Währung

Handelskrieg – Runde 2

USD: “Sie haben das Abkommen gebrochen”, und “sie werden bezahlen”, sagte US-Präsident Donald Trump bei einer Wahlkampfveranstaltung während der asiatischen Morgenstunden. Entsprechend gedämpft ist nun die Risikostimmung an den Märkten. Wobei er immerhin hinzufügte, dass die Dinge “funktionieren” werden. Dennoch: Es scheint unvermeidlich, dass die USA morgen neue Zölle auf chinesische Waren im Wert von 200 Milliarden US-Dollar erheben werden. Das chinesische Handelsministerium gab gestern Abend eine Erklärung ab, dass China daraufhin “teilweise” Vergeltungsmaßnahmen ergreifen würde. Es sieht also danach aus, als würde der Handelskrieg in die zweite Runde gehen. Die chinesische Delegation unter Leitung von Vizepremier Liu He trifft derweil heute in Washington ein. Die Handelsgespräche, die für die nächsten zwei Tage geplant sind und am Freitagnachmittag enden sollen, stehen damit unter einem schlechten Stern. Schließlich würden die neuen Zölle in der Nacht von heute auf Morgen wirksam werden – also genau mittendrin.

Ein erfolgreiches Handelsabkommen scheint nun nahezu vom Tisch zu sein. Das kann heißen, dass die Gespräche vollkommen scheitern und endgültig abgebrochen werden, oder aber sie vorerst nur auf Eis gelegt werden. Die neuen Zölle würden die zukünftigen Verhandlungen sicherlich erschweren und die Aussicht auf Erfolg bliebe fraglich.
Am Devisenmarkt sind die Befürchtungen der Marktteilnehmer in erster Linie am CNH zu erkennen, der gegenüber dem USD deutlich abgewertet hat. Der Onshore-Renminbi, CNY, handelt dagegen deutlich ruhiger, was verständlich ist, da die chinesische Regierung ihren Einfluss gelten lassen dürfte. So legte die chinesische Notenbank PBoC das USD-CNY-Fixing niedriger als erwartet fest (d.h. CNY stärker), womit sie signalisiert, dass sie eine stärkere CNY-Abwertung nicht wünscht.

Datenmäßig brachten die Verbraucherpreise heute Morgen keine Überraschung. Lediglich die Erzeugerpreise lagen leicht über den Erwartungen, allerdings weit entfernt von problematischen Niveaus. Insgesamt bleibt das Inflationsprofil trotz der jüngsten Bedenken bezüglich der Schweinegrippe unverändert. Auffallend ist, dass der Pkw-Absatz im April gegenüber dem Vorjahr um rund 18% eingebrochen ist. Außerdem war die Kreditvergabe Chinas im April schwächer, wobei sowohl die Gesamtfinanzierung als auch die Neukredite deutlich unter den Markterwartungen lagen. Alles in allem muss sich der Markt auf eher schwächere Aktivitätsdaten für April einstellen, die am kommenden Mittwoch veröffentlicht werden.

Angesichts der drohenden Eskalation des Handelskrieges zwischen den USA und China zeigen sich die Devisenmärkte zur asiatischen Handelszeit noch relativ ruhig. Ich kann mir kaum vorstellen, dass dies so bleibt. Wie zuletzt in diesen Phasen immer wieder zu beobachten war, dürfte insbesondere der australische Dollar – der beliebteste CNY-Proxy – die Sorgen der Investoren zu spüren bekommen. Auf der anderen Seite dürfte der japanische Yen als präferierter sicherer Hafen stehen. Zuletzt kam diese Rolle vor allem dem US Dollar zu. Und vor einiger Zeit hätte ich noch gesagt, dass der Dollar nun erst Recht zur Stärke neigen wird. Schließlich sollte sich die Einführung von Importzöllen seitens der USA der Theorie nach aufgrund ihrer inflationären Wirkung positiv auf die Währung auswirken. Doch zugegeben: das ökonomische Verständnis der Inflationsentwicklung hat in den letzten Jahren etwas zu wünschen übrig gelassen. Insofern wird wohl eher der negative realwirtschaftliche Effekt der Zölle und damit eine steigenden Wahrscheinlichkeit für Zinssenkungen seitens der Fed für den Markt im Fokus stehen, was den Dollar belasten sollte. Da die US-Währung allerdings in den letzten Monaten weitaus weniger, bzw. gar nicht, unter der starken Abwärtskorrektur der US-Zinserwartungen gelitten hat, kann es durchaus sein, dass die USD-Schwäche weniger ausgeprägt ausfallen wird, als angebracht wäre. Das würde für mich allerdings bedeuten, dass sich nur noch mehr Abwertungspotenzial aufstaut und das Risiko steigt, dass es zu einem späteren Zeitpunkt auf einen Schlag entladen wird.

Produktidee: Faktor-Zertifikate

WKN Typ Basiswert Merkmale
CD910B Long EUR/USD Faktor: 5
CD910C Short EUR/USD Faktor: -5

NOK: Die Norges Bank ist eine der wenigen Notenbanken, die sich den Luxus geleistet hat, sich bisher von den globalen Entwicklungen abzukoppeln. So hat sie immerhin in ihrer letzten Sitzung ihren Leitzins angehoben und nach wie vor einen weiteren Zinsschritt in Aussicht gestellt. Mit Blick auf die heimischen Entwicklungen mag das gerechtfertigt erscheinen. Schließlich ist insbesondere die Wirtschaft auf dem Festland zuletzt überraschend stark gewachsen. Darüber hinaus liegt die Inflation noch immer deutlich über ihrem Ziel. Doch so langsam scheint auch die norwegische Wirtschaft den Gegenwind der schwächeren globalen Wirtschaft zu spüren zu bekommen. Entsprechend empfindlich reagierte die NOK gestern auf die schwächer als erwarteten Industrieproduktionsdaten. Die Reaktion hat gezeigt: Auch hier besteht noch größeres Abwertungspotenzial, sollte sich die konjunkturelle Lage tatsächlich ähnlich wie im Rest der Welt eintrüben. Selbst wenn sich die Norges Bank heute noch optimistisch zeigt und an ihren Zinserhöhungsplänen festhält, für den Markt und damit für die NOK wird es nun vielmehr auf die harten Wirtschaftsdaten ankommen.

Produktidee: Faktor-Zertifikate

WKN Typ Basiswert Merkmale
CE9MCR Long EUR/NOK Faktor: 5
CE9MCS Short EUR/NOK Faktor: -5

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