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Zollstreit und Autoflaute belasten Evonik - Ausblick aber bestätigt

(Details zum freien Mittelzufluss und den Investitionen im 4. und 5. Absatz.)

ESSEN (dpa-AFX) - Der Spezialchemie-Konzern Evonik sieht sich trotz Autoflaute und internationaler Handelskonflikte auf Kurs zu seinen Jahreszielen. "Die Abkühlung im Welthandel und die zunehmende Schwäche in wichtigen Industrien machen es uns nicht leichter", sagte Konzernchef Christian Kullmann laut Mitteilung am Donnerstag in Essen. "Dennoch bleiben wir auf Jahressicht zuversichtlich." Anleger wurden indes vorsichtiger.

Im abgelaufenen zweiten Quartal musste der Konzern wegen der Autoflaute und niedrigerer Preise für Tierfutter-Eiweiß im Vergleich zu den hohen Vorjahreswerten Einbußen hinnehmen. Anleger war die Bestätigung der Jahresziele angesichts der Betonung der wirtschaftlichen Risiken offenbar nicht genug: Der Aktienkurs geriet unter Druck.

Kullmann rechnet für 2019 weiterhin mit einem Umsatz von 13,3 Milliarden Euro sowie einem bereinigten Ebitda von 2,15 Milliarden Euro. Der Ende letzten Jahres angekündigte Kauf des US-Herstellers von Wasserstoffperoxid PeroxyChem ist in der Prognose noch nicht enthalten.

Den freien Mittelzufluss (Free Cashflow) will Evonik 2019 deutlich steigern. Die Kennziffer ist für Anleger insbesondere mit Blick auf die Dividende wichtig. Größter Profiteur der Ausschüttungen ist die RAG-Stiftung, die die sogenannten Ewigkeitslasten des Kohlebergbaus wie die Finanzierung des Abpumpens des Grubenwasser bezahlt. Sie hält rund 64 Prozent an Evonik.

Um die Unternehmensziele zu erreichen will Evonik nun noch ein wenig mehr auf die Kostenbremse treten. So sollen die Investitionen 2019 mit nun geplanten 900 Millionen Euro um 50 Millionen Euro geringer ausfallen als ursprünglich geplant.

Ein Grund dafür ist die trägere Konjunktur, die auch Evonik in den vergangenen Monaten zu spüren bekam. Die Unsicherheiten wegen des US-chinesischen Handelskonflikts hätten den Welthandel, die globale Industrieproduktion sowie die Investitionstätigkeit der Unternehmen spürbar beeinträchtigt, hieß es von Evonik. Das mache sich vor allem im Geschäft mit der Auto- und Beschichtungsindustrie bemerkbar, während die Lage im Konsumgüterbereich intakt geblieben sei.

Beim Spezialchemie-Konzern sank denn auch die Nachfrage nach Zusatzstoffen für Öle, Beschichtungen und Lacke in der Sparte Resource Efficiency. Leicht höhere Verkaufspreise und eine gute Nachfrage nach Hochleistungskunststoffen konnten diese Entwicklung nicht ausgleichen.

In der Sparte Nutrition & Care rund um Anwendungen für Konsumgüter, Gesundheit sowie Tierfutter drückten erneut niedrigere Preise für das Tierfutter-Eiweiß Methionin auf den Umsatz. Die Nachfrage ist zwar hoch, das gilt aber auch für das Angebot - und das wächst weiter.

Evonik hatte jüngst eine neue Methionin-Anlage in Singapur fertiggestellt. Die Kosten dafür drückt auf den Gewinn. In der Sparte Performance Materials, die auch Zwischenprodukte für die Gummi-, Kunststoff- und Agrarindustrie produziert, gingen Umsatz und operatives Ergebnis ebenfalls zurück, unter anderen wegen niedrigerer Verkaufspreise.

Insgesamt fiel der Konzernumsatz des zweiten Quartals im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um drei Prozent auf 3,3 Milliarden Euro. Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) sank um acht Prozent auf 566 Millionen Euro. Unter dem Strich verdiente Evonik 228 Millionen Euro und damit gut ein Viertel weniger als ein Jahr zuvor. Dabei belasteten neben der trägeren Konjunktur auch die Kosten für eine neue Anlage in Singapur. Zudem war im Vorjahr unter dem Strich noch das mittlerweile verkaufte Methacrylat-Geschäft rund um Plexiglas ins Ergebnis eingeflossen.

Analysten hatten die Veräußerung des stark schwankungsanfälligen Geschäfts vor allem wegen des erzielten Preises gelobt. Der Verkauf ist Teil des Konzernumbaus hin zur profitableren Spezialchemie, die sich auch in konjunkturell tristen Zeiten im Vergleich zum Geschäft mit Massen- und Basischemikalien in der Regel vergleichsweise stabil hält.

Im Zusammenhang mit dem Verkauf, der nun abgeschlossen wurde, fällt eine einmalige Steuerbelastung von rund 260 Millionen Euro an. Allerdings geht Evonik davon aus, dass diese Summe durch höhere Abschreibungen über die kommenden 15 Jahre weitgehend wieder rein kommt.

Das Geld aus dem Verkauf soll unter anderem in den Ausbau des Spezialchemie-Geschäfts fließen. Erst Ende 2018 hatte Evonik ihre Einkaufstour mit der Ankündigung der Übernahme des US-Herstellers von Wasserstoffperoxid Peroxychem fortgesetzt.

Im Zuge des Umbaus wird auch eingespart. So will Evonik, wie schon länger bekannt, bis Ende 2021 rund 1000 Stellen in der Verwaltung und dem Vertrieb streichen. Bis Ende 2019 soll mehr als die Hälfte davon geschafft sein.

Der Aktienkurs fiel am Donnerstag bis zum Mittag um 4,70 Prozent auf 24,74 Euro, wobei sich das Plus im bisherigen Jahresverlauf damit immer noch auf mehr als 13 Prozent beläuft. Insgesamt sei Evonik ein wenig hinter den Erwartungen zurückgeblieben, urteilte Analyst Gunther Zechmann von Bernstein Research. Im Vergleich zu anderen Chemiekonzernen wie BASF hätten sich die Essener aber gut geschlagen. So musste der Ludwigshafener Dax-Konzern unlängst seine Jahresziele einstampfen.