Rohstoffe

Ölpreis: Kurswechsel der OPEC+ – zumindest auf dem Papier

Existentielle Krise der europäischen Aluminiumhersteller, OPEC+ macht jüngste Produktionserhöhung wieder rückgängig, Erdgaspreis steigt nach russischem Lieferstopp deutlich, CO2-Preis unter Druck, WPIC erwartet deutlich höheren Angebotsüberschuss bei Platin, Widersprüchliche Nachrichten aus der Stahlindustrie und zu den indonesischen Zinnexporten.

Thema der Woche: Existentielle Krise der europäischen Aluminiumhersteller

Die Nachricht des vorläufigen russischen Gaslieferstopp nach Europa dürfte für europäische Aluminiumhersteller, die aufgrund des energieintensiven Produktionsprozesses besonders heftig unter den explodierenden Preisen leiden, eine regelrechte Hiobsbotschaft gewesen sein.

Energie war schon vor der jüngsten Preisexplosion mit einem Anteil von rund 40% die wichtigste Kostenkomponente bei der Herstellung von Aluminium. Je Tonne Aluminium sind laut der deutschen Rohstoffagentur ca. 15,7 MWh elektrische Energie erforderlich; in fortschrittlicheren Prozessen werden knapp 13,5 MWh benötigt, in den modernsten Verfahren nur noch 11,2 MWh. Zum Vergleich: Der durchschnittliche Jahresverbrauch eines 4-Personenhaushalts in Deutschland beträgt ca. 5 MWh.

In Nordamerika und in Europa ist die Produktion aufgrund der hohen Energiekosten entsprechend rückläufig: in Nordamerika war in den ersten 7 Monaten dieses Jahres ein Minus von 5% zu verzeichnen, in Westeuropa belief sich der Rückgang sogar auf gut 11%. Zum Winter droht sich die Lage insbesondere in Westeuropa zu verschlimmern. Der Generaldirektor des europäischen Aluminiumverbandes (European Aluminium) Paul Voss bezeichnete die aktuelle Lage in Europa gar als “existenzielle Krise” für die Aluminiumhersteller. Erschwerend hinzu kommt, dass sobald die Produktion in Schmelzen gestoppt wird, diese nicht einfach wieder hochgefahren werden kann. Laut dem Geschäftsführer einer großen Schmelzanlage in der Slowakei, die diesen Monat geschlossen wurde, würde es bis zu einem Jahr dauern, die Produktion wieder aufzunehmen. Vor diesem Hintergrund ist zu befürchten, dass ein signifikanter Anteil der Produktionskapazitäten in Europa aufgrund der derzeitigen Energiekrise dauerhaft verloren gehen wird.

Demgegenüber steht jedoch eine seit Jahresanfang deutlich anziehende Produktion in China, dank der das globale Angebot Ende Juli 0,5% über Vorjahr lag (siehe Grafik 1). China hat in den letzten Jahren seine Kapazitäten massiv ausgebaut. Dank der zum Einsatz kommenden neueren Verfahren ist die Energieintensität der Aluminiumherstellung in China vergleichsweise gering (mehr dazu bei der Internationalen Energieagentur). Das hat die Energieintensität weltweit sinken lassen, auch wenn diese in anderen Regionen kaum reduziert werden konnte. Wasserkraft und Kohle sind bei der Erzeugung der elektrischen Energie die wichtigsten Energieträger. Mit dem Zubau von Aluminiumhütten in China hat sich die Bedeutung hin zu Kohle verschoben.

Auf China entfällt inzwischen mehr als die Hälfte des globalen Angebots an Primäraluminium. Das ist momentan vorteilhaft: Nicht nur, dass Chinas Herstellungsverfahren weniger Energie bedürfen, hinzu kommt, dass Strom- bzw. Kohlepreise teils staatlich reguliert sind. Entsprechend war die Produktion auch bis zuletzt gewachsen. Insgesamt lag Chinas Produktion in den ersten sieben Monaten des laufenden Jahres 1% über dem Vorjahr und im Juli auf einem Rekordniveau (auf Tagesbasis knapp darunter).

Dies dürfte ein wesentlicher Grund sein, weshalb die Produktionsprobleme in Westeuropa den Aluminiumpreis zuletzt nicht haben steigen lassen. Im Gegenteil: Zunehmende globale Konjunktursorgen haben den an der LME gehandelten 3-Monats-Kontrakt auf ein neues Jahrestief bei etwa 2.300 USD je Tonne gedrückt.

