zur Produktsuche!
Die Darstellung der genannten Produkte erfolgt lediglich in Kurzform.
Die maßgeblichen Produktinformationen stehen im Internet unter https://sg-zertifikate.de zur Verfügung. Den Basisprospekt sowie die Endgültigen Bedingungen und die Basisinformationsblätter erhalten Sie bei Klick auf die WKN.
Sie sind im Begriff, ein komplexes Produkt zu erwerben, das nicht einfach ist und schwer zu verstehen sein kann. Bitte beachten Sie, dass bestimmte Produkte nur für kurzfristige Anlagezeiträume geeignet sind. Wir empfehlen Interessenten und potenziellen Anlegern den Basisprospekt und die Endgültigen Bedingungen zu lesen, bevor sie eine Anlageentscheidung treffen, um sich möglichst umfassend über die potenziellen Risiken und Chancen des Wertpapiers zu informieren, insbesondere um die potenziellen Risiken und Chancen der Entscheidung, in die Wertpapiere zu investieren, vollends zu verstehen. Die Billigung des Basisprospekts durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht ist nicht als ihre Befürwortung der angebotenen Wertpapiere zu verstehen.

Industriemetalle

Der Rückgang der Metallpreise hat sich diese Woche zunächst mit unverminderter Dynamik fortgesetzt – auch ohne neue Nachrichten. Vor allem der feste US-Dollar – der EUR-USD-Wechselkurs ist auf den tiefsten Stand seit Ende 2002 gefallen – lastete auf den Preisen. Ansonsten waren unseres Erachtens die bereits mehrfach erwähnten Rezessionssorgen verantwortlich für den Preisverfall. Eine globale Rezession wird offenbar zunehmend eingepreist. Dabei spielen Sorgen vor einer Gaskrise in Europa, einem Wirtschaftsabschwung in den USA sowie neuen Corona-Fällen und möglichen Lockdowns in China eine Rolle.

Kupfer war zeitweise unter 7.400 USD je Tonne auf den tiefsten Stand seit November 2020 gefallen. So langsam dürfte die Diskussion aufkommen, ob sich die Kupferproduktion noch lohnt. Die Produktionskosten sind zwar vor allem in den Minen in Südamerika sehr niedrig, zur Erschließung neuer Vorkommen bedarf es aber einen Anreiz. Der sog. incentive price liegt unseres Erachtens zwischen 7.000 USD und 7.500 USD. Sollten wegen des Preisverfalls geplante Projekte verschoben oder auf Eis gelegt werden, hätte dies langfristige Auswirkungen auf das Kupferangebot. In einigen Jahren dürfte das Angebot mit der Nachfrage ohnehin nicht mehr Schritt halten.

Alle anderen Metalle waren ebenfalls auf mehrmonatige Tiefstände gefallen. Fast alle sind aus technischer Sicht gemessen am Relative-Stärke-Index mittlerweile überverkauft, manche sogar massiv. Dies war in der Vergangenheit oftmals ein Indikator für eine bevorstehende Gegenbewegung. Diese war dann auch tatsächlich gestern zu beobachten. Die Metallpreise haben „einen ordentlichen Schluck aus der Pulle genommen“. Für Kupfer zum Beispiel ging es um 4% nach oben. Wir sind jedoch skeptisch, dass dies schon die Wende darstellt. Wir sehen zunächst eher weitere Abwärtsrisiken.

Die Erholung beruhte auf einer Meldung, wonach die chinesische Regierung ein weiteres Konjunkturprogramm plant. Laut Angaben der Nachrichtenagentur Bloomberg erwägt das Finanzministerium, den lokalen Regierungen im zweiten Halbjahr die Ausgabe von zweckgebundenen Anleihen für Infrastrukturprojekte im Umfang von umgerechnet 220 Mrd. USD zu gestatten. Auch wenn es für gewöhnlich einige Quartale dauert, bis solche Projekte realisiert werden, dürften sie eine entsprechend hohe Nachfrage nach Metallen und Stahl mit sich ziehen.

Produktidee: Faktor-Optionsscheine
WKNTypBasiswertMerkmale
SB3T6BLongCopper FutureFaktor: 5
SH0ETJShortCopper FutureFaktor: -5
Kein passendes Produkt für Sie dabei? Hier gelangen Sie direkt zur Produktsuche!
Die Darstellung der genannten Produkte erfolgt lediglich in Kurzform.
Die maßgeblichen Produktinformationen stehen im Internet unter https://sg-zertifikate.de zur Verfügung. Den Basisprospekt sowie die Endgültigen Bedingungen und die Basisinformationsblätter erhalten Sie bei Klick auf die WKN.
Sie sind im Begriff, ein komplexes Produkt zu erwerben, das nicht einfach ist und schwer zu verstehen sein kann. Bitte beachten Sie, dass bestimmte Produkte nur für kurzfristige Anlagezeiträume geeignet sind. Wir empfehlen Interessenten und potenziellen Anlegern den Basisprospekt und die Endgültigen Bedingungen zu lesen, bevor sie eine Anlageentscheidung treffen, um sich möglichst umfassend über die potenziellen Risiken und Chancen des Wertpapiers zu informieren, insbesondere um die potenziellen Risiken und Chancen der Entscheidung, in die Wertpapiere zu investieren, vollends zu verstehen. Die Billigung des Basisprospekts durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht ist nicht als ihre Befürwortung der angebotenen Wertpapiere zu verstehen.

Technologie-Sektor: Kurzfristig anfällig, längerfristig aussichtsreich?
Die derzeitige Situation an den Aktienmärkten belastet insbesondere die IT-Branche mit den höchsten Wachstumsperspektiven und damit auch den höchsten Bewertungen. Vor allem die zuletzt geradezu angesprungenen Bond-Renditen sorgen für Kursdruck. Doch bieten die derzeitigen Kurse auch Perspektiven für einen günstigen Einstieg? Jetzt lesen!