Rohstoffe

OPEC+ im Dilemma

Energie: Brent wieder bei 40 USD, US-Schieferöl vor Comeback

Der Brentölpreis steigt am Morgen begünstigt durch einen hohen Risikoappetit und überraschend positive Konjunkturdaten aus China erstmals seit Anfang März über die Marke von 40 USD je Barrel. Damals hatte die gescheiterte Sitzung der OPEC+ für einen Preisrutsch gesorgt, als man sich nicht auf eine in der Rückschau gering anmutende Kürzung um 1,5 Mio. Barrel pro Tag einigen konnte. Heute demonstriert die OPEC+ dagegen Einigkeit. Die derzeit geltenden Kürzungen von 9,7 Mio. Barrel pro Tag sollen über Juni hinaus verlängert werden. Offen ist nur noch für wie lange. Saudi-Arabien favorisiert eine Laufzeit von mindestens drei Monaten, andere Produzenten einschließlich Russland bevorzugen dagegen nur eine Verlängerung um einen Monat. Doch selbst dann würden die Kürzungen danach noch immer 7,7 Mio. Barrel pro Tag betragen. Die vorsichtigen Länder könnten dabei auch im Auge haben, dass ein zu langes Festhalten an den derzeitigen Kürzungen den US-Schieferölproduzenten zugutekommen könnte. Denn bei einem WTI-Preis von aktuell 38 USD je Barrel wird die Schieferölproduktion für mehr und mehr Frackingfirmen wieder lukrativ. Gestern meldeten zwei US-Schieferölunternehmen, ihre erst vor wenigen Wochen eingestellte Produktion wieder hochfahren zu wollen. Darunter ist auch der größte US-Schieferölproduzent. Die US-Energiebehörde unterstellt bislang einen Rückgang der US-Schieferölproduktion zwischen April und Juni um 1,2 Mio. Barrel pro Tag. Im Juni sollte die Produktion dabei um 200 Tsd. Barrel pro Tag fallen. Dieser Rückgang könnte nun ausbleiben und im zweiten Halbjahr die Produktion sogar wieder steigen. Die derzeitige EIA-Prognose eines fortgesetzten Rückgangs der US-Ölproduktion im zweiten Halbjahr ist daher fraglich geworden. Schon 2017 leitete die OPEC+ mit ihrer Kürzungspolitik ein Comeback der Schieferölproduktion ein. Dies sollte die OPEC+ im Blick haben, bevor sie über eine zu lange Ausdehnung ihrer Produktionskürzungen entscheidet.

Produktidee: Unlimited Turbo-Optionsscheine
WKNTypBasiswertMerkmale
SR8CX1CallOil Brent FutureHebel: 4,2
CL97W7PutOil Brent FutureHebel: 4,1
CL956BCallOil WTI Light FutureHebel: 3,5
CL7MRTPutOil WTI Light FutureHebel: 3,8
Die Darstellung der genannten Produkte erfolgt lediglich in Kurzform.
Die maßgeblichen Produktinformationen stehen im Internet unter https://sg-zertifikate.de zur Verfügung. Den Basisprospekt sowie die Endgültigen Bedingungen und die Basisinformationsblätter erhalten Sie bei Klick auf die WKN.
Sie sind im Begriff, ein komplexes Produkt zu erwerben, das nicht einfach ist und schwer zu verstehen sein kann. Wir empfehlen Interessenten und potenziellen Anlegern den Basisprospekt und die Endgültigen Bedingungen zu lesen, bevor sie eine Anlageentscheidung treffen, um sich möglichst umfassend über die potenziellen Risiken und Chancen des Wertpapiers zu informieren, insbesondere um die potenziellen Risiken und Chancen der Entscheidung, in die Wertpapiere zu investieren, vollends zu verstehen. Die Billigung des Basisprospekts durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht ist nicht als ihre Befürwortung der angebotenen Wertpapiere zu verstehen.

