Währung

Die Erkrankung des US-Präsidenten und der Devisenmarkt

Die Erkrankung des US-Präsidenten und der Devisenmarkt

Man hätte bei einem symptomarmen Verlauf vermuten können, dass US-Präsident Donald Trump aus seiner Covid-Infektion politisches Kapital schlagen könnte, ähnlich wie Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro. So nach dem Motto: “Seht ihr, ich hab’ ja nichts; die ganze Aufregung um die Pandemie ist unberechtigt.” Diese Möglichkeit ist vorbei. Der US-Präsident musste Sauerstoff erhalten, er selbst wirkte in einem kurzen Vidieo-Clip deutlich demütiger. Indirekt gab er Fehler bei der Einschätzung der Pandemie zu. Gleichzeitig zeigte seine kurze Ausfahrt (und die Gefährdung der dazu abgestellten Sicherheitsbeamten), dass er im Umgang mit der Infektion wenig gelernt hat. Summa summarum: Unter denjenigen Wählern, die rationalen Argumenten zugänglich sind, dürfte er auf beiden Seiten (in Anhängerschaft und bei unentschlossenen) Wähler verlieren.

Das Problem des Devisenmarktes ist angesichts dieser Entwicklung: Man weiß nicht, ob das größte Risiko der US-Wahl – ein langer politischer und juristischer Kampf um den Wahlausgang – damit geringer oder größer geworden ist. Solch ein Kampf ist nur wahrscheinlich, wenn Herausforderer Joe Biden gewinnt. Das mag nun wahrscheinlicher geworden sein. Würde Biden hingegen mit solchem Vorsprung gewinnen, dass es auf die Briefwahl-Stimmen gar nicht mehr ankommt, würde sich Trumps wahrscheinliche Strategie (den Wahlausgang wegen angeblicher Unregelmäßigkeiten bei der Briefwahl nicht anzuerkennen) in Luft auflösen. Vielleicht würde er ja doch eine Niederlage anerkennen und freiwillig seinen Schreibtisch räumen?

Im asiatischen Handel heute Morgen gab der Dollar gegenüber dem Euro nach, konnte gegenüber dem Yen und gegenüber Gold aber zulegen. Risk-on? Könnte man leicht erklären: Der Devisenmarkt mag darauf anspringen, dass es Trump wieder besser geht, ein Ausfall des Präsidenten in den nächsten Tagen daher manchem unwahrscheinlicher erscheinen mag und daher ein weiteres politisch unkalkulierbares Risiko – der Ausfall eines Kandidaten so kurz vor der Wahl – geringer erscheint. Allerdings: Dazu hätte es am Freitag – als die Meldung der Erkrankung des US-Präsidenten eintraf – erstmal risk-off geben müssen. Wer die Kursbewegungen vom Freitag so interpretieren will, soll mir bitteschön erklären, warum z.B. der südafrikanische Rand (typischerweise eine der Währungen, die am meisten unter risk-off leiden) am Freitag zulegen konnte.

Ich glaube, wir müssen einen viel profaneren Mechanismus akzeptieren: dass die Devisenhändler sich nicht einig sind, wie der jüngste Nachrichtenfluss zu interpretieren ist. Von einem “durchschnittlichen Marktteilnehmer” auszugehen macht nur Sinn, wenn man unterstellt, dass zwischen verschiedenen Marktsegmenten (G10, EM, Edelmetalle etc.) ein Ausgleich der Risiken stattfinden kann. Auf Sicht von ein paar Wochen ist das sicherlich eine plausible Annahme. Doch so schnelle Entwicklungen wie die Erkrankung des US-Präsidenten überfordern oft den Markt in dieser Hinsicht. Solange das so ist, ist’s gar nicht möglich, eine konsistente “Sicht des Marktes” zu formulieren, die alle beobachteten Wechselkursbewegungen erklärt.

Das hört sich jetzt danach an, dass ich Ihnen wortreich erklären will, ich hätte heute Morgen nichts Konstruktives beizutragen. Das ist aber nicht so. In den nächsten Tagen ist damit zu rechnen, dass diese Inkonsistenzen verschwinden – wenn G10-, EM- und Edelmetallhändler zwischen sich Risiken handeln. Das heißt: All die seltsamen Inkonsistenzen (z.B. zwischen JPY- und ZAR-Verlauf) dürften verschwinden.

