Währung

GBP: Der Deal ist tot! Es lebe der No-Deal?

USD: Der Devisenmarkt ist weiterhin hin- und hergerissen. An den vom Markt in den Fed Funds Futures eingepreisten Zinssenkungen hat sich zuletzt nichts groß geändert, sie preisen weiterhin gut zweieinhalb Zinssenkungen bis Jahresende ein – die erste auf der Fed-Sitzung in zwei Wochen. Aber wie schon nach dem letzten Arbeitsmarktbericht, schnupperten die USD-Bullen nach den gestrigen starken Einzelhandelsumsätzen wieder Morgenluft. Dabei hielt Fed Chairman Jerome Powell in einer gestrigen Rede klar an seiner Ausrichtung fest: Die Fed werde angemessen handeln, um das Wachstum aufrechtzuerhalten, was als Ankündigung von Zinssenkungen verstanden wurde. Denn während der Devisenmarkt den US Dollar im Zuge guter Daten stärker handelt, liegt der Fokus der Fed vor allem auf den zahlreichen Unsicherheiten, mit denen sie die US-Wirtschaft konfrontiert sieht.

Insbesondere die Risiken aus den zahlreichen Handelsspannungen bereiten der Fed Bauchschmerzen. Entsprechend wichtig dürfte es für sie sein, ob das heute Abend veröffentlichte Beige Book – eine Zusammenfassung der wirtschaftlichen Bedingungen in den verschiedenen Federal Reserve Distrikten – wie zuletzt zeigt, dass Unternehmen angesichts der Handelskonflikte zunehmend nervöser werden. Der entscheidende Punkt, den auch USD-Bullen nicht vergessen sollten, ist dass die Fed ihre Zinsentscheidungen wohl stark daran ausrichten wird, ob sich die Abwärtsrisiken aus den Handelskonflikten realisieren oder nicht. Wer jetzt noch auf einen stärkeren US Dollar setzt, setzt also darauf, das entweder eine weitere Eskalation im Handelsstreit mit China und – vielleicht zukünftig noch wichtiger – der EU ausbleibt oder die US-Wirtschaft kalt lässt.

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CU2XLS Long EUR/USD Faktor: 10
CD910E Short EUR/USD Faktor: -10

GBP: Der Devisenmarkt tut sich weiterhin schwer damit, Brexit-Nachrichten angemessen in den GBP-Wechselkursen zu reflektieren, das hat die gestrige GBP-Schwäche einmal mehr gezeigt. GBP-Bewegungen kommen oft plötzlich aber heftig. Deshalb dominieren sie fundamentale Treiber wie Erwägungen, ob die heutigen Inflationsdaten eine baldige Zinssenkung der Bank of England wahrscheinlicher machen oder nicht.

Wir haben in den letzten Wochen und Monaten schon oft gebetsmühlenartig wiederholt, dass auch ein neuer Premierminister den gordischen Brexit-Knoten nicht einfach zerschlagen können wird. Den einen oder anderen geneigten Leser mögen wir damit schon gelangweilt haben, doch offensichtlich sind einige Marktteilnehmer erst gestern zu dieser Erkenntnis gelangt. Auslöser für die erneute GBP-Schwäche waren Äußerungen der beiden Premierministerkandidaten Boris Johnson und Jeremy Hunt während ihrer letzten Debatte am Montag-Abend, die beide dem Nordirland-Backstop (bzw. irgendeiner Form eines Backstops) eine klare Absage erteilten. Das Problem – die EU hat Nachverhandlungen, insbesondere in diesem Punkt, immer rundheraus abgelehnt. Der bisherige Brexit-Deal wäre damit ein für alle Mal tot und ein No-Deal in greifbarer Nähe. Denn solange die britische Seite nicht aktiv wird, tritt der Brexit zum 31. Oktober automatisch in Kraft.

Die gestrigen Bewegungen zeigen einmal mehr, dass es dem Devisenmarkt schwerfällt, Brexit-Nachrichten angemessen in den GBP-Wechselkursen zu reflektieren. Der Grund: Es ist weiterhin völlig unklar, wie genau es weiter geht, wenn kommende Woche ein neuer Premierminister das Ruder übernimmt. Lässt sich die EU – entgegen aller anderslautender Beteuerungen – doch auf Nach- oder Neuverhandlungen ein, müsste die Brexit-Deadline – entgegen der Beteuerungen der voraussichtlichen neuen britischen Regierung – wohl nochmals verlängert werden. Eine GBP-positive Einigung wäre auch dann bis auf weiteres nicht absehbar – erst einmal würde in den GBP-Wechselkursen nicht viel passieren, während der Markt den weiteren Verhandlungsverlauf abwartet. Gegen einen GBP-negativen No-Deal regt sich zwar immer konkreter Widerstand, doch niemand kann garantieren, ob und wie sich dieser rechtzeitig erfolgreich formieren kann.

