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Die Folgen des Brexit

Der Dollar erholt sich

EUR-USD wieder unter 1,03, der USD-Index (DXY) über 107: Der US-Dollar erholt sich.

Wie ich schon während der großen USD-Korrektur geschrieben hatte, ist’s nach solch einer schnellen Bewegung der USD-Kurse normal, dass eine Korrektur einsetzt. Alle diejenigen, die während des USD-Rutsches der vergangenen zwei Wochen nur deshalb aufgesprungen waren, weil sie dem Trend hinterherrannten, verabschieden sich typischerweise von ihren USD-Positionen, sobald dieser Trend ausläuft (was er bei EUR-USD-Niveaus um 1,04 letzte Woche tat).

Wie weit diese Erholung der US-Währung geht, wird davon abhängen, wie hoch der Anteil dieser Trendfolger an der USD-Schwäche war. Erwarten Sie, liebe Leser, bitte nicht, dass ich als fundamental argumentierender Analyst das auch nur halbwegs zuverlässig abschätzen kann. Dazu bedürfte es Daten, die nicht vorliegen: wer aus welchen Motiven zuvor USD-Verkäufe getätigt hat.

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Die Folgen des Brexit

Am Freitag habe ich an dieser Stelle etwas schnodderig angemerkt, die Briten würden auch ganz ohne Gaskrise eine besonders heftige Rezession hinbekommen. Natürlich fragt sich, warum das so ist. Denn davon hängt ab, wann und wie schnell sich die britische Wirtschaft wieder erholt – was wiederum für die Pfund-Bewertung heute relevant ist.

Nun, zu den Gründen für die wirtschaftliche Malaise im Vereinigten Königreich haben sich in den letzten Tagen einige kompetente Stimmen zu Wort gemeldet.

  • MPC-Mitglied Swati Dhingra hat sehr eindeutig den Brexit für einen guten Teil des Einbruchs des UK-Außenhandels verantwortlich gemacht.
  • Das OBR (Office for Budget Responsibility) hat sich dieser Einschätzung angeschlossen.

Diese Aussagen sind nicht trivial. Weil Brexit und Pandemie fasst zeitgleich eintraten, ist nicht leicht auszumachen, auf welchen dieser Faktoren die Reduktion des UK-Außenhandels zurückzuführen war. Aber so langsam lichtet sich der Nebel und die Ursachen sind besser ablesbar.

Wer in den letzten Jahren meine Kommentare zum Brexit gelesen hat, mag mich als voreingenommen wahrnehmen, wenn ich jetzt sage, der Brexit gereiche den Briten zum Schaden. Daher verweise ich lieber auf Expertenmeinung.

Eine Anmerkung sei mir aber noch gestattet: Reduzierter Außenhandel ist sicherlich für eine mittelgroße, offene Volkswirtschaft wie die britische ein Problem, weil das potenzielle Wachstum dadurch spürbar reduziert werden dürfte. Ein weiteres Problem ist aber der Mangel an Investitionen.

Auch hier gilt: Die Pandemie führte weltweit zu einem Rückgang der Investitionen. Aber schon vor deren Ausbruch (konkret: seit dem Brexit-Referendum 2016) kann man in Großbritannien eine im Vergleich zum Euroraum oder den USA sichtbare Investitionszurückhaltung beobachten. Und mittlerweile ist auch klar, dass diese Zurückhaltung auch nach der Pandemie und dem Brexit-Vollzug anhält (Abbildung 2).

Ein Land, in dem nicht investiert wird, wird aber mittel- bis langfristig nicht so schnell wachsen können, wie Regionen, in denen der Kapitalbestand wächst bzw. auf neuerem Stand gehalten wird. Und wenn’s langsamer wächst, dürfte auch sein realer Wechselkurs gegenüber dynamischeren Währungsräumen tendenziell sinken.

Ganz abgesehen von dem, was die Bank von England aufgrund der schlechten Konjunktur in nächster Zeit tut oder lässt und ganz abgesehen davon, was die britischen Finanzminister in der Vergangenheit, jetzt oder in der Zukunft richtig oder falsch machen, spricht dieser Faktor für ein schwaches Pfund.

