Währung

Die Brexit-Endlosschleife – Wie geht’s weiter?

GBP: Irgendwie habe ich das Gefühl, beim Brexit-Prozess in einer Endlosschleife zu sitzen: lange Debatten im Parlament, Abstimmungen, wieder lange Debatten im Parlament, wieder Abstimmungen, die nur zu weiteren langen Debatten führen. Letztendlich sind wir keinen Deut weiter als noch im Dezember, als Premierministerin Theresa May entschied, die erste Abstimmung für ihren Plan A zu verschieben. Jedes Mal, wenn man hofft, endlich einen Schritt weiter zu kommen, heißt es wieder: Zurück auf Los. Jetzt warten wir also nach Plan A und B auf Plan C, den May dem Parlament angeblich am 13. Februar vorlegen und am 14. Februar zur Abstimmung bringen möchte. Wobei unklar ist, ob die EU diesem Plan zustimmen würde. Aber vielleicht kommt es ja doch zu einer Verschiebung von Artikel 50, um Zeit für noch mehr Debatten im Parlament und Verhandlungen mit der EU zu erhalten.

Und unter diesen Umständen muss die Bank of England (BoE) auch noch verantwortungsbewusste Geldpolitik betreiben. Kein einfacher Job, denn je nach Austrittsszenario können teils erhebliche wirtschaftliche und monetäre Verwerfungen völlig unterschiedliche Reaktionen notwendig machen. Deshalb wird die BoE auf ihrer Sitzung heute stillhalten und sich vermutlich auf ihre bisherigen Ausführungen berufen: dass es keine automatische Reaktion auf einen eventuellen „No Deal“ Brexit geben wird, sondern der Leitzins sich in unterschiedliche Richtungen bewegen kann. Schon im November hatte die BoE die verschiedenen Reaktionsfunktionen beschrieben, die sich nur wenig geändert haben dürften, denn schließlich treten die Entscheidungsträger in London seitdem auf der Stelle, was den Brexit-Prozess anbelangt: (1) Bei einem No-Deal Brexit sind aufgrund der möglichen wirtschaftlichen Folgen erst einmal keine Zinserhöhungen absehbar, sondern sogar Zinssenkungen wahrscheinlich, auch wenn die Inflation das Ziel überschießt. (2) Außer natürlich, es muss ein Kollabieren des Pfundes im Fall eines ungeordneten Austritts verhindert werden. Dann würde die BoE den Leitzins sogar erhöhen. Ebenso in dem Fall, dass es einen massiven Angebotsschock ungewohnten Ausmaßes mit einem dramatischen Anspringen der Inflation gäbe. Bei diesem Punkt könnte sich möglicherweise die Meinung der BoE seit November geändert haben, schließlich ist das Risiko eines ungeordneten Brexit seit Herbst gestiegen und die BoE könnte mittlerweile bei einem harten Brexit generell eher zu Zinssenkungen tendieren. (3) Gibt es eine gütliche Einigung, erwartet die BoE ein Anspringen der Nachfrage. Das wiederum spräche dafür, dass bei diesem Szenario der Leitzins sogar schneller als derzeit geplant angehoben werden könnte, schließlich steigen die Löhne seit September spürbar und die Arbeitslosenquote sank auf 4%, was den Inflationsdruck erhö-hen könnte. Im Fall eines weichen Brexit stünde deshalb wohl eine Zinserhöhung noch vor Jahresende an. Genaueres zu diesem Punkt dürften wir heute im Inflationsbericht der BoE sehen.

Für alle Beteiligten, BoE, UK, EU, Wirtschaft und Bevölkerung, wäre sicherlich ein weicher Brexit die beste Alternative. Aber ob es dazu kommt, ist nach wie vor alles anders als sicher, weshalb wir unverändert der Meinung sind, dass der Markt das Risiko nicht genügend im Pfund einpreist. Zumindest trifft May heute Kommissionspräsident Juncker und EU Präsident Tusk in Brüssel, um insbesondere noch mal den Backstop (irische Grenze) zu sprechen. Warten wir ab, was dabei rauskommt. Ich bin jedoch offen gesagt wenig optimistisch.

Produktidee: Faktor-Zertifikate

WKN Typ Basiswert Merkmale
CV0V44 Long EUR/GBP Faktor: 5
CV0V49 Short EUR/GBP Faktor: -5

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