Rohstoffe

Gaskrimi geht in die nächste Runde

Die OPEC+ könnte für September eine nochmalige Ausweitung der Ölproduktion beschließen, obwohl die Produktionskürzungen von vor gut zwei Jahren zumindest auf dem Papier vollständig rückgängig gemacht wurden. Der Brentölpreis könnte daraufhin unter Druck geraten. Auch den Industriemetallpreisen droht nach dem jüngsten Anstieg wegen voraussichtlich enttäuschender chinesischer Konjunkturdaten ein Rückschlag.

Wochenausblick: Was macht die OPEC+?

Wichtigstes Ereignis am Ölmarkt ist in der kommenden Woche zweifelsohne die monatliche Sitzung der OPEC+. Zumindest auf dem Papier sind im August sämtliche Produktionskürzungen vom Mai 2020 wieder rückgängig gemacht. Von daher wäre die OPEC+ eigentlich am Ziel und könnte stillhalten. In Realität sieht es allerdings anders aus. Im Juni lag die tatsächliche Produktionsmenge laut IEA ca. 2,8 Mio. Barrel pro Tag unter dem vereinbarten Niveau und es ist unwahrscheinlich, dass diese Diskrepanz in den zwei Monaten danach nennenswert verringert werden kann (Grafik 1). Denn viele Länder der Allianz können ihre Produktion nicht weiter anheben, da sie bereits am Kapazitätslimit sind. Die Anfang der Woche anstehenden Umfragen zur OPEC-Produktion im Juli dürften das bestätigen. Länder mit freien Förderkapazitäten wie Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate weigerten sich bis zuletzt, die Produktion stärker anzuheben als ihnen laut Vereinbarung erlaubt wäre. Denn dies hätte einen Bruch des OPEC+-Abkommens bedeutet und die weitere Kooperation mit Russland infrage gestellt. Russland produziert aufgrund des Kaufboykotts der westlichen Abnehmer ebenfalls deutlich weniger Rohöl als vereinbart, auch wenn die russische Ölproduktion in den letzten Monaten wieder gestiegen ist. Um die noch vorhandene Lücke zur ursprünglich vereinbarten Produktionsmenge zu schließen, könnte die OPEC+ daher für September eine nochmalige Anhebung der Produktionsziele beschließen. Dies würde es Saudi-Arabien und den V.A.E. ermöglichen, die Produktion weiter zu erhöhen, ohne gegen das Abkommen zu verstoßen. Der Brentölpreis könnte daraufhin unter Druck geraten, weil das zusätzliche Angebot die Versorgungslage entspannen würde. Laut einem Bericht gehen fünf der acht von Reuters befragten Quellen aus dem Umfeld der OPEC+ von einer Beibehaltung der Produktionsmenge aus, zwei rechnen damit, dass eine leichte Produktionsanhebung diskutiert wird.

Die Industriemetallpreise haben seit Mitte Juli deutlich zugelegt (Grafik 2). Hintergrund sind Hoffnungen auf staatliche Maßnahmen in China zur Stabilisierung des Immobilienmarktes (siehe unten). Die in den kommenden Tagen anstehenden chinesischen Einkaufsmanagerindizes könnten ein Stimmungsdämpfer sein, da diese aufgrund neuerlicher Lockdown-Maßnahmen rückläufig sein dürften. Wir sehen daher für die Metallpreise Rückschlagspotenzial.

Der Goldpreis ist nach der Fed-Sitzung deutlich gestiegen, obwohl die US-Notenbank den Leitzins erneut deutlich um 75 Basispunkte anhob. Da die Fed Anzeichen für eine wirtschaftliche Abschwächung sieht und die US-Wirtschaft zwei Quartale in Folge schrumpfte, wurden die Zinserwartungen für die kommenden Sitzungen zurückgeschraubt. Im Zuge dessen sind auch die Anleiherenditen und die Realzinsen merklich gesunken und der US-Dollar hat an Wert eingebüßt. Sollten die US-Konjunkturdaten in der kommenden Woche schwächer ausfallen, dürfte Gold weiter zulegen. Dies gilt insbesondere für den Bericht zum Arbeitsmarkt, da dieser von Fed-Chef Powell noch immer als stark bezeichnet wurde und somit neben der nach wie vor hohen Inflation ein Argument für weitere Zinserhöhungen ist.

