Währung

Devisenmarkt: Yellen vs. Summers – Ist das US-Fiskalpaket zu groß?

Ist das US-Fiskalpaket zu groß?

Letzte Woche sorgte ein Gastbeitrag des Ökonomen Larry Summers in einer US-Tageszeitung für Wirbel. Summers argumentiert, das geplante Fiskalpaket der Biden-Administration sei schlicht und ergreifend zu groß. Der realwirtschaftliche Rücksetzer, den die Corona-Pandemie für die wirtschaftliche Aktivität in den USA bewirkt hat, würde dadurch mehr als kompensiert. Als Konsequenz fürchtet er:

“[T]here is a chance that macroeconomic stimulus […] will set off inflationary pressures of a kind we have not seen in a generation, with consequences for the value of the dollar and financial stability.”

Nun gibt’s ja viele Ökonomen, die die Angst vor Inflation plagt. Ähnlich wie in den Jahren nach 2008, als die unkonventionelle Geldpolitik solche Ängste schuf. Bekanntermaßen haben sich die damaligen Ängste als unbegründet erwiesen. Und deshalb haben Inflations-Warner derzeit keinen leichten Stand. Allerdings: Summers gehörte bislang nicht in dieses Lager. Ganz und gar nicht. Daher ist sein Warnruf besonders eindringlich.

Für den Dollar ist eine Reflationierung eine zweischneidige Sache. Gegen Jahreswechsel hatten wir die USD-Schwäche mit steigenden US-Inflationserwartungen begründet. In letzter Zeit schienen mir die weiter steigenden Inflationserwartungen (Abbildung 1) eher eine Belastung für den Greenback zu sein. Ich höre Sie schön stöhnen, liebe Leser. “Die drehen sich die Argumente zurecht, wie sie gerade mögen”, werden Sie denken. Das Problem ist nur: Die Welt ist komplex; insbesondere ist sie nicht linear. Wer Ihnen den Devisenmarkt gefälliger und eingängiger erklärt, läuft Gefahr, wichtige Aspekte unter den Tisch fallen zu lassen.

Es ist halt so: Die US-Notenbank Fed hat im August 2020 ihre Strategie geändert. Sie hat deutlich gemacht, dass sie diesmal (anders als 2015/2016) nicht frühzeitig die Geldpolitik straffen würde. Auch dann nicht, wenn sie erwarten müsste, dass die Inflation moderat über das Ziel von 2% steigt. Solange der Markt für die US-Inflation nur Zielerreichung bzw. nur knappes Überschießen des Inflationszieles erwartete, konnte er auf absehbare Zeit kein vernünftiges Motiv einer Straffung der Fed-Geldpolitik erkennen. Höhere zukünftige US-Inflation, aber keine höheren zu erwartenden US-Zinsen: das war ein USD-negatives Szenario.

Mit noch weiter steigenden Inflationserwartungen änderte sich freilich das Bild. Momentan geht der Markt davon aus, dass die durchschnittliche CPI-Inflation zwischen 2026 und 2031 über 2,4% liegen wird (Chart 1), was wohl für das Inflationsmaß der Fed (den PCE-Deflator) etwas um 2,2% implizieren dürfte. Würde die Fed auch ein so langes sichtbares Überschießen ihres Zieles ohne Straffung der Geldpolitik tolerieren? Da kann man schon nicht mehr so sicher sein. Deshalb sind die Inflationserwartungen auf aktuellen Niveaus anders zu interpretieren: Sie sind Vorbote für mögliche höhere US-Zinsen. Nicht 2021 und wahrscheinlich nicht 2022; und sicher ist’s auch auf die lange Frist bei weitem nicht. Aber die Hoffnung keimt auf. Und das ist USD-positiv. Denn typischerweise steigen, wenn die Fed die geldpolitischen Zügel strafft, die Zinsen stärker als die Inflation. Wer dann USD hält, wird für den Inflations-Nachteil mehr als kompensiert. Das will keiner verpassen, weswegen in den letzten Wochen der Dollar zulegte.

Summers freilich spielte auf ein anderes Risiko an: dass der Fed die Inflationsentwicklung entgleiten könnte, weil sie – gemäß ihrer neuen Strategie – zu lange warten könnte, bevor sie agiert. Diese Argumentation kennen wir von den typischen Inflations-Warnern zur Genüge. Dass das von Summers kommt, das ist das Neue.

Am Wochenende antwortete US-Finanzministerin Janet Yellen in einem TV-Interview auf Summers. Es ist die typische Antwort eines Zentralbankers auf die Frage nach Inflationsrisiko:

“We have the tools to deal with that risk if it materializes.”

Hier spricht die alte Zuversicht der ehemaligen Fed-Cheffin, die jahrelang Angst vor Deflation hatte, aber aus den erfolgreichen Jahrzehnten der Geldpolitik vor 2008 die Zuversicht schöpft, dass Zentralbanken Inflation relativ einfach in den Griff bekommen.