Der Nachfragerückgang dürfte noch für eine gewisse Zeit deutlich schwerer wiegen als die hohen Energiekosten und die Preise belasten. Deswegen haben wir unsere Preisprognose für Ende 2022 auf 2.200 USD gesenkt. Hohe Energiekosten in Europa fordern nichtsdestotrotz ihren Tribut: Aufgrund der nicht abebbenden Meldungen über Produktionskürzungen in Aluminiumhütten dürften die europäischen Prämien hoch bleiben (Grafik 2). Dennoch dürfte der Weltmarkt bei stotternder Nachfrage ausreichend versorgt sein.

Frühere Wertentwicklungen, Prognosen und Simulationen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.

Energie

  • Die OPEC+ hat sich auf ihrer gestrigen Sitzung gestern darauf verständigt, die Ölproduktion im Oktober um 100 Tsd. Barrel pro Tag zu reduzieren. Die vor einem Monat beschlossene Produktionserhöhung im September im selben Ausmaß wird damit nach nur einem Monat wieder rückgängig gemacht. In der Pressemitteilung wird zudem auf die Möglichkeit verwiesen, falls erforderlich jederzeit ein weiteres Treffen anzuberaumen. Die nächste reguläre Sitzung ist für den 5. Oktober vorgesehen. Die marginale Produktionskürzung macht ebenso wenig einen Unterschied wie die entsprechende Erhöhung vor einem Monat, zumal die Fördermenge des Kartells ohnehin deutlich unter Plan liegt und de facto überhaupt keine Drosselung des Angebots notwendig ist. Dennoch stiegen die Ölpreise gestern um bis zu 4%. Denn seit gestern ist klar, dass die OPEC+ keinen stärkeren Preisrückgang akzeptiert und falls nötig weitere Produktionskürzungen erfolgen dürften. Auch der kräftige Anstieg der Gaspreise dürfte eine Rolle gespielt haben, weil dadurch die Nachfrage nach Diesel zur Stromerzeugung steigen könnte. Zudem erhöhen sich mit den Gaspreisen auch die Verarbeitungskosten der Raffinerien. So stieg der Gasölpreis gestern noch stärker als der Brentölpreis.
  • Die Ankündigung des russischen Gasmonopolisten Gazprom vom Freitag, vorerst kein Gas mehr über die Ostseepipeline Nord Stream 1 fließen zu lassen, hat den europäischen Erdgaspreis gestern um bis zu 35% auf gut 280 EUR je MWh nach oben schnellen lassen. Damit wurden die deutlichen Verluste der Vorwoche zur Hälfte wieder rückgängig gemacht. Der Kreml begründete den Lieferstopp mit den europäischen Sanktionen. Zuvor hatte Gazprom ein Ölleck an einer Kompressor-Turbine dafür verantwortlich gemacht. Wie mit der Angelegenheit vertraute Personen berichten, könnte Deutschland nun sein Ziel verfehlen, die Gasbestände bis Anfang November auf 95% aufzufüllen. Bis zuletzt war es Deutschland allerdings gelungen, die Gasspeicher trotz erheblich reduzierter Gaslieferungen aus Russland weiter aufzufüllen. Aktuell liegt der Füllstand bei 86%, was eigentlich erst für Anfang Oktober vorgesehen war (Mehr zu drohenden Gas-Lücke in Deutschland lesen hier.).
  • Während der deutsche Börsenstrompreis weiterhin am Auf und Ab des Gaspreises hängt und gestern entsprechend mitgestiegen ist, zeigen die Preise im EU-Emissionshandel in den letzten Wochen Eigenleben. Sie sackten auch gestern weiter ab und notieren nun mit 71 EUR je Tonne CO2 28% niedriger als Mitte August. Als preisbelastend werden am Markt zwar auch die nun wieder höheren Auktionsvolumina angeführt. Hauptbelastungsfaktoren sind aber wohl die Sorgen vor den teils energiekosten- und teils konjunktubedingten Produktionsausfällen in der EU. Diese überlagern derzeit den preissteigernden Effekt eines verstärkten Einsatzes der Kohlekraft. Letztere hat laut Daten des ISE Fraunhofer Insituts im August deutlich zugelegt: So wurde im August 13% mehr Strom auf Basis von Braunkohle bzw. sogar 24% mehr Strom auf Basis von Steinkohle erzeugt als im Vorjahr. Auch die Gaskraft legte massiv zu: Ingesamt kletterte (wegen der niedrigen Atomkraft) der Beitrag fossiler Energieträger an der öffentlichen Nettostromerzeugung auf 41,5%, verglichen mit 33% im August 2021.
    Die großen Konjunkturrisiken dürften den CO2-Preis kurzfristig in Schach halten. Die Trilog zur Reform des EU-Emissonshandels soll im Oktober aufgenommen werden. Schon am Freitag könnte aber im Rahmen des Notfall-Treffens der EU-Energiminister auch über den EU-Emissionshandel diskutiert werden.
Produktidee: Faktor-Optionsscheine
WKNTypBasiswertMerkmale
SD2S7ULongOil Brent FutureFaktor: 5
SH310NShortOil Brent FutureFaktor: -5
SD2S7VLongOil WTI Light Crude FutureFaktor: 5
SH3QBCShortOil WTI Light Crude FutureFaktor: -5
SH2SLDLongNatural Gas FutureFaktor: 5
SN5C7HShort Natural Gas FutureFaktor: -5
SH3P8QLongICE EUA FutureFaktor: 5
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Edelmetalle