Jeder Marktteilnehmer schaut deshalb noch mehr als sonst darauf, was die anderen machen, um auf eine gute Gelegenheit zu warten, die eigene View zu handeln. GBP-Bewegungen kommen daher oft plötzlich aber heftig. Deshalb dominieren sie fundamentale Treiber wie Erwägungen, ob die heutigen Inflationsdaten eine baldige Zinssenkung der Bank of England wahrscheinlicher machen oder nicht. Für die Geldpolitik gilt dabei nämlich nach das gleiche wie für den Wechselkurs: Der Brexit bestimmt, was passiert. Und damit bleibt die Spanne möglicher zukünftiger GBP-Bewertungen enorm. Aktuelle mittelfristige Volatilitätsniveaus von 8% eröffnen damit in unseren Augen nach wie vor attraktive Absicherungsgelegenheiten.

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CU2XL6 Long EUR/GBP Faktor: 10
CV0V4A Short EUR/GBP Faktor: -10

AUD: Legt die australische Zentralbank (Reserve Bank of Australia, RBA) nach zwei Zinssenkungen hintereinander jetzt erst einmal eine Pause ein, oder sieht sie weiteren Lockerungsbedarf? Marktteilnehmer dürften sich vom Arbeitsmarktbericht kommende Nacht entscheidende Hinweise in dieser Frage erhoffen. Dieser bietet höher-frequente Einblicke in den unterliegenden Preisdruck, da Inflationsdaten in Australien nur vierteljährlich veröffentlicht werden. Die RBA setzt darauf, dass sich der Arbeitsmarkt weiter verengt, was früher oder später über höhere Löhne auch die Preise anschieben sollte. Ein erneuter Anstieg der Arbeitslosenquote wie im Frühjahr wird Spekulationen verstärken, dass die RBA doch bald schon wieder an der Zinsschraube drehen könnte, was dem AUD einen Dämpfer versetzen würde. Angesichts zuletzt guter Nachrichten aus China gehen wir jedoch davon aus, dass die RBA nun erst einmal abwarten wird und fühlen uns deshalb mit AUD-USD-Niveaus über 0,70 eigentlich ganz wohl.

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CJ1QH5 Call EUR/AUD Hebel: 5,0
CJ6BQ6 Put EUR/AUD Hebel: 4,9

HUF: Der Forint entwickelte sich seit April schlechter als der Zloty, da die ungarische Zentralbank an einer ultra-expansiven Geldpolitik festhielt. In diesem Monat ist der PLN-HUF-Cross weiter gestiegen, da sich die polnische Inflation beschleunigte, während die ungarische Inflation nachließ.

Der gestern veröffentlichte Juni-Wert der polnischen Kerninflation von 1,9% y/y sorgte dafür, dass sich der Höhenflug des Zloty gegenüber dem Forint fortsetzte. Dementsprechend schloss das Währungspaar PLN-HUF (siehe Abb. 1) deutlich stärker. Bis vor einem Monat hatte die ungarische Teuerung eine starke Dynamik, während die Inflation in Polen verhalten ausfiel. Im letzten Monat jedoch wendete sich das Blatt: Die Überraschungen an der Inflationsfront verkehrten sich ins Gegenteil, und die ungarische Kerninflation gab im Juni deutlich nach, während die polnische Teuerungsrate sogar über ihr 2,5%-Ziel hinausschoss (siehe Abb. 2).

Wir gehen wie bisher davon aus, dass die polnische Teuerung bis zum nächsten Jahr wieder unter das Notenbankziel fallen wird – im Einklang mit aktuellen Trends in der Eurozone. Doch zumindest derzeit sind die Zahlen Wasser auf die Mühlen der Falken im geldpolitischen Ausschuss (MPC). Einer von ihnen merkte gestern an, dass bei einer der nächsten Sitzungen eine Zinserhöhung vorgeschlagen werden könnte. Verglichen mit dem bisherigen Szenario, in dessen Rahmen die polnische Zentralbank (NBP) bis 2022 nicht an den Zinsen rütteln sollte, ist das eine ganz neue Sachlage.

Andererseits schwächen sich die Kennzahlen für die ungarische Kernteuerung inzwischen zum Teil deutlich ab. Dennoch sind wir nicht der Auffassung, dass die Entwicklung in Ungarn die relative Performance derzeit maßgeblich beflügelt. Von der ungarischen Zentralbank (MNB) wurde kein geldpolitischer Kurswechsel erwartet – ganz gleich, wie sich die Verbraucherpreisinflation entwickelt. Stattdessen dürfte gegenwärtig die überraschende Rückkehr der polnischen Inflation maßgeblich auf PLN-HUF einwirken. Gemäß unserem Basisszenario wird die polnische Teuerung mittelfristig ihren Höhepunkt erreichen, könnte aber kurzfristig etwas mehr nach oben überraschen.

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CJ6DF8 Call EUR/HUF Hebel: 5,3
CJ9RAW Put EUR/HUF Hebel: 5,3

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