Rohstoffe

EZB-Schwenk sollte Gold langfristig Auftrieb geben

Energie: Die Ölpreise erholen sich nach dem kräftigen Rückgang der letzten Tage etwas. Brent steigt am Morgen auf 63 USD je Barrel und handelt damit ca. 3,5 USD über dem vorgestern verzeichneten 5-Monatstief. Im Wochenvergleich steht aber noch immer ein sattes Minus zu Buche. Die schwachen Konjunkturdaten und der sich ausweitende Handelskonflikt haben die Nachfrageperspektiven eingetrübt. Wir haben dies zum Anlass genommen und unsere Ölpreisprognose für Brent im 3. Quartal auf 66 USD nach unten revidiert (bislang 73 USD). An unserer Jahresendprognose von 70 USD halten wir fest (siehe auch Rohstoffe kompakt Energie – Nachfragesorgen setzen Ölpreis unter Druck vom 6. Juni). Denn wir sind überzeugt, dass die OPEC und Russland alles in ihrer Macht stehende tun werden, um ein Überangebot zu verhindern und höhere Preise sicherzustellen. Die meisten OPEC-Produzenten, allen voran Saudi-Arabien, benötigen zur Finanzierung ihrer Staatsausgaben deutlich höhere Preise als aktuell. Russlands Präsident Putin sieht zwar Meinungsverschiedenheiten hinsichtlich des fairen Ölpreises und nannte 60-65 USD je Barrel als einen für Russland annehmbaren Preis. Man würde aber eine gemeinsame Entscheidung zusammen mit der OPEC über die Ölproduktion treffen. Dies deutet auf eine Beteiligung Russlands an einem Kürzungsabkommen über Jahresmitte hinaus hin.
Der US-Erdgaspreis ist nach der Veröffentlichung eines erneut starken Anstiegs der US-Erdgasvorräte auf ein 3-Jahrestief von 2,3 USD je mmBtu gefallen. Im Mai wurden die Bestände um 524 Mrd. Kubikfuß aufgebaut. Das war der stärkste Monatsanstieg seit 1994.

Produktidee: Faktor-Zertifikate
WKN Typ Basiswert Merkmale
CJ3H9A Long WTI Oil Future Faktor: 8
CJ3H9H Long Brent Oil Future Faktor: 8
CJ3D4S Short WTI Oil Future Faktor: -8
CJ3D5A Short Brent Oil Future Faktor: -8

Edelmetalle: Die EZB-Sitzung bzw. anschließende Pressekonferenz war gestern interessanter als im Vorfeld erwartet. Denn die EZB hat überraschend beschlossen, das Verspechen unveränderter Leitzinsen (die sog. forward guidance) von Ende 2019 bis mindestens Mitte 2020 zu verlängern. Zudem sagte EZB-Präsident Draghi, dass einige Ratsmitglieder eine Zinssenkung oder die Wiederaufnahme der Anleihekäufe vorgeschlagen hätten. Unsere Volkswirte gehen davon aus, dass die EZB ihre Geldpolitik weiter lockern wird, da ihre Konjunktur- und Inflationserwartungen wegen des Handelsstreits und anderer Unsicherheiten enttäuscht werden dürften. Wir erwarten daher eine Zinssenkung um 10 Basispunkte im vierten Quartal und eine Verlängerung der forward guidance um 12 Monate bis Mitte 2021. Davon sollte Gold mittelfristig profitieren. Gestern fiel die Reaktion allerdings verhalten aus. Gold in Euro gerechnet stieg zwar auf über 1.190 EUR je Feinunze, konnte diese Gewinne aber nicht halten, da der US-Dollar später aufwertete. Sollte der offizielle US-Arbeitsmarktbericht, der heute im Mittelpunkt des Marktinteresses steht, schwach ausfallen und der Dollar daraufhin wieder abwerten, dürfte Gold schon heute wieder steigen. Gestern hat Gold Platz eins als teuerstes börsengehandeltes Edelmetall zurückerobert – allerdings nur kurzzeitig. Es war phasenweise wieder teurer als Palladium. Letzteres zog aber später wieder an, so dass Palladium heute Morgen mit 1.350 USD je Feinunze rund 20 USD mehr kostet als Gold.

Produktidee: Faktor-Zertifikate
WKN Typ Basiswert Merkmale
CU0E63 Long Gold-Future Faktor: 10
CJ7RLD Short Gold-Future Faktor: -10
CJ7RMR Long Palladium-Future Faktor: 4
CJ7RMJ Short Palladium-Future Faktor: -4

Industriemetalle: Der Bleipreis ist gestern zeitweise um fast 3% auf knapp 1.920 USD je Tonne gestiegen, nachdem der Betreiber der „Port Pirie“-Bleischmelze in Australien die Produktion dort wegen eines nicht näher bezeichneten Schadens komplett stoppen musste. In diesem Zusammenhang hat das Unternehmen auch „force majeure“ für seine vertraglichen Lieferungen gemeldet. „Port Pirie“ hat im letzten Jahr laut Unternehmensangaben 160 Tsd. Tonnen Blei produziert und war damit eine der größten Bleischmelzen weltweit. Dass der Bleipreis so stark auf diese Nachricht reagiert hat liegt auch daran, dass die Bleivorräte in den LME-Lagerhäusern kürzlich auf ein 10-Jahrestief gefallen sind. Die Sorgen der Marktteilnehmer werden größer, dass der globale Bleimarkt unterversorgt ist. Eine Knappheit zeigt zumindest die Blei-Terminkurve an: Diese ist am vorderen Ende in den letzten Tagen stark in Backwardation gedreht. Durch den Anstieg des Bleipreises wurde auch der Zinkpreis mit nach oben gezogen: Er hat wieder die Marke von 2.500 USD je Tonne überschritten.
Während in China heute wegen des Drachenbootfestes nicht gehandelt wird, ist in Singapur der Eisenerzpreis im meistgehandelten Futures-Kontrakt auf 95 USD je Tonne gefallen. Dort wie auch im chinesischen Dalian korrigieren die Eisenerzpreise, seitdem Ende Mai die Gebühren für den Handel mit Futures-Kontrakten erhöht wurden. Der weitere Abbau der Eisenerzvorräte in den chinesischen Häfen scheint diesmal keine Rolle zu spielen.

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