Rohstoffe

Nächste Runde im Handelsstreit

Energie: Das Auf und Ab der letzten Tage bei den Ölpreisen setzt sich fort. Brent handelt wieder oberhalb von 70 USD je Barrel, obwohl die US-Importzölle auf chinesische Güter am morgen spürbar erhöht wurden (siehe Industriemetalle auf Seite 2). Marktteilnehmer handeln offensichtlich nach dem abgewandelten Motto „sell the rumor, buy the fact“. Fundamentale Unterstützung erhalten die Preise durch das sich verknappende Angebot. Darauf deutet auch die ausgeprägte Backwardation in der Brent-Terminkurve hin. So kostet der nächstfällige Terminkontrakt (Fälligkeit Juli) fast einen USD mehr als der Terminkontrakt mit Fälligkeit August. Das Ölangebot aus Venezuela und dem Iran ist aufgrund der US-Sanktionen rückläufig. Zudem gibt es weiterhin Qualitätsprobleme mit Rohöl aus Russland. Das am Exporthafen Ust-Luga ankommende Öl weist noch immer eine zu hohe Verunreinigung auf, um von den europäischen Raffinerien verarbeitet werden zu können. Saudi-Arabien will dennoch die Ölproduktion zunächst nicht anheben. Ein gewisser Spielraum bestünde eigentlich, da man derzeit ca. 500 Tsd. Barrel pro Tag weniger fördert als laut Kürzungsabkommen erlaubt wäre. Dass Saudi-Arabien diesen Spielraum nicht ausschöpft, dürfte mit den negativen Erfahrungen aus dem Vorjahr zusammenhängen. Damals erhöhte man die Produktion in der Erwartung eines Angebotsengpasses im Herbst kräftig. In der Folge war der Ölmarkt deutlich überversorgt und der Ölpreis brach daraufhin kräftig ein. Nun will man zunächst abwarten, ob tatsächlich die Notwendigkeit für eine Produktionsanhebung besteht. Das aktuelle Preisniveau von rund 70 USD dürfte Saudi-Arabien ebenfalls kaum dazu veranlassen, seine abwartende Haltung zu überdenken.

Produktidee: Faktor-Zertifikate
WKN Typ Basiswert Merkmale
CJ3H9A Long WTI Oil Future Faktor: 8
CJ3H9H Long Brent Oil Future Faktor: 8
CJ3D4S Short WTI Oil Future Faktor: -8
CJ3D5A Short Brent Oil Future Faktor: -8

Edelmetalle: Gold profitiert kaum von der Zuspitzung des Handelsstreits und legt nur leicht zu. Gestern Nachmittag erhielt Gold immerhin von einem schwächeren US-Dollar und fallenden Aktienmärkten etwas Unterstützung. Die Finanzinvestoren warten aber noch ab und halten sich mit Goldkäufen zurück.
Palladium ist gestern erstmals seit Anfang Januar wieder unter die Marke von 1.300 USD je Feinunze gefallen und zeitweise bis unter 1.270 USD durchgerutscht. Der lange und unseres Erachtens übertriebene Preisanstieg zuvor wird somit weiter korrigiert. Technisch bedingte Verkäufe könnten den Preis noch weiter nach unten treiben, da sich das charttechnische Bild weiter eingetrübt hat. Auch aus fundamentaler Sicht gibt es zumindest kurzfristig schlechte Nachrichten. Laut Angaben eines chinesischen Nachrichtendienstes, der sich auf Daten der Passenger Car Association bezieht, sind die Autoabsätze in China im April im Vergleich zum Vorjahr um 18% eingebrochen. Damit hat sich der Rückgang wieder deutlich beschleunigt. Die Autoabsätze sind mittlerweile seit Juli jeden Monat gefallen (im Vorjahresvergleich). Dies dämpft die Nachfrage nach Palladium im weltweit größten Automarkt, in dem Benziner vorherrschend sind. Durch den Preisrutsch war Palladium erstmals seit Jahresbeginn vorübergehend wieder günstiger als Gold. Auch die Preisdifferenz zu Platin ist geschmolzen. Sie beträgt jetzt noch rund 450 USD je Feinunze.

Produktidee: Faktor-Zertifikate
WKN Typ Basiswert Merkmale
CJ7RLP Long Gold-Future Faktor: 4
CJ7RLG Short Gold-Future Faktor: -4
CU0E6Y Long Palladium-Future Faktor: 5
CJ7RMH Short Palladium-Future Faktor: -5

Industriemetalle: Wie angedroht haben die USA in der Nacht die Importzölle auf chinesische Güter im Umfang von 200 Mrd. USD von 10% auf 25% angehoben. Die höheren Zölle gelten ab sofort. China hat Vergeltungsmaßnahmen angekündigt. Der Handelsstreit zwischen den USA und China wird wohl in die nächste Runde gehen. Ein erfolgreiches Handelsabkommen ist damit zumindest kurzfristig höchst unwahrscheinlich geworden, auch wenn die Gespräche heute fortgeführt werden. Es ist aber unklar, wie es danach weitergeht. Die damit verbundene Unsicherheit dürfte weiter auf den Metallpreisen lasten. Eine nachhaltige Erholung der Preise ist unseres Erachtens unwahrscheinlicher geworden.
Der globale Zinkmarkt wird laut Einschätzung der International Lead and Zinc Study Group (ILZSG) in diesem Jahr ein Angebotsdefizit von 121 Tsd. Tonnen aufweisen. Dieses ist niedriger als im letzten Jahr, aber höher als bislang unterstellt. Ausgehend von einer deutlich steigenden Minenproduktion soll auch die Raffinadeproduktion zulegen (+3,6%), während die Nachfrage nur leicht anzieht (+0,6%). Der globale Bleimarkt soll laut ILZSG erstmals seit drei Jahren wieder im Überschuss sein. Mit 71 Tsd. Tonnen ist dieser größer als zunächst angenommen. Die Daten sprechen für einen mittelfristig gut unterstützten Zinkpreis, während der Bleipreis nicht nachhaltig zulegen sollte. Sie werden derzeit allerdings vom Handelsstreit überschattet.

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