Rohstoffe

Hohe Risikoaversion bringt zyklische Rohstoffe unter Druck

Energie: Die Ölpreise gerieten im Umfeld stark fallender Aktienmärkte seit gestern ebenfalls unter Druck. Am Morgen rutschte der Preis für Brent zeitweise unter 82 USD je Barrel. Im Vergleich zu gestern früh verbilligte sich Brent damit um 3 USD. Zusätzlich verstärkt wurde der Preisrückgang durch einen unerwartet kräftigen Anstieg der US-Rohöllagerbestände um knapp 10 Mio. Barrel, den das API gestern nach Handelsschluss für die letzte Woche berichtete. Zuvor hatte die US-Energiebehörde mit einer deutlichen Aufwärtsrevision ihrer Prognose für die US-Ölproduktion für Gegenwind gesorgt. Dabei wurde insbesondere die Schätzung für das dritte Quartal 2018 deutlich nach oben genommen. Letztlich bestätigte die EIA damit ihre wöchentlichen Produktionsschätzungen, die schon seit Mitte Juli um die Marke von 11 Mio. Barrel pro Tag schwanken. Durch das höhere Ausgangsniveau verschob sich auch das Prognoseprofil nach oben. Die Marke von 12 Mio. Barrel pro Tag soll Ende 2019 überschritten werden. Damit hatte die EIA bereits in ihren Monatsberichten bis einschließlich August gerechnet, bevor sie im September eine Abwärtsrevision vornahm, die sie nun wieder korrigierte. Wirbelsturm Michael hat gestern die Golfküste in Florida getroffen. Wegen Michael waren vorübergehend fast 720 Tsd. Barrel an täglichen Produktionskapazitäten lahmgelegt, was gut 40% der US-Ölproduktion im Golf von Mexiko bzw. 6,5% der gesamten US-Ölproduktion entspricht. Auch der einzige US-Verladehafen für Supertanker war zwischenzeitlich geschlossen. Dies dürfte in den Lagerdaten für diese Woche zu erheblichen Verzerrungen führen.

Produktidee: Faktor-Zertifikate

WKN Typ Basiswert Merkmale
CE9J1Y Faktor Long WTI Oil Future Faktor: 8
CE9J22 Faktor Long Brent Oil Future Faktor: 8
CE7XGS Faktor Short WTI Oil Future Faktor: -8
CV55QJ Faktor Short Brent Oil Future Faktor: -8

Edelmetalle: An den Aktienmärkten gab es gestern einen Ausverkauf, der auf eine deutlich höhere Risikoaversion der Marktteilnehmer hindeutet und im Zuge dessen heute Morgen die zyklischen Rohstoffe wie Energieträger und Industriemetalle unter Druck stehen. Während US-Präsident Trump per Twitter die US-Notenbank Fed und deren Zinspolitik für den Abverkauf verantwortlich gemacht hat, sehen wir den Grund für die fallenden Aktienmärkte eher in den stark gestiegenen Anleiherenditen. Daneben machen sich jetzt offenbar doch auch Sorgen breit, dass sich der Handelsstreit zwischen den USA und China negativ auf die Realwirtschaft auswirkt. Paradoxerweise hat Gold erneut nicht positiv auf die höhere Risikoaversion reagiert. Es handelt heute Morgen nahezu unverändert bei nur gut 1.190 USD je Feinunze. Es scheint fast so, als sei Gold taub für derartige Nachrichten. Ganz in Vergessenheit geraten ist es allerdings dann doch nicht, denn die von Bloomberg erfassten Gold-ETFs verzeichneten gestern einen Zufluss von rund acht Tonnen. Dieser ist auf den SPDR Gold Trust in den USA zurückzuführen und war der erste Tageszufluss in diesen ETF seit Juli. Silber und Platin werden durch die schwachen Industriemetallpreise belastet. Palladium hält dem Druck stand und notiert bei rund 1.070 USD je Feinunze. Dabei spielt es anscheinend keine Rolle, dass sich die ETF-Abflüsse hier mit unverminderter Dynamik fortsetzen. Seit Monatsbeginn gibt es Abflüsse von 65 Tsd. Unzen, seit Jahresbeginn sogar von über 430 Tsd. Unzen. Dies entspricht der globalen Minenproduktion von gut drei Wochen. Dieses zusätzliche Angebot scheint vom Markt aber gut absorbiert zu werden.

Produktidee: BEST Turbo-Optionsscheine

WKN Typ Basiswert Merkmale
CE1Z6U Call Gold Hebel: 8,6
CA9GDG Put Gold Hebel: 10,5

Industriemetalle: Während der noch laufenden LME Week, dem jährlichen Treffen der Metallindustrie in London, haben sich zwei Themen herauskristallisiert, die besonders intensiv diskutiert werden. Das erste ist die Elektromobilität und deren Auswirkungen auf die Nachfrage nach verschiedenen Metallen. Wir hatten bereits im Juli ein Rohstoffe kompakt dazu veröffentlicht. Neben den „kleinen“ Metallen Kobalt und Lithium sehen wir die größten Auswirkungen bei Nickel. Für Nickel könnten Elektroautos sogar ein „game-changer“ sein, da diese zum Ende des nächsten Jahrzehnts hin mit einem Anteil von über 50% die größte Nachfragekomponente stellen dürften. Industriekreisen zufolge könnte allerdings die LME Abstand von ihrem Plan nehmen, einen zweiten Nickel-Kontrakt, der auf die Batterieindustrie zugeschnitten ist, einzuführen. Offenbar bestehen hier Sorgen, dass der eine Kontrakt dem anderen die Liquidität entzieht. Das zweite Thema ist der russische Aluminiumproduzent Rusal, der US-Sanktionen unterliegt. Unter den Marktteilnehmern ist die Unsicherheit groß, wie es nach dem 12. November weitergeht. Dann endet die Frist, bis zu der die Geschäfte mit Rusal abgewickelt werden müssen. Wir halten es nach wie vor für wahrscheinlich, dass bis dahin eine Lösung gefunden wird. US-Finanzminister Mnuchin betonte am Rande einer IWF-Konferenz in Bali erneut, dass sich die Sanktionen gegen den Oligarchen Deripaska und nicht gegen Rusal richten. Sollten die Sanktionen aufgehoben werden, erwarten wir weiter fallende Aluminiumpreise.

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