Denn eines scheint relativ klar zu sein: Diese Regierung wird nicht wesentlich die Entscheidung für einen harten Brexit revidieren. Am Wochenende kamen Gerüche auf, in Downing Street erwäge man eine EU-Assoziation à la Schweiz. Doch kaum war die Meldung auf den Nachrichtentickern gelandet, dementierte die Regierung solche Gerüchte in Bausch und Bogen. Ich bin kein Experte für britische Politik, doch scheint mir, dass zumindest keine Tory-Regierung vom harten Brexit abrücken kann, ohne um Wähler zu fürchten.

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Die Kypto-Krise

Weil ich den Krypto-“Währungen” die Eignung als Währungen im klassischen Sinn von Aristoteles (Zahlungsmittel / Tauschmittel / Recheneinheit) abspreche, sehe ich eigentlich diese “Währungen” nicht als Gegenstand der Analyse von Commerzbank FX Research. Weil aber alle Welt gerade mal wieder darüber redet und weil sie halt “Währung” genannt werden, kann ich mir einen Kommentar nicht verkneifen.

Ohne Details der Pleite einer großen Krypto-Börse beurteilen zu wollen, kann man doch feststellen:

Die Idee, eine Währung komplett freien, unregulierten Marktkräften zu überlassen, ist fraglich. Jede Art von Kapitalismus bedarf in ihrem Kern eines Bereiches, der vor dem Markt geschützt ist. Wo Universitäts-Diplome, Gerichtsurteile etc. käuflich sind, bricht jedes kapitalistische System zusammen. Die Frage ist also: Gehört die Regulierung von Währungen (nicht zu verwechseln mit vom Staat emittierten Währungen!) zu diesem unbedingt zu schützenden Bereich?

Krypto-Fans werden an dieser Stelle einwerfen, dass Blockchain-basierte Krypto-Währungen sehr wohl feste Regeln haben und dass die Probleme von Krypto-Börsen ja lediglich Probleme der Schnittstellen zwischen dieser Sphäre und dem Bereich der konventionellen Währungen darstellen. Dazu kann man entgegnen:

Ohne funktionierende Schnittstellen haben Krypto-Währungen nicht einmal eine theoretische Chance, sich als Währung im aristotelischen Sinn durchzusetzen. Sie bleiben reine Spekulationsobjekte wie Tulpenzwiebeln, Protz-Uhren oder Oldtimer. Vielleicht ein interessantes, aber kein relevantes Feld…

Die Mär von einer unveränderlich festgelegten Geldmenge ist Unsinn. Sobald der erste Kredit z.B. in Bitcoin vergeben würde (also Geldschöpfung durch Kreditvergabe stattfände), wäre die im Umlauf befindliche Bitcoin-Geldmenge größer als die scheinbar unveränderliche Menge an Bitcoin-Angebot. Wer würde dann die Geldmenge regeln?

Ist es wirklich erstrebenswert, dass Entscheidungen darüber, welche aktuellen oder vergangenen finanziellen Transaktionen als rechtens gelten und welche als null und nichtig anzusehen sind, einer Mehrheitsentscheidung unterworfen wird – wie das in Blockchain-basierten Systemen der Fall ist? Schließlich werden damit grundsätzliche Eigentumsrechte dem Mehrheitsentscheid unterworfen. Ich halte das und damit jedes Blockchain-basierte Transaktionssystem (nicht nur Krypto-Währungen!) für grundsätzlich brandgefährlich.

DAX-Tief erst im März 2023?

In der Vergangenheit markierte der DAX im März 2003, März 2009 und März 2020 jeweils Tiefpunkte infolge von Rezessionen. Zurzeit gibt es gemischte Signale: Ifo-Index, DAX-Kurs-Gewinn-Verhältnis und pessimistische Profi-Investoren sprechen für den Aktienkauf. Dagegen raten die immer restriktivere US-Geldpolitik und ambitionierte Gewinnmargen-Erwartungen, weiterhin abzuwarten. Der Bärenmarkt dürfte noch anhalten. Wiederholt sich also die Geschichte und Anleger sehen das DAX-Rezessionstief erneut im März?

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