Währung

Heftige USD-Reaktion auf Arbeitsmarktdaten

USD: So ein bisschen fühlt man sich in alte Zeiten vor Finanzkrise und Nullzinspolitik versetzt, wenn der Devisenmarkt heftig auf Arbeitsmarktzahlen reagiert, wie gestern auf den ADP-Bericht für Mai. Ein enttäuschendes Ergebnis von nur 27 Tsd. neuen Stellen gegenüber Erwartungen von 185 Tsd. ist natürlich auch ein Hammer. Vor allem, wenn sich kurz zuvor Schwergewichte der Fed wie Chairman Powell, Vize Clarida oder Boardmitglied Brainard allesamt vorsichtiger anhören und sich – wenn auch durch die Blume – Zinssenkungen offen gegenüber zeigen. Vergessen wir nicht, dass schon übernächste Woche die FOMC-Sitzung ist und bald die Redesperrfrist einsetzt, so dass die Äußerungen der Boardmitglieder auf der Konferenz in Chicago diese Woche wohl die letzte (halb-offizielle) Möglichkeit waren, dem Markt Signale in Richtung „die neuen Dot Plots dürften erheblich niedriger ausfallen, denn die Zinsen könnten früher als gedacht gesenkt werden“ zu senden. Da fällt eine derart enttäuschende ADP-Zahl natürlich auf besonders fruchtbaren Boden. Der Startschuss für Dollarschwäche, die trotz der beträchtlichen Zinssenkungserwartungen bislang ausblieb, scheint gegeben. Wer nun aber glaubt, der US-Arbeitsmarkt geht in die Grütze, könnte über das Ziel hinausschießen. Vermutlich haben Sondereffekte wie das Wetter für den schwachen ADP-Bericht gesorgt. Denn die Beschäftigungskomponente im ISM-Index für Dienstleistungen im Mai stieg gleichzeitig auf 58,1 Punkte, den höchsten Stand seit Oktober letzten Jahres. Insofern muss der Mai-Arbeitsmarktbericht morgen nicht zwangsläufig schlecht ausfallen. Zumal der ADP-Bericht zwar gerne als Proxy für diesen genommen wird, aber kein verlässlicher Indikator ist.

Aber es braucht auch gar keinen schlechten Arbeitsmarktbericht, um den Dollar unter Druck zu setzen. Denn selbst die Vollbeschäftigung und die historisch niedrige Arbeitslosenquote führen nicht zu Preisdruck in den USA. Der PCE Index (Preisindex für private Konsumausgaben), das von der Fed präferierte Maß für die Inflation, klebt seit Jahresanfang im Bereich von 1,3-1,5% und liegt damit deutlich unter dem Inflationsziel von 2% (Abb. 1). Die Kernrate des PCE Index sieht nur wenig besser aus. Die Inflationsentwicklung allein wäre schon ein Grund für erhöhte Wachsamkeit bei der Fed. In Kombination mit dem Handelskonflikt und fallenden US-Aktienmärkten ist sie aber natürlich ein umso durchschlagenderes Argument für Zinssenkungen und damit Dollarschwäche. Das heißt im Umkehrschluss: Selbst wenn ein ordentlicher Arbeitsmarktbericht dem Dollar morgen möglicherweise zum Wochenende eine Verschnaufpause gönnt, so sieht es im Moment nicht so wirklich wahnsinnig rosig für ihn aus.

EUR: Wenn da nicht Italien wäre. Wegen der hohen Staatsverschuldung (über 130%, laut Kriterien sind 60% erlaubt) hat die EU-Kommission die Einleitung eines Defizitverfahrens gegen Italien empfohlen. Jetzt muss erst ein Expertenausschuss diese Empfehlung überprüfen. Kommt dieser zum gleichen Schluss, müssen die EU-Finanzminister über die Einleitung eines Defizitverfahrens abstimmen. Am Ende können der Regierung Italiens milliardenschwere Strafen drohen. Wie wir wissen, mahlen die Mühlen der EU-Kommission langsam. Insofern besteht keine akute Besorgnis. Aber die Tatsache, dass die EU Kommission mit Italien allmählich die Geduld verliert, ist ein Weckruf, dass die „großen“ Probleme, also die strukturellen wie Haushaltsdefizit, in einigen Ländern der Eurozone in den Jahren nach der Krise eben nicht gelöst wurden. Die expansive Geldpolitik hat mittels niedriger Renditen (Abb. 2) die Probleme überdeckt und bei den Regierungen teils zu Reformträgheit geführt. Unterschwellig drohen deshalb weiterhin Risiken in der Eurozone. Regierungen wie die Italiens können angesichts ihrer hohen Verschuldung und Spendierfreudigkeit eigentlich nur darauf bauen, dass die Geldpolitik noch lange derart expansiv bleibt, um einen Kollaps der Staatsfinanzen zu verhindern. Die Chancen dafür stehen aber gut, schließlich ist das Ende der geldpolitischen Normalisierung wohl erreicht und geht die Tendenz bei den großen Zentralbanken angesichts der niedrigen Inflationsraten und der (wirtschaftlichen) Risiken, die sich aus dem Handelskrieg zwischen den USA und China ergeben könnten, eher wieder inRichtung niedrigerer Zinsen.

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CNY: Wie wir bereits zu Beginn dieser Woche geschrieben hatten, vergab China heute die gewerblichen 5G-Lizenzen an die führenden Telekommunikationsunternehmen – mindestens sechs Monate vor dem ursprünglichen Vorschlag. Während der kommenden Quartale werden in China rasch steigende Investitionen in den Technologiesektor erwartet. Angesichts der zunehmenden Wachstumssorgen kann dies als „gezielter Impuls“ betrachtet werden. Unterdessen sind die beschleunigten Investitionen in die 5G-Infrastruktur auch ein strategischer Schritt, sollte der Handels- und Technologiekrieg länger andauern. In diesem Zusammenhang ist am Wochenende ein Treffen zwischen US-Finanzminister Steven Mnuchin und dem Gouverneur der chinesischen Zentralbank Yi Gang auf dem G20-Treffen der Finanzminister in Japan geplant. Dies wäre die erste persönliche Diskussion zwischen bedeutenden Verhandlungsführern der USA und China seit fast einem Monat. Der Markt rechnet jedoch kaum mit einem Durchbruch bei den Handelsgesprächen, da China während der vergangenen Wochen einen harten Kurs zu vertreten scheint. Wahrscheinlich wird der Markt also eine Weile warten müssen, um zu sehen, wie der geplante Gipfel zwischen Trump und Xi später in diesem Monat in Osaka verlaufen wird. Wegen fehlender neuer Impulse verharrt USD-CNY am Währungsmarkt weiterhin innerhalb seiner Kursspanne.

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