Währung

Die Unabhängigkeit der Zentralbanken ist unter Beschuss

USD: Es ist kaum mehr vorstellbar, dass die verstärkten Attacken des US-Präsidenten nicht auch in absehbarer Zeit in Taten umschlagen. Schließlich hat Trump widerholt unmissverständlich deutlich gemacht, dass er nach eigener Rechtsauffassung berechtigt sei, den Fed-Chair abzulösen. Reif wäre die Zeit für einen solchen Schritt, wenn seine jüngsten Nominierungen für das Board of Governors den Kongress passiert haben. Dann hätte Trump nach eigener Rechtsauffassung die Möglichkeit, Jerome Powell von seinem Amt als Fed-Chair zu entbinden und statt dessen einen seiner neuen Kandidaten einzusetzen. So weit ist es noch nicht. Und noch ist nicht ausgemacht, ob und wann es dazu kommt. Doch frage ich mich, ob diejenigen, die die US-Währung bei einem EUR-USD-Kurs nahe 1,12 kaufen, sich des Risikos bewusst sind, dass es (a) dazu in absehbarer Zeit kommen kann und (b) der Devisenmarkt schon vorher auf die drohende Gefahr mit USD-Schwäche reagiert.

Bei all dem kann man fast vergessen, was am Freitag geschah. Mit 224 Tsd. neu geschaffenen Stellen fiel der US-Arbeitsmarktbericht für den Berichtsmonat Juni besser aus, als alle befragten Analysten im Vorfeld erwartet hatten. Die Pessimisten, die für die US-Wirtschaft vor kurzem noch eine Rezession erwartet hatten, werden großenteils kapitulieren müssen. Das wirkt sich auf die Fed-Erwartungen aus. Ende Juni hatte der Markt noch mehr als drei Fed-Zinssenkungen in diesem Jahr erwartet, mittlerweile liegt die in den Fed-Funds-Futures implizierte Marktsicht nur noch zwischen zwei und drei Zinsschritten. Der Arbeitsmarktbericht hat den Trend der vergangenen Tage nochmal deutlich verstärkt.

Das Problem ist nur, dass die Fed mehr und mehr in die politische Zwickmühle gerät. Senkt er Ende Juli den Leitzins nicht, läuft er schlimmstenfalls Gefahr, das Schicksal seines türkischen Amtskollegen zu teilen. Bestenfalls gibt es einen Verfassungskonflikt in dessen Zentrum die US-Geldpolitik steht. Ich weiß nicht, wer sein Nachfolger wäre. Ein Falke wäre es aber ganz bestimmt nicht. Daher ist auch verständlich, dass heute Morgen die Fed-Erwartungen für Ende des Jahres wieder drehen. In EUR-USD sieht man das noch nicht. Aber der Devisenmarkt ist eh in letzter Zeit träge, wenn’s darum geht, die Fed-Aussicht in USD-Wechselkurse zu übersetzen.

EUR: Die CDU-Chefin und mögliche Merkel-Nachfolgerin Annegret Kramp-Karrenbauer mischt sich in gegenteiliger Richtung in die Geldpolitik ein. Ihr ist der Kurs der EZB zu expansiv. Man mag zu ihrer Kritik an der EZB-Politik stehen, wie man will. Aus meiner Sicht eines FX-Analysten ist an der Forderung, die EZB „einzubremsen“ vor allem problematisch, dass nun auch eine führende deutsche Politikerin die EZB politisiert. Das kennt man (mit entgegengesetzter Schlagrichtung) aus anderen Ländern. Das politische Spitzenpersonal hierzulande hat sich, vielleicht nicht aus sachlichen Gründen, wohl aber aus ordnungspolitischen Erwägungen, bislang eher zurückgehalten. Auch wenn Kramp-Karrenbauers Vorschlag bei Umsetzung EUR-positiv wäre, beschleicht mich das Gefühl, dass ihre Bemerkungen eher Hemmungen bei denjenigen fallen lassen, die sich bislang zurückgehalten haben. Am Ende mag das – wenn’s der neue Stil der wird – eher EUR-negativ enden.

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WKN Typ Basiswert Merkmale
CU2XLS Long EUR/USD Faktor: 10
CD910E Short EUR/USD Faktor: -10

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