Währung

Johnsons Brexit-Bluff ist aufgeflogen

EZB-Äußerungen

Gestern gab’s für unseren EZB-Watcher eine Menge Arbeit. Denn einige wichtige EZB-Offizielle äußerten sich. Dabei war etliches genau so, wie man’s erwarten musste: Bundesbank-Chef Jens Weidmann drängt auf eine Rückkehr zum Kapitalschlüssel, EZB-Chefin Lagarde will mit den EZB-Anleihekäufen den Klimawandel stoppen und die Ultra-Tauben Philip Lane (EZB-Chefvolkswirt) und Olli Rehn (Gouverneur der finnischen Notenbank) sorgen sich um die zu niedrige Inflation. Alles wie üblich. Man könnte viel dazu sagen. Z.B. zu Madame Lagarde, dass Zentralbanken deshalb unabhängig sind, weil diejenigen, die Geld drucken, damit eben nicht Politik betreiben sollten. So wichtig die politischen Anliegen auch sein mögen. Sonst funktioniert ungedecktes Geld nicht. All diese Diskussionen überlasse ich lieber anderen. Weil diese TagesInfo den Devisenmarkt zum Thema hat.

Diesbezüglich war der EZB-Rats-Senior Yves Mersch relevant, der erneut betonte, dass weitere Zinssenkungen möglich wären. Der Geldmarkt glaubt ihm und seien Kollegen, die ähnlich reden. Seit einiger Zeit ist ein weiterer EZB-Zinschritt (um 10 Basispunkte) mit einiger Wahrscheinlichkeit eingepreist. Für den Devisenmarkt sind diese Äußerungen relevant, weil eine Zinsenkung weitaus EUR-schädlicher wäre als weitere QE-Maßnahmen. Nun sind 10 Basispunkte Carry-Differenz bei weitem nicht FX-relevant. Aber eine Zinssenkung würde halt die Diskussion auslösen, wo denn die effektive Zinsuntergrenze der EZB liegt.

Andererseits: Mersch ist ja nur einer von vielen im Chor der EZB-Offiziellen, die ähnliches sagen. Der Überraschungs-Gehalt seiner Äußerung war deshalb nahe null. Und: Dass der EZB-Rat die weiße Fahne hisst und zugibt, dass er zinspolitisch am Ende der Fahnenstange angelangt ist, gehört nicht gerade zur Stellenbeschreibung der Damen und Herren – selbst wenn sie es in Wahrheit so sehen. Eine EZB-Zinssenkung ist eher Drohpotenzial als wahrscheinliches Szenario. Diese Drohung kann EUR-Stärke vielleicht begrenzen, sicherlich abbremsen, wird aber richtigerweise vom Devisenmarkt nicht mit EUR-Schwäche quittiert.

Ist es nicht bezeichnend, dass die interessanteste Äußerung, die unser EZB-Watcher gestern zu kommentieren hatte, gar nicht von einem Ratsmitglied kam, sondern von EZB-Pensionär Vitor Constancio? Jetzt, wo er nicht mehr die EZB vertritt, kann er freimütig zugeben, dass die Geldpolitik (und nicht nur die Zinspolitik!) “durch” ist: dass es nichts wird mit dem Pushen der Inflation (wenigstens nicht so schnell und zielgenau, wie die EZB das beabsichtigt) und dass für die Abfederung der konjunkturellen Folgen der Corona-“Rezession” die Finanzminister die richtigen Instrumente haben, nicht die EZB. Und dass diese die Finger vom EUR-USD-Kurs lassen sollte. Sieh mal an, da gab’s einen heimlichen Oppositionellen in der EZB. Schade nur, dass Constancios Coming Out erst jetzt erfolgt.

Wie dem auch sei, die EZB hält die Zinssenkungs-Drohung aufrecht. Das heißt, dass erneute Angriffe auf die 1,20 warten müssen. Nicht für immer (die Zeit heilt alle EZB-Bedenken), aber doch vorerst. Und da das jedem Devisenhändler klar ist, hat EUR-USD es schon über 1,18 sehr schwer. Im mittleren 1,17er-Bereich ist EUR-USD daher momentan gut aufgehoben.