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Japans Banken-Konsolidierung und der Yen

Japans neuer Premierminister Yoshihide Suga schien anzudeuten – so die Interpretation einiger Marktbeobachter – dass er eine Konsolidierung in Teilbereichen des japanischen Bankensektors anstrebt. Diese Hoffnung scheint – folgt man der Argumentation in der Presse – zu erodieren. Warum ist das für den Devisenmarkt interessant? Nun, einige Zentralbanken wollen mit ihrer Geldpolitik den Banken so viel Schmerz zufügen, dass sie zu einer expansiven Kreditpolitik gedrängt werden. Die Bank von Japan (BoJ) hingegen nimmt seit geraumer Zeit auf ihren Bankensektor mehr Rücksicht. So hat sie nie eine brutale Negativzins-Politik (z.B. à la EZB) betrieben, sondern diese durch Freibeträge so weit verwässert, dass sie zwar ihre geldpolitische Wirkung weitgehend verlor, aber dafür den Bankensektor weit weniger belastete. Jeder Schritt zur Erhöhung der Resilienz der heimischen Banken (und dazu gehört u.a. Konsolidierung) würde die BoJ in die Lage versetzen, diese Rücksichtnahme zurückzuschrauben. Ihre Fähigkeit zu echter expansiver Geldpolitik würde erhöht. Scheitern Sugas Konsolidierungspläne (oder werden sie auf den Sanktnimmerleins-Tag verschoben) dann gibt’s diese Chance nicht. Dann kann die BoJ auch mittelfristig nicht ohne Rücksicht auf die heimischen Banken agieren. Ihr geldpolitischer Handlungsspielraum bleibt so beschränkt wie eh und je. Und ihre Mittel zur Yen-Schwächung bleiben begrenzt. Alles in allem wäre das ein JPY-positives Signal. Zugegeben: Das ist kein Thema für die JPY-Bewegung in Stunden- oder Tage-Frequenz. Aber eines, das im Hinterkopf zu halten ist.

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Vor der Reserve Bank of Australia-Entscheidung

Morgen früh (bevor Sie die nächste Ausgabe der TagesInfo in den Händen halten) steht die Entscheidung der Reserve Bank of Australia (RBA) an. Allgemein wird erwartet, dass sie morgen erstmal den Leitzins unverändert bei 0,25% beläßt. Spannend wird, welche Optionen für eine spätere geldpolitische Lockerung sie präsentiert: eine weitere Zinssenkung, vielleicht sogar negative Zinsen, Käufe lang laufender Staatsanleihen oder gar Interventionen gegen den australischen Dollar?

Wie die allermeisten Zentralbanken weltweit ist die RBA nahe dem Ende konventioneller geldpolitischer Möglichkeiten. Und wie die meisten anderen sucht sie – angesichts deutlich empfundenen Handlungsdrucks – nach weiteren unkonventionellen Instrumenten. Ein Eingeständnis der eigenen Handlungsunfähigkeit wäre die schlechteste Option, so die allgemeine Denke in Zentralbank-Kreisen.

Nun ist das Instrument “Negativzins” nicht mehr wirklich attraktiv. Weitere Staatsanleiehnkäufe wären möglich. Da sind viele Zentralbanken aggressiver als die RBA. Aber ehrlich: deren Effektivität scheint – so die weltweite Erfahrung – sehr gering zu sein. Vorsichtig ausgedrückt. Blieben Interventionen. Davor sorgt sich der Devisenmarkt verständlicherweise. Allerdings hat sich RBA-Vize Guy Debelle auch bezüglich dieses Instruments jüngst skeptisch gezeigt. Die RBA steckt zwar nicht in der engen Zwangsjacke der G7-Zentralbanken, die sich versprochen haben, von Interventionen die Finger zu lassen. Das G20-Korsett ist diesbezüglich wesentlich lockerer. Aber Debelle gab zu, dass die fundamentalen Faktoren kaum Raum für eine sinnvolle und erfolgreiche Interventionsstrategie lassen. Wenn nicht fundamental schwierige Bewertungen unsinnig sind, dann sind Interventionen selten nachhaltig erfolgreich. So die Denke der RBA. Freilich sind verzweifelte Zentralbanken zu vielem fähig – auch zu unsinnigen Maßnahmen, Daher bleibt bei jeder RBA-Entscheidung ein Rest Sorge. Der kann – wenn die RBA morgen nichts zu Interventionen sagt – nachlassen. Ganz verschwinden wird dieser Belastungsfaktor für den Aussie hingegen wohl kaum.

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