Währung

EUR-USD im Niemandsland

EUR-USD im Niemandsland

Beschleicht Sie auch manchmal so ein Ostzone-Feeling? Auf der Suche nach einer neuen Grafikkarte für meinen PC musste ich letzte Woche feststellen, dass es keine gab. In keinem der Online-Shops, die mir bekannt sind. Nicht nur mein Wunschmodell nicht. Nein, keine (abgesehen von uralten Modellen oder speziellen Karten für Workstations). Und: Am Samstag habe ich mehrere Supermärkte erfolglos auf der Suche nach Roggenmehl durchkämmt. Alles natürlich Folgen veränderten Konsumverhaltens in Lockdown-Zeiten, wo (unter anderem) Home-Office und Brotbacken en vogue sind.

Warum erzählt Ihnen Ihr FX-Analyst seine privaten Stories? Hätte ich im vierten Supermarkt Roggenmehl gefunden, hätte ich es nicht stehengelassen, wenn es 10% teurer als normal gewesen wäre. Das heißt: Aufgrund der Lockdowns (und erst recht in den USA, wo langsam die Wirkung auf das Konsumverhalten wieder nachlässt und erneut ein neuerlicher Wechsel des Verhaltens – zu Post-Lockdown-Mustern – erwartet werden kann) muss man mit solch deutlicher Verschiebung der Relativpreise rechnen, dass die Preisindizes alles Mögliche anzeigen können und das Konzept eines “allgemeinen Preisniveaus” ziemlich inhaltsleer ist. Das sollte man nicht vergessen, wenn morgen in den USA der Konsumenten-Preisindex für den Monat März veröffentlicht wird. Sein Informationsgehalt für das, was wir unter “Inflation” verstehen (die Rate, mit der das “allgemeine Preisniveau” wächst), ist ziemlich gering.

Hinzu kommt: Entscheidend ist nicht nur, was die Inflation macht. Im Gegenteil. An sich ist Inflation negativ für eine Währung. Schließlich impliziert sie eine Erosion der heimischen Kaufkraft. Das ist nicht positiv für die Kaufkraft (also die Kurse) dieser Währung am Devisenmarkt. Es kommt halt auch darauf an, was die Geldpolitik daraus macht. Und diesbezüglich ist der FX-Markt offensichtlich relativ entspannt. Fed-Chair Jay Powell hat am Wochenende in einem Interview Konjunkturoptimismus versprüht. Zumindest im asiatischen Handel hat das den Dollar nicht nennenswert beflügelt. Klar, Powell hat auch betont, dass die Fed das Wachstum so lange wie möglich unterstützen würde (sprich: eine lockere Geldpolitik fahren würde). Deshalb sind in den nächsten Quartalen eh keine Zinsschritte zu erwarten. Dennoch: Wenn Powells Konjunkturausblick noch irgendjemand im Markt interessiert, dann müsste sein Optimismus zumindest einige Marktteilnehmer davon überzeugen, dass es eher schon 2022 mit Zinserhöhungen was wird, als erst Ende 2023 / Anfang 2024.

Ich glaube, das tut er auch. Jedoch: Er überzeugt nicht mehr Marktteilnehmer, als bisher schon überzeugt waren. Die Sicht, dass die Fed schon im kommenden Jahr einen Zinserhöhungszyklus startet, hat viele Anhänger, aber findet momentan keine neuen Anhänger. Weil der Inflationsausblick des Marktes (der zweifellos solch rasche Zinserhöhungen rechtfertigen würde) halt auf wackeligen Füßen steht. Unsere Volkswirte sind mit ihrer Prognose, dass die US-Inflation 2022 wieder auf 2% fällt, in krassem Widerspruch zur Markterwartung. Aber ihre Sicht ist halt nicht unplausibel. Deshalb erscheint es plausibel, dass momentan z.B. EUR-USD nicht wieder die 1,17-Marke testet, sondern im “Niemandsland zwischen 1,18 und 1,20 verharrt.

Ich bin kein Freund der beliebten Übung, marktbasierte Inflationserwartungen in “erwartete Inflation” und “Inflationsrisiko-Prämie” zu zerlegen. Aus wenigen Datendimensionen künstlich viele zu machen, widerstrebt dem Statistiker. Für mich muss Research Daten-Dimensionalität reduzieren. Und nichts auf Basis äußerst wackeliger Theorie neue Dimensionen hinzudichten.

Frühere Wertentwicklungen, Prognosen und Simulationen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.
Produktidee: BEST Turbo-Optionsscheine
WKNTypBasiswertMerkmale
SD9J7LCallEUR/USDHebel: 13,7
SD9WZ6PutEUR/USDHebel: 13,7
Die Darstellung der genannten Produkte erfolgt lediglich in Kurzform.
Die maßgeblichen Produktinformationen stehen im Internet unter https://sg-zertifikate.de zur Verfügung. Den Basisprospekt sowie die Endgültigen Bedingungen und die Basisinformationsblätter erhalten Sie bei Klick auf die WKN.
Sie sind im Begriff, ein komplexes Produkt zu erwerben, das nicht einfach ist und schwer zu verstehen sein kann. Bitte beachten Sie, dass bestimmte Produkte nur für kurzfristige Anlagezeiträume geeignet sind. Wir empfehlen Interessenten und potenziellen Anlegern den Basisprospekt und die Endgültigen Bedingungen zu lesen, bevor sie eine Anlageentscheidung treffen, um sich möglichst umfassend über die potenziellen Risiken und Chancen des Wertpapiers zu informieren, insbesondere um die potenziellen Risiken und Chancen der Entscheidung, in die Wertpapiere zu investieren, vollends zu verstehen. Die Billigung des Basisprospekts durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht ist nicht als ihre Befürwortung der angebotenen Wertpapiere zu verstehen.

Start in die Dividendensaison

Auch in diesem Jahr ist im Frühjahr die Zeit für Hauptversammlungen und so können sich viele Aktionäre über Ausschüttungen freuen. Lesen Sie hier, was Anleger von der kommenden Dividendensaison erwarten können.