Währung

Nebenschauplätze unterschwellige Belastungsfaktoren für den Euro

USD: Da war doch noch was! Neben der Frage, um wie viele Basispunkte die Fed nächste Woche die Zinsen senkt, gerät ganz in den Hintergrund, dass das Thema Schuldenobergrenze und Haushalt im Kongress gerade wieder heftig umstritten ist. Seit Anfang März bedient sich das US Finanzministerium sogenannter außerordentlicher Maßnahmen, um den Schuldendienst zu bedienen. Zum einen muss die Schuldengrenze angehoben werden, zum anderen der Haushalt für das neue Haushaltsjahr verabschiedet werden. Laut Finanzminister Steven Mnuchin ist schon fast alles in trockenen Tüchern, doch die Sprecherin des Repräsentantenhauses Nancy Pelosi hatte letzte Woche angedeutet, einer kurzfristigen Anhebung der Grenze nicht zustimmen zu wollen. Die Zeit drängt, denn am Freitag macht sich der Kongress bis zum 8. September auf in den Sommerurlaub, bis dahin muss Pelosi eine mögliche Einigung im Repräsentantenhaus durchbringen (der Senat tagt noch eine Woche länger). Denn Anfang September könnte das Geld für den Schuldendienst schon knapp werden. Vermutlich wird es diese Woche mindestens auf eine temporäre Anhebung der Schuldenobergrenze hinauslaufen, um Finanzierungsprobleme Anfang September zu vermeiden, wahrscheinlich aber sogar auf eine umfassende Einigung, auch schon für die Haushaltsjahr 2020/2021. Deutet sich im Wochenverlauf überraschender Weise keine Einigung an, könnte der Dollar unter Druck kommen. Ansonsten bleiben die Tage bis Ende Juli ganz unter dem Stern der Fed-Sitzung am Mittwoch kommender Woche.

EUR: Im Fokus steht diese Woche natürlich die EZB-Sitzung. Aber es gibt auch Nebenschauplätze, die den Euro belasten können. Nicht nur in Italien drohen Neuwahlen, sollte die Koalitionsregierung auseinanderbrechen, auch Spanien kann wieder in die Schlagzeilen geraten. Heute wird Pedro Sanchez sein neues Regierungsprogramm vorstellen. Morgen, also mehr als 2 ½ Monate nach der Parlamentswahl Ende April, möchte er sich im Parlament erneut zum Regierungschef wählen lassen. Eine Wiederwahl ist aber alles andere als sicher. Denn selbst mit der (derzeit noch nicht sicheren) Unterstützung der linksgerichteten Podemos-Partei fehlt ihm die absolute Mehrheit zur Wiederwahl und am Ende könnten Neuwahlen in Spanien drohen. Selbst wenn diese politischen Ereignisse keine sehr heftigen Ausschläge im Euro provozieren dürften, so sind sie doch, da sie potentielle Unruheherde darstellen, ein unterschwelliger Belastungsfaktor für den Euro, die ihm das Leben etwas schwerer machen, als es sowieso schon im Vorfeld der EZB-Sitzung ist.

Produktidee: Faktor-Zertifikate
WKN Typ Basiswert Merkmale
CU2XLS Long EUR/USD Faktor: 10
CD910E Short EUR/USD Faktor: -10

GBP: Gibt es dies Jahr an Halloween eine Horror Show? Ganz auszuschließen ist das nicht. Spätestens morgen sollte bekannt sein, wen die Tory-Mitglieder sich als neuen Premierminister wünschen. Bis Sonntag konnten sie ihre Stimme abgeben. Aller Voraussicht nach hat Boris Johnson („BoJo“) das Rennen gemacht. Er hat sich in den letzten Wochen hart gegenüber der EU gezeigt und schließt einen No-Deal Brexit am 31. Oktober nicht aus. Er behauptet nach wie vor, dass Großbritannien in der Lage sein wird, den zollfreien Handel mit der EU gemäß Artikel 24 des Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommens der WTO aufrechtzuerhalten. Außerdem hat er den Backstop, die Lösung der EU für die innerirische Grenze, als „tot“ bezeichnet. Das Parlament hat sich hingegen mehrfach gegen einen No-Deal Brexit ausgesprochen und stellt sich damit gegen BoJo. In der Partei und der Regierung gibt es ebenfalls Sorgen vor einem ungeordneten Austritt am 31. Oktober. Finanzminister Philip Hammond und Justizminister David Gauke drohen mit ihrem Rücktritt, sollte BoJo neuer Premier werden, weitere Minister könnten folgen. Die Sorge wächst, BoJo könne im Oktober das Parlament suspendieren, um über das Parlament hinweg einen No-Deal Brexit durchzuziehen. Die EU beharrt ihrerseits auf dem verhandelten Austrittsabkommen und zeigt nur in einigen wenigen Punkten Bereitschaft, Zugeständnisse zu machen, beispielsweise bei der politischen Erklärung über die zukünftigen Beziehungen oder einer erneuten Verschiebung des Austrittsdatums. Chefunterhändler Michel Barnier machte letzte Woche gleichzeitig noch einmal deutlich, dass Großbritannien die Konsequenzen eines No-Deal Brexit tragen müsse und die EU Mitgliedsländer „nie beeindruckt“ gewesen seien, wenn Großbritannien mit einem harten Brexit drohte.

Fazit: Seit dem 7. Juni war Pause, jetzt geht’s wieder los mit den Brexit-Schlagzeilen. Regierung und Parlament sind weiterhin tief gespalten, dem neuen Premier fehlt ebenso wie Theresa May eine Mehrheit, um seine Ideen durchzusetzen (welche das im Endeffekt auch sein mögen), und die alten Probleme bleiben weiterhin ungelöst. Das Risiko eines harten Brexit, der Horrow Show zu Halloween, könnte nach wie vor Realität werden. Der Markt hat das Pfund seit Anfang Mai schon deutlich abgestraft, aber das könnte möglicherweise noch nicht reichen, wenn BoJo eine harte Linie gegenüber der EU fährt. Es bleibt also ungemütlich für das Pfund.

Produktidee: Faktor-Zertifikate
WKN Typ Basiswert Merkmale
CU2XL6 Long EUR/GBP Faktor: 10
CV0V4A Short EUR/GBP Faktor: -10

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