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Johnsons Bluff ist aufgeflogen

Wer Ultimaten setzt, fühlt sich erstmal stark und toll. Und wird von denen bejubelt, die einen eh für den tollsten Hecht halten. Problem dabei ist: Man setzt sich selbst unter Zugzwang. Lässt man selbstgesetzte Ultimaten verstreichen, steht man ziemlich schwach und belämmert da. So wie der britische Premierminister Boris Johnson. Der musste sein auf den heutigen Tag festgesetztes Ultimatum zum Abbruch der Brexit-Verhandlungen verschieben. Kein Wunder. Es war von Anfang an zu leicht als Bluff zu erkennen gewesen. Weil Großbritannien so wenig auf einen harten Brexit vorbereitet ist, wie es das vor Jahresfrist war.

Klar, eine Restunsicherheit existierte. Die wurde gestern ausgepreist, d.h. das Pfund konnte zulegen. Johnsons neuerliches Ultimatum (“nach dem EU-Gipfel”, d.h. morgen, spätestens übermorgen) ist so wenig ernst zu nehmen, dass ich es kaum erwähnen mag. Die Europäer haben das längst verstanden. So gibt es unter den Regierungschefs viele, die weiter die harte Tour spielen wollen. Hierin liegt die neue Rest-Unsicherheit: dass Europa heute versucht sein könnte, seine günstige Verhandlungsposition allzusehr auszunutzen. Und dass deshalb die Briten keine gesichtswahrende Alternative mehr sehen als den Verhandlungsabbruch. Das wäre aber ein Unfall, ist sicher nicht der Plan Europas. Und kann deshalb nicht zentrales Szeario sein.

Wie kann es also weiter gehen? Eine ewige “Verschieberitis” scheint mir ein plausibles Szenario zu sein. Die britische Seite kann den Brexit nicht aufgeben. “Get Brexit done” ist schließlich der Markenkern der Tories. Aber sie kann ihn auch nicht durchziehen. Weil es einfach nicht geht, d.h. weil Brexit eine Schnapsidee war. Bleibt also nur eine Fortsetzung dessen, was wir seit vier Jahren sehen: Brexit als unlösbares Dauerthema. In diesem Szenario bleibt das Pfund in dem Schwebezustand gefangen, der in EUR-GBP-Einheiten etwa den Bereich 0,85 bis 0,95 markiert. In Krisenphasen mehr im oberen, in ruhigen Zeiten mehr im unteren Bereich dieser Range.

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Niedrigere Lebensmittelpreise lassen Inflation in China sinken

Die neuesten VPI-Zahlen für September schwächten sich auf 1,7% (ggü. Vorjahr) ab – nach 2,4% im August bzw. 3,5% und den ersten acht Monaten des Jahres. Angeführt wurde die Abschwächung von niedrigeren Lebensmittelpreisen, die nach zweistelligen Zuwachsraten seit Jahresbeginn wieder um weniger als 8% zulegten. Hauptgrund waren gesunkene Preise für Schweinefleisch. Die Kernteuerung, bei der Nahrungsmittel und Energie ausgeklammert sind, blieb bei nur 0,5% ggü. Vorjahr moderat und spiegelt den begrenzten unterliegenden Preisdruck in der Wirtschaft deutlicher wider. Indessen blieb der Produzentenpreisindex bei -2,1% ggü. Vorjahr im Deflationsterritorium. Es scheint, als lassen die Behörden bei der geldpolitischen Unterstützung für die Wirtschaft nicht nach. Das zeigte sich an den neuesten Kreditdaten für September, die mit 3,48 Bio. CNY robust blieben. Verglichen mit dem Vorjahreszeitraum entspricht dies einem Zuwachs von 13,5% in den ersten neun Monaten dieses Jahres. Nächstes Highlight ist der am Montag anstehende BIP-Bericht zum 3. Quartal. Hier erwartet der Konsens einen kontinuierlichen Anstieg des Wachstums auf 5,5% (ggü. Vorjahr) – nach einem Plus von 3,2% in Q2. Indes legte der CNY gestern gegenüber dem USD zu und bleibt gut abgestützt. Seit Ende der „Goldenen Woche“ hat sich die Auffassung durchgesetzt, dass ein Sieg Bidens für den CNY insofern positiv ist, als er eine Normalisierung der Beziehungen zwischen den USA und China unterstützen könnte. Es scheint, dass der Devisenmarkt darauf spekuliert, dass die Außenpolitik einer Biden-Administration versöhnlicher und beständiger sein wird. Der Ausgang der Wahlen ist aber noch nicht in trockenen Tüchern. Wir können derzeit nur abwarten, obwohl es gerade so aussieht, als ob die CNY-Bullen die Oberhand gewinnen.

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