Währung

Die EZB droht dem Devisenmarkt

Die EZB droht dem Devisenmarkt

Es hörte sich alles so schön an, was EZB-Präsidentin Lagarde gestern auf der Pressekonferenz zu sagen hatte: eine gehörige Portion Corona-Optimismus, der Ausblick darauf, dass die EZB – wenn alles gut läuft – ihr PEPP-Volumen vielleicht gar nicht ausschöpfen muss… Entsprechend konnte der Euro zunächst moderat zulegen. Doch gegen Ende der Pressekonferenz kam’s dann: die Frage nach der Euro-Stärke. Lagarde nahm das zum Anlass, eine kaum verhohlene Drohung an den Devisenmarkt auszusprechen: Die EZB würde die Wechselkursentwicklung “sehr genau, sehr genau” beobachten. Und im selben Atemzug: Sie könne alle Instrumente anpassen, nichts sei ausgeschlossen. Jeder Praktikant auf jedem FX-Floor dieser Welt versteht, was damit gemeint war: dass die EZB, wenn die Devisenhändler es nicht unterlassen, EUR-USD stärker zu handeln als dem Geschmack der EZB entspricht, ihren Leitzins senken kann und denjenigen Marktteilnehmern, die EUR-Long-Positionen halten, empfindliches Übel zufügen kann.

Erstmal: So stark ist der Euro auch nicht. Kurzfristig nicht, denn vor einigen Tagen handelte EUR-USD auch schon mal über 1,23. Und auf lange Frist sowieso nicht. Nach üblichen Bewertungs-Maßstäben ist Europas Währung gegenüber dem Dollar immer noch extrem unterbewertet, nur nicht mehr ganz so extrem wie vor einem Jahr (Abbildung). Aber das sind ja heutzutage keine Argumente mehr, die bei Zentralbankern ankommen. Bestes Beispiel ist die polnische Zentralbank (NBP), die kurz vor Weihnachten am Devisenmarkt intervenierte, obwohl der Zloty (gegenüber EUR) rund 5% schwächer notierte als vor Jahresfrist. Hier geht es nicht um die Korrektur exzessiver Wechselkursschwankungen. Hier geht es platt darum, heimischen Exporteuren und Unternehmen, die gegen Importe konkurrieren, einen Vorteil zu verschaffen. Die EZB ist die letzte Zentralbank, die sich darüber aufregen kann. Denn sie ist kaum besser.

Die EZB reiht sich ein in die Riege derjenigen Zentralbanken, die – weil heimische Instrumente weitgehend erschöpft sind – den Wechselkurs als “Instrument” der Geldpolitik entdecken. Gerade zu einem Zeitpunkt, wo die neue designierte US-Finanzministerin die USA wieder zum Verteidiger marktbestimmter Wechselkurse macht, fällt Lagarde ihr in den Rücken. Die Glückwünsche und freundlichen Worte Lagardes für Janet Yellen klingen in der Retrospektive wie Hohn. Die EZB untergräbt die multilateralen Arrangements, die die neue US-Administration gerade wieder zum langfristigen Vorteil aller stärken will. Die funktionieren aber nur, wenn wenigstens die großen Zentralbanken sie verteidigen. Dass kleinere (wie die NBP) ausscheren, ist schlimm genug.

Klar, die Wechselkursentwicklung hat Einfluss auf die Inflationsraten. Daher ist es nur recht und billig, dass Zentralbanken bei unterschiedlichen Wechselkursen ihre Geldpolitik unterschiedlich gestalten. Aber eben nicht so, dass sie auf bestimmte Wechselkursentwicklungen abzielen, wie es Lagarde gestern getan hat. Reaktion ist erlaubt und notwendig, Aktion gehört sich nicht. Dieser Unterschied ist diffizil; und es mag auf den ersten Blick haarspalterisch erscheinen, dass ich darauf herumreite. Aber er ist entscheidend. Nicht auf Wechselkursentwicklungen abzuzielen: das haben sich die G7-Notenbanken und -Finanzminister einst in die Hand versprochen. Man mag es als verwerflich ansehen, dieses Versprechen zu brechen. Hinzu kommt: Es ist auch nicht klug. Die G7 haben sich das Versprechen gegeben, weil sie einst wussten, dass aktive Wechselkursmanipulation sich aufschaukeln kann. “Währungskrieg” nennt man das dann (auch wenn einige Leser diesen Begriff kritisieren, er ist halt der terminus technicus).

Die USA als Emittent der Weltleitwährung säßen in einem Währungskrieg am längeren Hebel. Lagardes gestrige Bemerkung ist vielleicht nur ein Tropfen im Fass des Langmuts der US-Administration. Würde dieses Fass aber eines Tages überlaufen, zählte Europa sicherlich zu den Verlierern.

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CNY: Das USA-China-Verhältnis

Eine offensichtliche Frage, die insbesondere Anlegern in Asien unter den Nägeln brennt, betrifft Bidens China-Politik, die sich Stück für Stück klarer abzeichnet. Die designierte Finanzministerin Janet Yellen hat die China-Politik in einem ausführlichen Dokument dargelegt und darin Fragen der Mitglieder des Finanzausschusses des Senats beantwortet. Zunächst betonte sie, dass der Handelsdeal zwischen den USA und China überprüft werden müsse und die Zölle bis auf Weiteres in Kraft blieben. Ebenso bekräftigte sie, die neue Regierung werde das „gesamte Instrumentarium“ nutzen, um Chinas „wettbewerbsfeindlichen Wirtschaftspraktiken“ die Stirn zu bieten. Überdies müssten die USA der weltweiten „wirtschaftlichen Staatskunst“ Chinas entgegentreten und Partnerschaften aufbauen, um sich von der „One-Belt-One-Road“-Initiative Chinas abzuheben. Insgesamt decken sich Yellens Aussagen mit dem designierten Außenminister Antony Blinken, der sagte, dass Präsident Trumps richtig darin lag, eine härtere Gangart gegenüber China einzuschlagen. Da die USA China als strategischen Konkurrenten betrachten, werfen geopolitische Unsicherheitsfaktoren zweifellos bereits ihre Schatten voraus. Das dürfte einige Volatilität verursachen, gegen die die chinesische Währung kaum immun sein wird.

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