Edelmetalle: Goldnachfrage in Indien weiter am Boden

Die anhaltende Rally an den Aktienmärkten hat Gold gestern ausgebremst. Der Preis rutschte kurz nach der Eröffnung der US-Börsen um gut 20 USD auf 1.720 USD je Feinunze ab, wo er auch am Morgen noch handelt. Bei zunehmendem Risikoappetit verliert der sichere Hafen Gold für Anleger an Attraktivität. Die Gold-ETFs verzeichneten zwar auch gestern Zuflüsse, aber deutlich weniger als in den Tagen zuvor. Gold ist auf hohe ETF-Zuflüsse angewiesen, um die akute Nachfrageschwäche in Asien zu kompensieren. Die Goldnachfrage in Indien lag auch im Mai am Boden. Aus dem Umfeld der Regierung heißt es, die Goldimporte im letzten Monat betrugen lediglich 1,4 Tonnen. Das entspricht einem Rückgang um 99% gegenüber den 133,6 Tonnen im Vorjahresmonat. Schon im April waren die indischen Goldimporte faktisch zum Erliegen gekommen. Die Schließung des internationalen Flugverkehrs und der landesweite Lockdown zur Eindämmung des Coronavirus fordern somit weiterhin sichtbar ihren Tribut. Ob die aufgestaute Nachfrage im späteren Jahresverlauf nachgeholt wird, ist zumindest fraglich. Im Moment kann niemand absehen, wie sich das Kaufverhalten der Inder nach einer Aufhebung des Lockdown entwickeln wird. Selbst wenn Hochzeiten im Herbst wieder möglich sein sollten, dürften die rekordhohen lokalen Preise dafür sorgen, dass weniger Goldschmuck verschenkt wird. In China sieht es derzeit nicht viel besser aus, wie die negativen Netto-Goldimporte aus Hongkong und die im April auf null gesunkenen Importe aus der Schweiz in der letzten Woche gezeigt haben. Möglicherweise kommt demnächst noch mehr überschüssiges Gold aus China an den Markt, für das es im Land derzeit keine Nachfrage gibt. Denn die chinesische Zentralbank hat gestern die Bestimmungen für die Ausfuhr erleichtert. Hoffnung macht allerdings der im Mai auf ein 9½-Jahreshoch gestiegene Dienstleistungsindex, der auf eine spürbare Erholung der Kauflaune der chinesischen Haushalte hindeutet.

Produktidee: Faktor-Zertifikate
WKNTypBasiswertMerkmale
CU0E6VLongGold FutureFaktor: 5
CU3THAShortGold FutureFaktor: -5
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Industriemetalle: Unterschiedliche Entwicklung bei Aluminium in und außerhalb China

Nachdem der private (von Caixin, davor HSBC) Einkaufsmanagerindex (PMI) für das Verarbeitende Gewerbe Chinas für Mai gestern mit einem Wert von über 50 positiv überrascht hat, hat der heute veröffentlichte Index für den Dienstleistungssektor für eine noch größere Überraschung gesorgt. Mit einem Wert von 55 lag dieser nicht nur höher als die vom Konsens erwarteten 47,3, sondern sogar auf dem höchsten Stand seit Oktober 2010, als sich die Weltkonjunktur von der schweren Wirtschaftskrise erholt hatte. Doch wäre es u.E. verkehrt, die starke Binnennachfrage allein z.B. für die Entwicklung am Aluminiummarkt verantwortlich zu machen. Die Aluminiumbestände an der SHFE in Shanghai sind von fast 550 Tsd. Tonnen Ende März auf unter 300 Tsd. Tonnen gefallen, die im gesamten China von fast 1,7 Mio. auf unter 900 Tsd. Tonnen. Diese Entwicklung sollte man jedoch im Kontext der Entwicklungen im 1.Quartal sehen, als in Chinas strengere Mobilitätseinschränkungen galten. In diesem Zeitraum hat China viel Rohaluminium und Legierungen importiert. Allerdings hat man auch mit über 1 Mio. Tonnen Alumina fast 550% mehr als im Vorjahr importiert. Bei Bauxiten wurden in den ersten vier Monaten mit 38,3 Mio. Tonnen soviel wie nie zuvor bzw. 7,8% mehr als im Vorjahr eingeführt. Die hohe Verfügbarkeit der Produktionsrohstoffe und die auskömmlichen Profitmargen der Aluminiumschmelzen – nach Einschätzung von SMM haben sich diese per Ende Mai auf 990 CNY bzw. ca.140 USD pro Tonne erhöht – dürften die chinesische Aluminiumproduktion und -exporte stark steigen lassen. Diese führen u.E. bereits zur spiegelbildlichen Entwicklung der LME-Lagerbestände im Vergleich zu denen in China. Sie sind vom Tief bei rund 970 Tsd. Tonnen Mitte März mittlerweile auf ein Vierjahreshoch bei über 1,5 Mio. Tonnen gestiegen. Die chinesischen Aluminiumexporte dürften demnach womöglich einen neuen Rekord bei über 550 Tsd. Tonnen erreichen. Wir bleiben zu Aluminiumpreisen daher skeptisch gestimmt.

Frühere Wertentwicklungen, Prognosen und Simulationen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.