Währung

Setzt der Devisenmarkt auf einen Sieg der Tories?

Niedrige Vol und Seitwärts-Range in EUR-USD

Ist die Erkenntnis der letzen Wochen, dass (1.) EUR-USD nicht über das Niveau von 1,1180 hinaus kann und (2.) sich unter 1,10 nicht lange halten kann? Das würde ins Bild passen – ins Bild aussterbender FX-Volatilität. Unser Volatilitäts-Index (der für 35 Währungspaare die Vols entsprechend ihrem Anteil am Devisenmarkt-Umsatz gewichtet) ist wieder auf den tiefen Niveaus, über die ich im Frühjahr noch gesagt hatte, sie wären nicht langfristig duchhaltbar. Von wegen. Das “new normal” scheint zu sein, dass nix los ist. Seit drei Jahren sehen wir, dass die FX-Volatilität laufend abnimmt und sich in diesem Zeitraum ungefähr halbiert hat.

Nach dem Grund braucht man nicht lange suchen. Wir diskutieren in unseren Publikationen zig Faktoren der Wechselkursentwicklung. Aber eigentlich liegt der Wert bedruckter Papierschnipsel nur darin, dass sie mehr oder weniger (heutzutage manchmal weniger als 0) Zins generieren. Alles andere, was wir diskutieren, dient letztendlich nur dazu, Aussagen über die zukünftige Zinsentwicklung zu treffen. Wenn nun aber die Zentralbanken weltweit nicht nennenswert von der Zinsuntergrenze weg kommen – die Fed hat’s versucht und ist grandios gescheitert! – dann passiert auf absehbare Zeit nichts wesentliches mit den Zinsen. Und auch bei der Inflation ist nichts absehbar. Niemand (außer ein paar unverbesserlicher Zentralbanker) fürchtet sich noch vor einer Deflations-Spirale. Und wer sich vor zu stark steigender Inflation fürchtet, wird eher in der Comedy-Abteilung als im Research vermutet. Nicht nur bei den Nominal-, sondern auch bei den Realzinsen ist daher die Phantasie raus, dass irgendetwas passieren könnte.

Was freilich bleibt, ist die Frage, ob gegenwärtige Wechselkurse (z.B. EUR-USD grob im 1,10-1,12-Bereich) langfristig (“fundamental”) angemessen sind. Diese Unsicherheit ist eher gestiegen. Niemand kann mir erzählen, dass heutzutage Modellunsicherheit – also die Frage, welche Wechselkurse fundamental “richtig” sind – geringer sei als früher. Mein Argument kennen Sie: Die gegenwärtige USD-Stärke ist nicht nachhaltig, weil ohne USD-Schwächung die US-Schulden zu stark steigen. Nur bringt diese Erkenntnis wenig für die Frage, ob die USD-Stärke nicht noch ein, zwei Jahre anhalten kann. Sie sagt nur etwas darüber aus, auf welcher Seite die größten Risiken zu vermuten sind.

Immerhin, ein wenig ist ja los. Seit EUR-USD unter der 1,10-Marke ziemlich spektakulär gescheitert ist, ging’s wie im Aufzug hoch. Nicht nur am Donnerstag und Freitag, sondern auch heute Morgen in Asien. Allerdings warne ich davor, darüber in Euphorie zu verfallen. Zweimal hat sich der Markt an der 1,1180-Marke die Finger verbrannt. Hat er so viel Mut, es ohne neue Argumente ein drittes Mal zu versuchen? Kann sein, ich würde nur nicht drauf wetten.