  • Der World Platinum Investment Council (WPIC) hat seine Prognose für den Angebotsüberschuss am globalen Platinmarkt in diesem Jahr auf 974 Tsd. Unzen erhöht. Damit würde er nur noch gut 100 Tsd. Unzen unter dem rekordhohen Überschuss des Vorjahres liegen. Zuvor erwartete der WPIC für 2022 noch einen Überschuss von 627 Tsd. Unzen. Grund für die Aufwärtsrevision ist eine deutlich schwächere Investmentnachfrage. Diese soll wegen der kräftigen ETF-Abflüsse und rückläufiger Börsenbestände mit minus 565 Tsd. Unzen sogar stark negativ sein. Bislang ging der WPIC von einem wenn auch nur leicht positiven Beitrag der Investmentnachfrage von 104 Tsd. Unzen aus. Der negative Einfluss auf die Gesamtnachfrage summiert sich somit auf knapp 670 Tsd. Unzen, die deswegen 8,6% niedriger ausfallen soll als bislang erwartet. Die Nachfrage aus der Automobilindustrie wurde vom WPIC etwas niedriger eingeschätzt, die Nachfrage aus der übrigen Industrie und nach Schmuck dagegen etwas höher. Das Platinangebot soll ebenfalls 3,4% niedriger ausfallen als bislang erwartet, wofür ein geringeres Recycling in der Automobilindustrie und ein geringeres Minenangebot verantwortlich sind. Beim Recycling machen sich die schwächeren Neuwagenverkäufe aufgrund der anhaltenden Chipknappheit sowie des Ukraine-Krieges dämpfend bemerkbar. Die stärker rückläufige Minenproduktion ist auf Südafrika und Nordamerika zurückzuführen, während die Prognose für Russland etwas nach oben revidiert wurde. Das geringere Platinangebot kann den massiven Rückgang bei der Nachfrage aber bei weitem nicht kompensieren. Der Platinpreis legte gestern dennoch um 1,5% auf 850 USD je Feinunze zu, nachdem er letzte Woche auf ein 2-Jahrestief von rund 820 USD je Feinunze gefallen war.
Produktidee: Faktor-Optionsscheine
WKNTypBasiswertMerkmale
SH2G37LongPlatinum FutureFaktor: 5
SH2G4XShortPlatinum FutureFaktor: -5
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Industriemetalle

  • Auch die Stahlindustrie ächzt unter den hohen Energiekosten. Ein internationaler Stahlkonzern teilte am Freitag mit, dass er einen von zwei Hochöfen in seinem Stahlwerk in Bremen bis auf Weiteres abstellen werde. Neben den hohen Gaskosten sei auch eine schwache Nachfrage sowie der negative Wirtschaftsausblick Grund für den Beschluss. Gleichzeitig scheint die Stahlnachfrage in China mit Beginn der Bausaison anzuziehen. Der China Iron & Steel Association zufolge sollen die Lagerbestände in chinesischen Hütten um 8% im August auf den niedrigsten Stand seit Januar (15,3 Millionen Tonnen) gefallen sein. Die Produktion ist im gleichen Zeitraum um 4,6% gestiegen. Nichtsdestoweniger warnte einer der größten Stahlproduzenten Chinas, dessen Netto-Erträge im ersten Halbjahr um 70% eingebrochen sind, erst kürzlich, dass er erwarte, dass die Lage weiterhin schwierig bleiben werde. Dies ist im Wesentlichen auf die Probleme im Immobiliensektor Chinas zurückzuführen, die die Nachfrage weiterhin drücken dürften.
  • Einer der weltweit größten Zinn-Produzenten aus Indonesien warnte, dass seine Produktion in diesem Jahr fast 40% geringer ausfallen werde als geplant (21,4 Tsd. anstatt 34,5 Tsd. Tonnen). Dies wäre nochmals 19% weniger als im Vorjahr. Nichtsdestoweniger erwartet der Präsident des Konzerns, dass die Exporte des weltweit zweitgrößten Produzenten-Landes stabil bei etwa 80 Tsd. bleiben werden, so dass die Angebotslage am Weltmarkt nicht beeinträchtigt sein dürfte. Dementsprechend dürften auch hier Nachfragesorgen weiterhin dominieren und den Zinnpreis belasten.

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