Doch mag der eine oder andere Devisenhändler zweifeln. Zwei Gründe dafür, dass solche Zweifel berechtigt sind:

  • Als ich die Ökonomik gelernt habe, erschien noch völlig klar, dass es andersherum ist: dass Inflationsbekämpfung schwer ist und Deflationsbekämpfung einfach. Man mag argumentieren, dass die Erfahrung der letzten Jahre zumindest lehrt, dass auch Deflationsbekämpfung schwer sein kann. Aber das heißt nicht, dass Inflationsbekämpfung einfach ist. Nur weil’s wenige gibt, die sich noch an die 1970er erinnern können, sollte man nicht die Lehren dieser Zeit (als eben die Inflationsbekämpfung nicht gelang) vergessen.
  • Yellen (wie die Fed nach 2008 unter Ben Bernankes und ihrer Führung) hat übertrieben optimistische Vorstellungen von der Entwicklung der Realwirtschaft. Der Arbeitsmarkt könne schon wieder 2022 Vollbeschäftigung erreichen – wenn nur das Fiskalpaket kommt, wie von ihr geplant. Normal wäre das nicht. Normal wäre, was unsere US-Ökonomen prognostizieren (Abbildung 2): dass das US-BIP nicht auf Vor-Wachstumspfad zurückkehrt. Weil sich Produktions- und Konsumverhalten durch Corona dauerhaft geändert haben und/oder weil – wie Thomas Frieden, ehemaliger Direktor des CDC sagt – Corona dauerhafte Verhaltensänderungen nötig macht: “I don’t think the world has really absorbed the fact that these are long-term changes.” Yellen mag der Vorstellung anhängen, dass diese dauerhafte Verschiebung des BIP-Pfades vermeidbar ist. Will sie (und ihr Chef Präsident Joe Biden) das mit Fiskalpolitik erzwingen und würgt die Fed ihr ansinnen nicht durch restriktive Geldpolitik ab (was erhebliche Chuzpe erfordern würde), ist eine inflationäre Überhitzung, vor der Summers warnt, möglich.

All das spricht dafür, sich vor allzuviel USD-Euphorie zu hüten. Dass EUR-USD wieder über der 1,20-Marke handelt (freilich ausgelöst durch den enttäuschenden US-Arbeitsmarktbericht am Freitag) erscheint mir “gesünder” als die steile USD-Rallye zuvor.

Frühere Wertentwicklungen, Prognosen und Simulationen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.
Produktidee: BEST Turbo-Optionsscheine
WKNTypBasiswertMerkmale
SB96R8CallEUR/USDHebel: 8,4
SB2ESDPutEUR/USDHebel: 9,4
Die Darstellung der genannten Produkte erfolgt lediglich in Kurzform.
Die maßgeblichen Produktinformationen stehen im Internet unter https://sg-zertifikate.de zur Verfügung. Den Basisprospekt sowie die Endgültigen Bedingungen und die Basisinformationsblätter erhalten Sie bei Klick auf die WKN.
Sie sind im Begriff, ein komplexes Produkt zu erwerben, das nicht einfach ist und schwer zu verstehen sein kann. Bitte beachten Sie, dass bestimmte Produkte nur für kurzfristige Anlagezeiträume geeignet sind. Wir empfehlen Interessenten und potenziellen Anlegern den Basisprospekt und die Endgültigen Bedingungen zu lesen, bevor sie eine Anlageentscheidung treffen, um sich möglichst umfassend über die potenziellen Risiken und Chancen des Wertpapiers zu informieren, insbesondere um die potenziellen Risiken und Chancen der Entscheidung, in die Wertpapiere zu investieren, vollends zu verstehen. Die Billigung des Basisprospekts durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht ist nicht als ihre Befürwortung der angebotenen Wertpapiere zu verstehen.

Keine Panik im kanadischen Dollar bitte

Natürlich ist eine Zahl von über 200 Tsd. Jobverlusten und ein Anstieg der Arbeitslosenquote von 8,8% auf 9,4% im Januar in Kanada erst einmal ein Schocker. Der Grund hierfür liegt in erster Linie in den neuen Lockdowns der großen Provinzen Ottawa und Quebec zum Jahreswechsel. Die Verluste gingen voll auf das Konto der Teilzeitjobs, die insbesondere in den von den Lockdowns außerordentlich stark betroffenen Wirtschaftszweigen wie Gastronomie, Hotellerie, Einzelhandel und Freizeit in den beiden großen Wirtschaftsregionen litten. Aber so schlimm sieht es in Kanada grundsätzlich nicht aus, im Gegenteil. Ohne Quebec und Ontario weist die Beschäftigung im Januar einen Anstieg auf. Außerdem wurden sogar landesweit im Januar über 12 Tsd. neue Vollzeitstellen geschaffen und die gearbeiteten Stunden stiegen entsprechend an. Das zeigt: abgesehen von den Wirtschaftszweigen, die weltweit am härtesten von den Einschränkungen getroffen sind und in denen sich die Beschäftigungsverluste konzentrieren, läuft es in Kanada konjunkturell ordentlich und steigt die Zuversicht, wie der Anstieg des Einkaufsmanagerindex im Januar wiederspiegelt. Ergo sind Erwartungen einer schnellen Erholung im weiteren Jahresverlauf gerechtfertigt. Damit ist Panik im kanadischen Dollar nicht gerechtfertigt, im Gegenteil: Ich bleibe bei meiner Meinung, dass ähnlich wie die australische Notenbank auch die kanadische Notenbank sich eher früher als später einer Taper-Diskussion ausgesetzt sehen könnte, vor allem, wenn die Konjunkturdaten in den nächsten Wochen erfreulich ausfallen. Weshalb der CAD wohl weiterhin eher fester tendieren und damit irgendwann die Bank of Canada (BOC) dazu nötigen wird, sich eine Taktik zu überlegen, um eine zu starke Aufwertung der Währung zu verhindern, die die wirtschaftliche Erholung abbremsen könnte. Im Hinblick darauf dürften vor allem die Sitzungen der BoC im März und April interessant werden.

