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Gasnotfallplan: Stufe 2

Die Bundesregierung hat auf die stark reduzierten russischen Gaslieferungen reagiert und die zweite von drei Stufen des Notfallplans Gas ausgerufen. Wir analysieren die Hintergründe. Deutschland könnte es mit Einsparungen und anderweitigen Lieferungen gerade so schaffen, ohne drastische Rationierungen durch den Winter zu kommen. Die Unsicherheiten bleiben aber sehr hoch.

Gasversorgung: Deutschland ruft “Alarmstufe” aus

Die Bundesregierung hat heute die zweite von drei Stufen des “Notfallplans Gas” (siehe unten) ausgerufen. Dieser regelt die Gasversorgung Deutschlands in einer Krisensituation. Der Grund hierfür ist die Einschränkung der Gaslieferungen aus Russland. Diese haben sich in den letzten beiden Wochen mehr als halbiert (Chart 1).

Frühere Wertentwicklungen, Prognosen und Simulationen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.

… weil Russland den Gashahn weiter zudreht

Russland begründet dies mit technischen Problemen, laut der Bundesregierung dürften aber politische Motive die Hauptrolle spielen. Sollten die Lieferungen für den Rest des Jahres auf dem gegenwärtig niedrigen Niveau bleiben, wäre die ausreichende Versorgung Deutschlands mit Erdgas stark gefährdet. Insbesondere wäre die geplante Befüllung der Erdgasspeicher, die in den Sommermonaten stattfindet, nicht in der nötigen Menge möglich, um die für November angestrebten Füllstände von 90% zu erreichen (die Speicher müssen zu Beginn der Winterheizsaison gefüllt sein, um den dann saisonal erhöhten Bedarf zu decken). Das Problem würde sich noch verschärfen, sollte Russland seine Lieferungen noch weiter einschränken.

Alternative Bezugsquellen…

Russland hat letztes Jahr gut die Hälfte der Erdgasimporte Deutschlands geliefert (die einheimische deutsche Erdgasförderung deckt nur etwa 5% des Verbrauchs). Dieser Anteil ist zuletzt auf unter ein Drittel gefallen. Die Regierung bemüht sich um alternative Bezugsquellen. So sollen ab der Jahreswende erste schwimmende Flüssigerdgasterminals (sogenannte Floating Storage and Regasification Units, FRSUs) in Betrieb genommen werden. Die ersten beiden der insgesamt vier bestellten FRSUs könnten bei Volllast etwa ein Achtel des deutschen Erdgasbedarfs decken. Allerdings ist nicht klar, wann genau die Terminals diese Kapazität zur Verfügung stellen können. Sollten die Terminals alle im nächsten Jahr in Betrieb sein, dürfte die Krise im Großen und Ganzen ausgestanden sein, sofern es Deutschland schafft, am knappen globalen LNG-Markt die entsprechenden Mengen einzukaufen.

… und Einsparungen

Das Problem ist die Überbrückung der nächsten Monate, inbesondere der Wintersaison. Auch wenn Russland die aktuelle Lieferhöhe beibehielte und damit Deutschland schätzungsweise noch rund 40% der Importe des Vorjahrs bezöge, muss der Gasbedarf deutlich eingeschränkt werden, um vermutlich 20% bis 25% gegenüber 2021. In den ersten fünf Monaten lag er, nicht zuletzt aufgrund vergleichsweise milder Witterung, um 14% unter dem Vorjahresstand. Dadurch wurden die Füllstände der Vorräte immerhin auf Normalniveau geschoben (Chart 2). Doch mit den weiteren Kürzungen müssen die Sparmaßnahmen verstärkt werden.

Frühere Wertentwicklungen, Prognosen und Simulationen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.

Die erste Maßnahme ist die Wiederinbetriebnahme der Kohlekraft, um die Gaskraftwerke zu ersetzen: Auf die reine Stromerzeugung entfällt rund 6% des Gasverbrauchs. Dies lässt sich einer Studie des BDEW zufolge komplett einsparen. Bei Gaskraftwerken mit Kraft-Wärme-Kopplung (etwa 11% des Erdgasverbrauchs) ließen sich etwa 30% einsparen, bei Industriekraftwerken, die auch Prozesswärme erzeugen (24% des Verbrauchs), lediglich 8%.

Die Bundesregierung setzt auf ein Auktionsmodell, um industriellen Gasverbrauchern Anreize zu bieten, Erdgas einzusparen. Die Abnehmer sollen ihren Verbrauch gegen ein Entgelt verringern. Dieses soll mit einem Auktionsverfahren bestimmt werden: Derjenige, der die geringste Entschädigung verlangt, bekommt den Zuschlag.

… könnten Deutschland gerade so über den Winter bringen

Alles in allem könnte es gerade so gelingen, die Ausfälle auszugleichen, ohne dass es zu drastischen Rationierungen kommen muss. Die gilt aber nur dann, wenn die russischen Lieferungen nicht noch weiter verringert werden. Es wird also in den Wintermonaten sehr knapp werden.

Die Ungewissheit bleibt aber hoch. Entscheidend sind die Antworten auf folgende Kernfragen:

  1. Bleiben die russischen Lieferungen auf dem gegenwärtig niedrigen Niveau oder sinken sie weiter? Dann wären auf jeden Fall einschneidende Rationierungen nötig.
  2. Ab wann können die FRSU mit voller Leistung Gas in das deutsche Leitungsnetz einspeisen? Wir haben angenommen, dass bereits gegen Jahresanfang 2023 erhebliche Mengen an LNG eingespeist werden können. Dies mag eine zu optimistische Prognose sein.
  3. Können marktkonforme Lösungen (vor allem das Auktionsmodell) die erhofften Einsparungen sicherstellen? Nur dann wäre die mit den geringsten volkswirtschaftlichen Kosten verbundene Einsparlösung realistisch. Staatlich verordnete Rationierungen würden dagegen eine schwere Rezession unvermeidlich machen.

Notfallplan Gas

Frühwarnstufe: Bei zuverlässigen Hinweisen auf eine mögliche Verschlechterung der Gasversorgungslage kann die Bundesregierung die Frühwarnstufe ausrufen. Es treten Krisenteams von Regierung sowie Netz-, Speicherbetreibern und Lieferanten zusammen. Konkrete Auswirkungen auf die Abnehmer hat dies noch nicht, allerdings gilt die Aufforderungen, den Gasverbrauch zu reduzieren. Die Regierung hat diese Stufe bereits Ende März aufgerufen.

Alarmstufe: Hier liegt eine Störung der Gasversorgung oder eine außergewöhnlich hohe Nachfrage nach Gas vor, die zu einer erheblichen Verschlechterung der Gasversorgungslage führt. Der Markt ist aber noch in der Lage, diese Störungen zu bewältigen, ohne dass nicht marktbasierte Maßnahmen ergriffen werden müssen.

Notfallstufe: Hier kann die Störung der Versorgung nicht mehr mit marktbasierten Maßnahmen bewältigt werden, es müssen nicht-marktbasierte Maßnahmen ergriffen werden. Der Staat greift ein und verordnet Rationierungen. Die Bundesnetzagentur wird zum “Lastverteiler”, dem in Abstimmung mit den Netzbetreibern die konkrete Gasverteilung obliegt. Dabei sind bestimmte Gruppen besonders geschützt, darunter private Haushalte und Krankenhäuser, die vorrangig und bis zuletzt mit Gas versorgt werden müssen.

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