Rohstoffe

Höhere Risikoaversion im Vorfeld neuer US-Importzölle

Energie: Das Erreichen der wichtigen Marke von 80 USD je Barrel bei Brent war diese Woche so gut wie sicher, nachdem der Preis am Dienstag bis auf 79,72 USD gestiegen war. Aber immer wieder stellt man fest, dass es meist anders kommt als man (die Mehrheit) denkt. Deshalb überrascht zwar das Timing des Preisrutsches – gestern fiel der Brentölpreis zeitweise deutlich unter 76 USD –, aber nicht der Rückgang selbst, weil die Erwartungen zuletzt wohl zu optimistisch waren. Die Nachrichtenfront spricht eher gegen einen weiteren Preisrückgang. So sind die US-Rohöllagerbestände in der Vorwoche laut DOE überraschend stark um 4,3 Mio. Barrel auf 401,5 Mio. Barrel bzw. den niedrigsten Stand seit Februar 2015 gefallen. Auch bleibt die Situation in Bezug auf die Iran-Sanktionen spannend. Bezeichnend dafür ist die Lage in Indien. Das Land gehört zu den wichtigsten Abnehmern von iranischem Rohöl und kann ohne diese Lieferungen selbst nicht auskommen. Indien können aber weder die gleichen Konditionen angeboten werden wie sie der Iran bietet – niedriger Preis, längere Zahlungsziele, nahezu kostenloser Transport –, noch die Mengen selbst, trotz anderweitiger Bekundung von US-Außenminister Pompeo gestern in Neu-Delhi, als er US-Lieferungen als Alternative ins Spiel brachte. Denn die USA bleiben trotz steigender Rohölexporte ein Netto-Importeur. Die Äußerungen von Pompeo waren jedoch eindeutig: Man könne zwar Ausnahmen machen, erwarte aber von allen Importeuren einen Verzicht auf iranisches Öl ab November. Wir gehen davon aus, dass sich Neu-Delhi dem Druck aus Washington beugen wird. Und so bleibt die Angebotssituation am Ölmarkt angespannt.

Produktidee: Faktor-Zertifikate

WKN Typ Basiswert Merkmale
CE9J1Y Faktor Long WTI Oil Future Faktor: 8
CE9J22 Faktor Long Brent Oil Future Faktor: 8
CE7XGS Faktor Short WTI Oil Future Faktor: -8
CV55QJ Faktor Short Brent Oil Future Faktor: -8

Edelmetalle: Gold hat gestern seine zwischenzeitlichen Gewinne fast alle wieder abgegeben und handelt zum Wochenausklang bei rund 1.200 USD je Feinunze. Heute dürfte der Fokus der Marktteilnehmer auf dem offiziellen US-Arbeitsmarktbericht liegen. Die gestern veröffentlichten ADP-Arbeitsmarktdaten blieben hinter den Erwartungen zurück. Der August ist aber saisonal ein eher schwacher Monat. Sollten die offiziellen Daten heute Nachmittag dennoch enttäuschen und der US-Dollar daraufhin abwerten, könnte Gold zulegen. Indien hat gemäß vorläufigen Daten des Finanzministeriums im August 92 Tonnen Gold importiert, mehr als doppelt so viel wie im Vorjahr. Thomson Reuters GFMS beziffert die indischen Goldeinfuhren im August sogar auf 100 Tonnen. Laut Einschätzung von GFMS haben die indischen Goldverarbeiter die niedrigen Preise – in Indischen Rupien gerechnet war Gold Mitte August so günstig wie seit Ende letzten Jahres nicht mehr – genutzt und ihre Vorräte aufgestockt. Nach einem verhaltenen ersten Halbjahr hat die indische Goldnachfrage seit Juli wieder spürbar angezogen. Daten von GFMS zufolge lagen die indischen Goldimporte in den ersten acht Monaten des Jahres mit 532 Tonnen aber noch fast 13% unter dem vergleichbaren Vorjahreszeitraum. Neben Indien hat auch die irakische Zentralbank die niedrigen Goldpreise genutzt. Sie meldete vorgestern, dass sie über die französische Zentralbank 6,5 Tonnen Gold gekauft und damit ihre Reserven auf 96 Tonnen aufgestockt hat.

Produktidee: BEST Turbo-Optionsscheine

WKN Typ Basiswert Merkmale
CV4914 Call Gold Hebel: 8,5
CA9GCJ Put Gold Hebel: 8,3

Industriemetalle: Das chinesische Handelsministerium hat schon im Vorfeld neuer möglicher US-Importzölle auf chinesische Güter seine Bereitschaft bekräftigt, auf neue Zölle mit einem Vergeltungsschlag zu reagieren. Zudem ließe sich China nicht unter Druck setzen. Es plädierte für einen gleichberechtigten und redlichen Dialog und Verhandlungen. Diese Aussagen tragen wohl mit dazu bei, dass sich die moderate Erholung von gestern heute Morgen nicht fortsetzt. Im Gegenteil, die meisten Metallpreise geben nach. So auch Nickel, das unter 12.300 USD je Tonne fällt. Auf den Philippinen sind diese Woche neue umweltpolitische Restriktionen in Kraft getreten, die den Bergbau einschränken. Betroffen sind vor allem Nickelminen. Die Maßnahmen wurden aber schon im April angekündigt und die Umsetzung hatte jetzt keine Auswirkungen mehr auf den Nickelpreis. Die Philippinen waren im letzten Jahr der weltweit größte Nickelerzproduzent, haben diese Position mittlerweile aber wieder an Indonesien verloren.
Am Aluminiummarkt ist es derzeit überraschend ruhig, obwohl nach wie vor die Gefahr besteht, dass der größte russische Aluminiumproduzent wegen der US-Sanktionen Ende Oktober vom Markt abgeschnitten wird. Heute Morgen legt der Preis leicht zu, nachdem die Arbeiter in Alumina-Raffinerien und Bauxit-Minen in Australien für eine Verlängerung des Streiks gestimmt haben. Der Streik dauert schon seit über vier Wochen und hat die Alumina-Preise steigen lassen, was wiederum die Produktionskosten von Aluminium erhöht.

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