Frühere Wertentwicklungen, Prognosen und Simulationen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.
Produktidee: Faktor-Zertifikate
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CU2XLS Long EUR/USD Faktor: 10
CU54YP Short EUR/USD Faktor: -10
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Die maßgeblichen Produktinformationen stehen im Internet unter www.zertifikate.commerzbank.de zur Verfügung. Den Basisprospekt sowie die Endgültigen Bedingungen und die Basisinformationsblätter erhalten Sie bei Klick auf die WKN.
Sie sind im Begriff, ein komplexes Produkt zu erwerben, das nicht einfach ist und schwer zu verstehen sein kann. Wir empfehlen Interessenten und potenziellen Anlegern den Basisprospekt und die Endgültigen Bedingungen zu lesen, bevor sie eine Anlageentscheidung treffen, um sich möglichst umfassend über die potenziellen Risiken und Chancen des Wertpapiers zu informieren, insbesondere um die potenziellen Risiken und Chancen der Entscheidung, in die Wertpapiere zu investieren, vollends zu verstehen. Die Billigung des Basisprospekts durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht ist nicht als ihre Befürwortung der angebotenen Wertpapiere zu verstehen.

Setzt der Devisenmarkt auf einen Sieg der Tories?

Ich habe schon am Freitag erläutert, warum es Sinn macht, dass der Devisenmarkt einen Tory-Sieg als GBP-positiv ansieht, einen Labor-Sieg als GBP-negativ. Zur Klarstellung: Der Devisenmarkt fällt keine politischen Werturteile. Er sagt nichts darüber aus, welche Partei eine insgesamt bessere Politik macht oder wer der bessere Premierminister ist. Überhaupt, GBP-Aufwertung ist kein Werturteil über irgend etwas anderes als den Relativpreis von GBP-Scheinen gegenüber USD- und EUR-Noten.

Die Wahlchancen der Tories scheinen sich zu verbessern. Und zunehmend scheint ein Tory-Sieg Ruhe an der Brexit-Front zu versprechen. Allerdings bleibt der Devisenmarkt skeptisch. Viele Beobachter schauen auf GBP-USD und schließen daraus auf erhebliche GBP-Euphorie. Doch diese Sicht ist verzerrt. Auch nach ihrem Austritt aus Europa werden die Briten vor allem mit den (ungeliebten?!) Nachbarn jenseits des Kanals Handel treiben und nur wenig mit Ländern jenseits der Ozeane. “Schwerkraft” nennt man diesen Effekt in der Ökonomik: Volkswirtschaften handeln hauptsächlich mit ihren geografischen Nachbarn. Das heißt aber auch, dass die konjunkturelle Entwicklung auf der Insel mit der Europas hoch korreliert bleibt. Und deshalb werden sich Pfund und Euro weiterhin ähnlich entwickeln. GBP-USD-Stärke ist also zum großenteil ein Reflex von EUR-USD-Stärke. Will man wissen, wie GBP-spezifische Effekte wirken, muss man auf EUR-GBP schauen.

Und hier sieht’s nur nach sehr vorsichtigem GBP-Optimismus aus. Der Devisenmarkt ist noch relativ skeptisch. Wer fest an einen Tory-Wahlsieg glaubt, wird im Pfund noch Potenzial vermuten.

Produktidee: Faktor-Zertifikate
WKN Typ Basiswert Merkmale
CU2XL5 Long EUR/GBP Faktor: 5
CU54Y6 Short EUR/GBP Faktor: -5
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CNY: Enttäuschung auf Raten

Während alle gebannt auf die finalen Details zum „Phase-1“-Abkommen warten, versprüht Chinas Erklärung vom Wochenende weniger Zuversicht als zuvor. Laut der offiziellen chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua News führten die Unterhändler Chinas und der USA am Samstag ein Telefongespräch, das als „konstruktiv“ bezeichnet wurde. Ebenso berichteten chinesische Staatsmedien, beide Seiten hätten ihre jeweiligen „Kernanliegen“ zur Sprache gebracht. Etwas unerwartet und entgegen seinen sonstigen Gewohnheiten äußerte sich der US-Handelsbeauftragte nicht zu diesem Telefongespräch.

Noch vor einigen Wochen hatte Peking mehrfach erklärt, es sei eine grundsätzliche Einigung erzielt worden. Doch das jüngste Statement suggeriert scheinbar kaum Fortschritte. Am Devisenmarkt machte sich heute Morgen eine gewisse Enttäuschung breit. USD-CNY tendierte entsprechend nach oben.