Währung

Epidemiologische Regeltechnik bestimmt Devisenmarkt

US- Service-ISM und Corona-Fallzahlen

Rezente realwirtschaftliche Daten wie der Juni-Einkaufsmanager-Index für den Dienstleistungs-Sektor, der in den USA heute zur Veröffentlichung ansteht, dürften wieder zunehmende Bedeutung für den Devisenmarkt haben. Denn die Risiken, die potenziell die Wechselkurse beeinflussen können, sind wieder kurzfristiger Natur: Setzt sich die vorsichtige Stimmungserholung vom Mai fort? Allerdings, wie schon bei den Arbeitsmarkt-Daten vom vergangenen Donnerstag kann man leicht argumentieren, dass die Erhebung wahrscheinlich nicht den jüngsten Anstieg der US-Infektionszahlen erfasst und daher das unmittelbare Risiko – die erneute exponentielle Zunahme der US-Infektionszahlen – noch nicht sichtbar wird. Reagiert der Devisenmarkt dennoch auf die Juni-Zahlen, ist das also mit Vorsicht zu genießen.

Noch vor kurzem hat der Devisenmarkt solch rezente Daten weitgehend ignoriert und eher auf Meldungen reagiert, die Informationen darüber enthielten, welche mittelfristigen Auswirkungen zu erwarten sind. Wieso der Stimmungswandel? Ich denke, die Sicht, dass nach ein paar Monaten Lockdown eine schnelle (zumindest teilweise) Erholung folgt, ist durch den Infektionsverlauf insbesondere in den USA erschüttert. Wie schon im März geht’s somit wieder darum, wie denn überhaupt der Pandemie Einhalt geboten werden kann.

Im Grunde ist die gesundheitspolitische Aufgabenstellung ein regeltechnisches Problem: Wird zu viel gelockert, wird der Infektionsverlauf wieder exponentiell. Reagiert die Gesundheitspolitik dann zu spät, muss die Reaktion umso heftiger ausfallen. Wer wird diesen epidemiologischen Regelkreis hinbekommen, wer nicht? Mein Vorurteil ist, dass es dort besser klappt, wo die Gesundheitspolitik sachlich und parteiübergreifend gestaltet wird und nicht ideologisch belastet ist. Vielleicht schlägt meine Technokratie-lastige Ausbildung durch. Doch ist dieses diffizile Regelproblem halt nicht dergestalt, dass es im Streit der politischen Parteien mit öffentlicher Kontrolle in üblichen 4- oder 5-jährigen Wahlzyklen gelöst werden könnte.

Daher kann ich mir halt ein Szenario vorstellen, in dem die Europäer, die das weitgehend parteiübergreifend, konsensual behandeln, hinbekommen, Länder wie die USA und Brasilien, in denen die Gesundheitspolitik zum ideologischen Symbol geworden ist, hingegen nicht. Bin ich mir sicher? Keinesfalls. Ich würde solch ein Szenario noch nichteinmal zum Hauptszenario erklären. Aber ich denke, es kann zumindest so wahrscheinlich erscheinen, dass der Devisenmarkt es ersthaft mit einer signifikanten Wahrscheinlichkeit einpreisen muss.

Fragt sich nur, ob das USD-positiv oder USD-negativ wäre. USD-positiv wäre es dann, wenn es wieder so schlimm käme (oder erschiene), dass eine US-Kreditklemme und damit ein Abreißen der USD-Versorgung im Rest der Welt drohen würde – wie im März. Das ist möglich, aber innerhalb des Szenarios nur wenig wahrscheinlich. Plausibler erscheint mir, dass ein USD-negativer Effekt dann dominieren könnte: dass der mittelfristige realwirtschaftliche Schaden für die US-Volkswirtschaft größer zu werden droht und das den Greenback belasten könnte. Unsere moderat EUR-USD-positive Prognose (Jahresende: 1,14) reflektiert, dass (a) dieses Szenario nicht allzu wahrscheinlich ist, aber (b) USD-negativ enden könnte. Prognoseänderungen werden wir dann vornehmen müssen, wenn sich die Wahrscheinlichkeit ändert.

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CNY: „Risk-on“

Die Marktstimmung hat eindeutig Auftrieb erhalten, wodurch USD-CNY im asiatischen Vormittagshandel auf 7,05 zusteuert. Insgesamt betrachtet, mutet die Erholung erfreulich an. Und das scheint anzuhalten, da auch die Konjunktur in den USA und der EU im nächsten Quartal wieder zulegen dürfte. Dass wüste Handelsschlagzeilen ausbleiben, hat die Sorgen der Anleger gegenwärtig zumindest abgemildert. Wie im TagesInfo von letztem Freitag dargelegt, ist daher ein gewisses Aufwärtspotenzial der CNY-Wechselkurse zu erwarten und berechtigt. Allerdings schwelen die Unsicherheitsfaktoren im Hintergrund ausnahmslos weiter. So steigt die Zahl der Virusfälle in den USA aktuell wieder stark an, während Biden im Falle seiner Wahl gegenüber China kaum versöhnlichere Töne anschlagen dürfte. Tatsächlich bestand eine der schmerzhaftesten Erkenntnisse in der Vergangenheit darin, dass allzu viel Selbstgefälligkeit fehl am Platze ist. Demgemäß ist weiter Vorsicht angesagt, zumal die Begeisterung leicht in Euphorie umschlagen könnte.

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