Seit einigen Tagen fließt nur noch 20% der möglichen Durchleitungskapazität an russischem Erdgas durch die Ostseepipeline Nord Stream 1 (Hintergründe siehe unten). Damit dürfte es deutlich schwieriger werden, die Erdgasvorräte in der EU bis zum Winter auf das erforderliche Niveau von bis zu 90% Speicherstand zu befüllen. Der TTF-Erdgaspreis ist daraufhin erstmals seit Anfang März über die Marke von 200 EUR je MWh gestiegen. Er dürfte zunächst auf hohem Niveau verharren. Im Falle eines vollständigen Lieferstopps droht ein weiterer Preissprung.

Frühere Wertentwicklungen, Prognosen und Simulationen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.

Energie

Die Preisdifferenz zwischen Brent und WTI hat sich auf 10 USD je Barrel ausgeweitet. Größer war sie zuletzt vor gut drei Jahren, wenn man die Verzerrung im April 2020 ausklammert, als der WTI-Preis kurzzeitig negativ war. Der Ölmarkt in Europa ist deutlich angespannter als in den USA, was sich auch in der stark fallenden Brent-Terminkurve widerspiegelt. Dies dürfte daran liegen, dass Europa bis zum Jahresende die bisherigen Ölimporte aus Russland weitgehend ersetzen muss. Die USA sind dagegen von ausländischen Anbietern weitgehend unabhängig. Der hohe Preisabschlag macht US-Leichtöl für auswärtige Käufer interessant. Die US-Rohölexporte stiegen in der letzten Berichtswoche laut Daten des US-Energieministeriums auf ein Rekordniveau von 4,55 Mio. Barrel pro Tag. Die Netto-Rohölimporte fielen daraufhin auf weniger als 2 Mio. Barrel pro Tag. Nach Berücksichtigung der Netto-Exporte von Ölprodukten sind die USA sogar ein Netto-Ölexporteur.

Russland hat die Gaslieferungen über die Ostseepipeline Nord Stream 1 nur wenige Tage nach dem Ende der Wartungsarbeiten, während der der Gasfluss für zehn Tage vollständig unterbrochen war, erneut reduziert. Der russische Gasmonopolist Gazprom argumentiert mit dem erforderlichen Ausbau einer weiteren Gasturbine zu Reparaturzwecken sowie dem Fehlen einer anderen Gasturbine, die zuvor in Kanada zur Wartung war und wegen fehlender Zolldokumente noch nicht zurückgegeben werden konnte. Deutschland, wo sich die Turbine derzeit noch immer befindet, sieht Gazprom dafür in der Verantwortung und hinter der Lieferdrosselung politische Gründe. Eine Normalisierung der Gaslieferungen ist daher zumindest kurzfristig nicht in Sicht.

Produktidee: Faktor-Optionsscheine
WKNTypBasiswertMerkmale
SD2S7ULongOil Brent FutureFaktor: 5
SH310NShortOil Brent FutureFaktor: -5
SD1XJFLongOil WTI Light Crude Future Faktor: 5
SH3QBCShortOil WTI Light Crude Future Faktor: -5
SH2SLDLongNatural Gas Future Faktor: 5
SN0WY8ShortNatural Gas Future Faktor: -5
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Sie sind im Begriff, ein komplexes Produkt zu erwerben, das nicht einfach ist und schwer zu verstehen sein kann. Bitte beachten Sie, dass bestimmte Produkte nur für kurzfristige Anlagezeiträume geeignet sind. Wir empfehlen Interessenten und potenziellen Anlegern den Basisprospekt und die Endgültigen Bedingungen zu lesen, bevor sie eine Anlageentscheidung treffen, um sich möglichst umfassend über die potenziellen Risiken und Chancen des Wertpapiers zu informieren, insbesondere um die potenziellen Risiken und Chancen der Entscheidung, in die Wertpapiere zu investieren, vollends zu verstehen. Die Billigung des Basisprospekts durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht ist nicht als ihre Befürwortung der angebotenen Wertpapiere zu verstehen.