Produktidee: BEST Turbo-Optionsscheine
WKNTypBasiswertMerkmale
CJ9LWTCallEUR/CADHebel: 7,6
CJ4VFTPutEUR/CADHebel: 7,5
Die Darstellung der genannten Produkte erfolgt lediglich in Kurzform.
Die maßgeblichen Produktinformationen stehen im Internet unter https://sg-zertifikate.de zur Verfügung. Den Basisprospekt sowie die Endgültigen Bedingungen und die Basisinformationsblätter erhalten Sie bei Klick auf die WKN.
Sie sind im Begriff, ein komplexes Produkt zu erwerben, das nicht einfach ist und schwer zu verstehen sein kann. Bitte beachten Sie, dass bestimmte Produkte nur für kurzfristige Anlagezeiträume geeignet sind. Wir empfehlen Interessenten und potenziellen Anlegern den Basisprospekt und die Endgültigen Bedingungen zu lesen, bevor sie eine Anlageentscheidung treffen, um sich möglichst umfassend über die potenziellen Risiken und Chancen des Wertpapiers zu informieren, insbesondere um die potenziellen Risiken und Chancen der Entscheidung, in die Wertpapiere zu investieren, vollends zu verstehen. Die Billigung des Basisprospekts durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht ist nicht als ihre Befürwortung der angebotenen Wertpapiere zu verstehen.

CNY: Stabilität

Mit Blick auf das chinesische Neujahrsfest entwickelte sich USD-CNY im Februar wesentlich weniger dynamisch und die Handelstätigkeit am Devisenmarkt lässt allmählich nach. In der Zwischenzeit ist die chinesische Zentralbank (PBoC) auch bestrebt, die Stabilität während der Feiertage aufrechtzuerhalten. Da der USD-CNY-Kurs weitgehend stabil bleibt, spiegelte sich im CNY-Wechselkurs während der letzten Wochen die Dollar-Stärke wider. Die chinesische Währung wertete also gegenüber dem Währungskorb auf. Außerdem gaben die chinesischen Devisenreserven im Januar leicht auf USD 3,22 Bio. nach, zurückzuführen auf einen Bewertungseffekt, weil der US-Dollar zulegte. Zumindest vorerst befindet sich der Markt in einer gewissen Urlaubsstimmung. Das bedeutet, dass ein neuer Impuls notwendig ist, um etwas an der aktuellen Stabilität von USD-CNY zu ändern.

Produktidee: BEST Turbo-Optionsscheine
WKNTypBasiswertMerkmale
CU97XBCallUSD/CNHHebel: 14,0
CJ4U8TPutUSD/CNHHebel: 11,0
Die Darstellung der genannten Produkte erfolgt lediglich in Kurzform.
Die maßgeblichen Produktinformationen stehen im Internet unter https://sg-zertifikate.de zur Verfügung. Den Basisprospekt sowie die Endgültigen Bedingungen und die Basisinformationsblätter erhalten Sie bei Klick auf die WKN.
Sie sind im Begriff, ein komplexes Produkt zu erwerben, das nicht einfach ist und schwer zu verstehen sein kann. Bitte beachten Sie, dass bestimmte Produkte nur für kurzfristige Anlagezeiträume geeignet sind. Wir empfehlen Interessenten und potenziellen Anlegern den Basisprospekt und die Endgültigen Bedingungen zu lesen, bevor sie eine Anlageentscheidung treffen, um sich möglichst umfassend über die potenziellen Risiken und Chancen des Wertpapiers zu informieren, insbesondere um die potenziellen Risiken und Chancen der Entscheidung, in die Wertpapiere zu investieren, vollends zu verstehen. Die Billigung des Basisprospekts durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht ist nicht als ihre Befürwortung der angebotenen Wertpapiere zu verstehen.

Rohstoff-Ausblick 2021: Das sind die Aussichten für Gold, Öl und Co.

Trotz der Corona-Krise konnten die meisten Rohstoffpreise 2020 deutlich zulegen. Wie wird es im neuen Jahr weitergehen? Erfahren Sie hier, welche Rohstoffe neue Rekordhochs erreichen könnten und wer es 2021 schwer haben wird. Jetzt lesen!