Rohstoffe

Ölmarkt spannt sich an

Energie: Der Brentölpreis legte nach einer kurzen Verschnaufpause gestern weiter zu. Am Abend erreichte er nahezu 72 USD je Barrel. Der Ölmarkt ist derzeit angespannt. Die OPEC berichtete einen Rückgang der OPEC-Ölproduktion im März um 534 Tsd. auf 30,02 Mio. Barrel pro Tag. Damit produziert die OPEC aktuell ca. 300 Tsd. Barrel pro Tag weniger Rohöl als vom Markt benötigt. Grund hierfür sind die deutlich über das Ziel hinausgehenden Produktionskürzungen in Saudi-Arabien und ein Einbruch der Ölproduktion in Venezuela wegen der Stromausfälle und der US-Sanktionen. Die IEA bestätigte in ihrem heute veröffentlichten Monatsbericht einen sich anspannenden Ölmarkt. Der US-Markt ist dagegen reichlich versorgt. Die US-Rohöllagerbestände stiegen in der letzten Woche laut US-Energieministerium unerwartet deutlich um 7 Mio. Barrel auf das höchste Niveau seit November 2017. Auch geringere Importe und eine höhere Rohölverarbeitung konnten den kräftigen Lageraufbau nicht verhindern. Denn gleichzeitig blieb die Ölproduktion rekordhoch und die Exporte fielen auf das niedrigste Niveau seit Ende Januar. Dass die Ölpreise davon unbeeindruckt blieben, war auf den noch kräftigeren Rückgang der US-Benzinvorräte um fast 8 Mio. Barrel aufgrund einer starken Nachfrage zurückzuführen. In der Folge stiegen der US-Benzinpreis und der Crackspread zwischen US-Benzin und Rohöl deutlich. Steigende Benzinpreise im Vorfeld der Sommerfahrsaison dürften US-Präsident Trump alles andere als gelegen kommen, weshalb ein neuerlicher Twitter-Kommentar des US-Präsidenten zum Ölpreis nicht mehr lange auf sich warten lassen dürfte.

Produktidee: Faktor-Zertifikate

WKN Typ Basiswert Merkmale
CJ3H9A Long WTI Oil Future Faktor: 8
CJ3H9H Long Brent Oil Future Faktor: 8
CJ3D4S Short WTI Oil Future Faktor: -8
CJ3D5A Short Brent Oil Future Faktor: -8

Edelmetalle: Gold stieg gestern Abend auf 1.310 USD je Feinunze. Rückenwind gaben taubenhafte Kommentare von EZB-Präsident Draghi auf der Pressekonferenz und das ebenfalls als taubenhaft interpretierte Fed-Sitzungsprotokoll. Die EZB beließ die Leitzinsen und den geldpolitischen Ausblick wie erwartet unverändert. Die Leitzinsen sollen demnach bis Ende 2019 nicht angehoben werden. Details zu den Langfristendern sollen erst bei der Sitzung im Juni folgen. Draghi bestätigte außerdem Überlegungen innerhalb der EZB, Maßnahmen zur Linderung der Auswirkungen des negativen Einlagensatzes auf den Finanzsektor in Erwägung zu ziehen. Im Gespräch ist dabei ein gestaffelter Zins auf die Überschussreserven der Banken. Dies wurde von den Marktteilnehmern als Indiz für einen weiteren Aufschub der Zinsnormalisierung verstanden, was den Euro zwischenzeitlich unter Druck setzte. Gold in Euro stieg daraufhin auf gut 1.160 EUR je Feinunze. Das Fed-Sitzungsprotokoll wies auf die großen Unsicherheiten hin. Die Mehrheit der Fed-Mitglieder geht bis zum Jahresende von unveränderten Leitzinsen aus. Die EU und Großbritannien haben sich bei ihrem Sondergipfel auf einen Brexit-Aufschub bis zum 31. Oktober geeinigt. Großbritannien kann die EU auch schon früher verlassen, sollte das ausgehandelte Brexit-Abkommen im britischen Parlament doch noch angenommen werden. Damit ist auch ein ungeordneter Brexit erst einmal vom Tisch. Gold gibt daraufhin am Morgen nach. Auch anhaltende Abflüsse aus den Gold-ETFs sorgen für Gegenwind.

Produktidee: Faktor-Zertifikate

WKN Typ Basiswert Merkmale
CJ7RLP Long Gold-Future Faktor: 4
CJ7RLG Short Gold-Future Faktor: -4

Industriemetalle: China hat aufgrund der starken Wirtschaftsdynamik und der Industrialisierung in den vergangenen 20 Jahren die Industriemetallpreise fast im Alleingang bestimmt. Der LME-Industriemetallindex ist deshalb oft nur ein Zusammenspiel aus dem chinesischen Aktienmarkt, der die Hoffnung auf Binnenwachstum widerspiegelt, und der chinesischen Währung, die die Exportstärke symbolisiert (Grafik des Tages). Doch die aktuelle offensichtliche Fixierung des Metallmarktes auf die Exportseite und den Wechselkurs halten wir für falsch. Tatsächlich reagieren die Metallpreise in den letzten Monaten fast nur auf Meldungen zum Handelskonflikt zwischen den USA und China. Die Entwicklungen am chinesischen Aktienmarkt, der seit dem Jahresbeginn gemessen am CSI 300 Index über 30% zugelegt hat, lassen die Metallpreise, die seit Februar auf der Stelle treten, dagegen kalt. Man vergisst dabei wahrscheinlich, dass China und vor allem sein Bausektor die mit Abstand wichtigsten Metallverbraucher sind. Deshalb werden die Stützungsmaßnahmen der chinesischen Regierung mittelfristig auch für einen Nachfrageschub bei Metallen sorgen. Schon jetzt sieht man in China eine Stabilisierung im Bausektor, wobei die großen Bauentwickler für März einen starken Anstieg der Verkaufszahlen nach der Verlangsamung zum Jahreswechsel berichtet haben. In den kommenden Monaten dürften die Wirtschaftsdaten aus China weiter positiv überraschen und so auch die Metallnachfrage. Die Metallpreise haben also das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht.

Produktidee: Faktor-Zertifikate

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