Edelmetalle

Die globale Goldnachfrage belief sich im zweiten Quartal dem World Gold Council zufolge auf 948 Tonnen. Sie war damit 8% niedriger als im Vorjahr. Maßgeblich hierfür war ein Rückgang der Investmentnachfrage um 28%, die unter den Netto-Abflüssen aus den Gold-ETFs litt. Die Schmucknachfrage war etwas höher als im Vorjahr, die Nachfrage nach Barren und Münzen blieb auf Vorjahresniveau. Die Goldnachfrage in China lag im zweiten Quartal deutlich unter, die in Indien dagegen deutlich über dem Vorjahresniveau. Die chinesische Goldnachfrage soll laut WGC auch in der zweiten Jahreshälfte deutlich unter dem Vorjahresniveau bleiben. Die Schmucknachfrage wird dabei durch die Unsicherheit über mögliche weitere Virusausbrüche und die schwache inländische Wirtschaftsentwicklung gebremst. Die weltweite Goldnachfrage im ersten Halbjahr war dagegen noch immer 12% höher als im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Hier macht sich das starke erste Quartal bemerkbar, das von robusten ETF-Zuflüssen profitierte. Die Zentralbanken kauften nach drei schwächeren Quartalen wieder deutlich mehr Gold.

Der weltgrößte Palladiumproduzent aus Russland hat im ersten Halbjahr 1,4 Mio. Unzen Palladium und 321 Tsd. Unzen Platin produziert. Das waren 8% bzw. 1% mehr als im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Die Palladiumproduktion profitierte dabei von einem Basiseffekt, da die Produktion Anfang 2021 durch die Überflutung von zwei Minen für einige Monate unterbrochen war. Die westlichen Sanktionen gegen Russland hatten bislang keine Auswirkungen auf die Produktion. Das Unternehmen sieht die sanktionsbedingte Lieferunterbrechung von hochwertigen Geräten und Ersatzteilen als Hauptrisiko für die Produktionspläne. Man versucht nun, die fehlenden Teile von inländischen Anbietern zu bekommen.

Produktidee: Faktor-Optionsscheine
WKNTypBasiswertMerkmale
SD3APGLongGold FutureFaktor: 5
SF5DDDShortGold FutureFaktor: -5
SN26CNLongPalladium Future Faktor: 5
SH3VFJShortPalladium Future Faktor: -5
SH83ZMLongPlatinum FutureFaktor: 5
SH3VFHShortPlatinum FutureFaktor: -5
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Industriemetalle

Die Aluminiumbestände in den LME-Lagerhäusern sind auf nur noch 291 Tsd. Tonnen und damit auf das niedrigste Niveau seit fast 32 Jahren gefallen. Die LME-Aluminiumvorräte sind mittlerweile an 61 aufeinander folgenden Tagen rückläufig, was es zuletzt vor fünf Jahren gegeben hat. Hier machen sich offenbar die Produktionskürzungen in Europa aufgrund der hohen Energiepreise bemerkbar. Die Aluminiumproduktion ist sehr energieintensiv. Der europäische Produzentenverband warnte vor einer weiteren Einschränkung der Energiezufuhr für die Aluminiumindustrie. Dies könnte zu irreparablen Schäden an den Anlagen führen. Der Aluminiumpreis stieg daraufhin auf knapp 2.500 USD je Tonne und die Preisdifferenz zwischen dem Kassakurs und dem 3-Monats-Forward ist seit einigen Tagen erstmals seit Anfang März wieder positiv. Mitte Juli hatte der Aluminiumpreis im Zuge der Korrektur bei Industriemetallen bei gut 2.300 USD das niedrigste Niveau seit Mai 2021 verzeichnet.

China hat offenbar das bislang ausgegebene Wachstumsziel von 5,5% aufgegeben. Zumindest wurde dieses bei einer Sitzung des Politbüros nicht mehr explizit erwähnt. Stattdessen will man das “bestmögliche Ergebnis für die Konjunktur in diesem Jahr erzielen”, wie die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua berichtete. Damit sind staatliche Unterstützungsmaßnahmen für die Konjunktur weiterhin möglich. Wie die Financial Times berichtet, sollen Kredite von umgerechnet 148 Mrd. USD ausgegeben werden, um wegen Zahlungsproblemen stillstehende Immobilienprojekte wiederzubeleben. Die Nachrichtenagentur Reuters hatte zuvor bereits von der möglichen Schaffung eines Immobilienfonds mit einem Volumen von bis zu 44 Mrd. USD zu diesem Zweck berichtet. Die Industriemetallpreise, insbesondere Kupfer, waren daraufhin kräftig gestiegen. Der Kupferpreis erreichte gestern in der Spitze 7.830 USD je Tonne. Vom Tief Mitte Juli bedeutet das einen Anstieg um fast 900 USD.

Produktidee: Faktor-Optionsscheine
WKNTypBasiswertMerkmale
SB3T6BLongCopper FutureFaktor: 5
SH0ETJShortCopper FutureFaktor: -5
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