Währung

Devisenmarkt: US-Geldpolitik wird zur Black Box

Fed führt (flexible) Preisniveausteuerung ein

Fed-Chair Jay Powell hat gestern die neue Strategie der US-Notenbank vorgestellt, nach der sie zukünftig eine Inflationsrate von durchschnittlich 2% anstreben wird. De facto ist sie nun also zu einer Preisniveausteuerung übergegangen, auch wenn diese “flexibel” ausgelegt wird, wie Powell betonte. Grundsätzlich ist die Idee, dass sie Phasen zu niedriger Inflation mit Phasen höherer Inflation ausgleichen wird. EUR-USD schoss auf diese Nachricht zunächst nach oben, verständlicherweise. Heißt dies doch, dass die Fed weitaus später ihre Geldpolitik normalisieren wird, als sie dies in der Vergangenheit getan hat, als sie ihre Zinsen schon erhöhte, bevor die Inflation ihr 2%-Ziel erreicht hatte.

Doch die USD-Schwäche hielt nicht lange an. Zwischenzeitlich notierte EUR-USD sogar auf niedrigeren Niveaus als vor Powell’s Rede. Was war passiert?

Manche führen die Reaktion darauf zurück, dass der Markt die gestrige Ankündigung erwartet hatte. Immerhin hatten zahlreiche FOMC-Mitglieder in den letzten Monaten genügend Hinweise gegeben, dass sie Elemente einer Preisniveausteuerung für sinnvoll erachten würden. Hat Powell gestern aus Marktsicht also einfach nichts Neues erzählt? Wenn das der Fall ist, warum hat der Kurs zunächst so stark auf die Nachricht reagiert? Ich bin von dieser Erklärung allein nicht überzeugt. Folgende überzeugen mich dagegen mehr:

Die neue Strategie – so taubenhaft sie auch ist – hat auf absehbare Zeit keine Konsequenzen, da die Inflation weit davon entfernt ist, die 2%-Marke zu erreichen, geschweige denn sie zu überschießen. Schon nach der letzten Krise hatte die Fed ihre Zinsen erst 7 Jahre später erhöht. Das heißt zum aktuellen Zeitpunkt sind Zinserhöhungen so weit entfernt, dass es für den Markt kaum einen Unterschied macht, ob sie um ein paar weitere Jahre in die Zukunft verschoben werden.

Und zu guter Letzt hatte Powell betont, dass die Fed die Inflation nur “moderat” überschießen lassen würde. Was das genau heißt, ließ der Fed-Chair natürlich offen. Es suggeriert jedoch, dass die Fed die Inflation nicht auf 3% oder mehr überschießen lassen würde, was viele Inflations-Schwarzmaler aufatmen lassen dürfte.

Dennoch: Mir scheint es, dass der Markt die Implikationen der gestrigen geldpolitischen Weichenstellung für die US-Währung nicht voll erfasst hat. Klar, der Dollar hat in den letzten Wochen bereits deutlich Federn lassen müssen. Doch ich sehe durchaus noch weiteres Abwertungspotenzial.

Die Frage ist doch, was heißt eine “durchschnittliche Inflation von 2%” eigentlich? Über welchen Zeitraum soll diese gemessen werden? Auch das ließ Powell gestern offen. Er wies sogar explizit darauf hin, dass die Fed keiner “Formel” folgen werde. Damit ist die US-Geldpolitik ab sofort eine Black Box. Würde die Fed beispielsweise die niedrige Inflation der letzten 10 Jahre kompensieren wollen, könnte dies heißen, dass sie bei einem nur moderaten Überschießen der Inflation, wie gestern ja betont wurde, sie nochmal zusätzliche 10 Jahre warten würde, bevor sie ihre Zinsen signifikant erhöht. Ob die Fed ihre Zinsen nun in 7 Jahren oder 17 Jahren erhöht, macht doch durchaus einen Unterschied, meiner Meinung nach. Sie könnte aber genauso gut entscheiden, einen anderen Zeitraum zu wählen, über den sie die Durchschnittsinflation misst, der es ihr erlaubt, die Zinsen früher zu erhöhen. Kurz gesagt: Die Fed hat maximale Freiheit bezüglich der Auslegung ihres Inflationsziels und der Entscheidung, wann sie ihre Zinsen erhöht.

Vor allem ein Faktor spricht dafür, dass sie sich eher sehr lange Zeit lassen wird mit einer Normalisierung ihrer Geldpolitik: Die explodierenden US-Staatsschulden. So ist schwer vorstellbar, dass sie sich angesichts dieser Entwicklung langfristig politischer Einflussmaßnahme vollkommen entziehen kann. Mit der neuen Strategie müsste sich die Fed dann noch nicht einmal rechtfertigen, dass sie ihre Zinsen trotz gut laufender Wirtschaft nicht erhöht. Und damit bleib ich dabei: Die gestrige Strategieänderung der Fed war ein negatives Signal für die US-Währung. Die Dollar-Schwäche heute früh lässt mich hoffen, dass der Markt dies langsam genauso sieht.

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CNY: Die Devisenpolitik der PBoC

Die geldpolitische Abteilung der chinesischen Zentralbank (PBoC) veröffentlichte in dieser Woche eine Abhandlung über die CNY-Wechselkurse, die eine gewisse Erläuterung der chinesischen Devisenpolitik liefert. Dies ist der erste lange Artikel der Zentralbank seit dem letzten August mit einer systematischen Erklärung ihrer Devisenpolitik (damals hatte USD-CNY den Stand von 7 nach oben durchbrochen). Nach meiner Meinung ist der kritischste Punkt in diesem Artikel die Aussage der PBoC, sie würde wahrscheinlich am Markt intervenieren, falls konfuse Erwartungen zu einem Herdeneffekt führen könnten. Dies klingt ganz und gar nicht nach der „Steuerung der Erwartungen“ von Zentralbanken aus dem Lehrbuch. Mit ihrer Aussage weist die chinesische Zentralbank aber eindeutig darauf hin, dass sie die Währung weiterhin vor sogenannten „Spekulationen“ schützen wird. Letztendlich deutet dies einen weitgehend stabilen Wechselkurs an

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