Währung

Devisenmarkt: Gerüchte über Yellens Statement vor dem Kongress

Was wird Yellen sagen?

Die Journalisten einer großen amerikanischen Tageszeitung wollen erfahren haben, was die designierte US-Finanzministerin Janet Yellen morgen bei der Anhörung im Kongress zu sagen plant. Zugegeben, das ist ein journalistischer Coup, der Beachtung verdient. Inhaltlich ist das, was die Journalisten da entdeckt haben, aber so ziemlich das, was man sowieso erwarten durfte: dass nämlich (a) die US-Dollar-Kommunikation der Biden-Administration wieder in geordnete Bahnen zurückkehrt und (b) die US-Politik wieder zu ihrem alten Standpunkt zurückkehrt: dass Wechselkurse den Marktkräften überlassen bleiben sollen und die Politik ihre Finger vom Devisenmarkt lassen soll. Eigentlich ist also die Aufregung über die Meldung, die heute Morgen am Devisenmarkt allgegenwärtig ist, wenig verständlich.

Genau das war doch die große Message, die der Devisenmarkt (und nicht nur der) aus dem Ergebnis der US-Wahl ableiten konnte: dass für die US-Politik der nächsten vier Jahre wieder die Leitplanken gelten, die von jeder früheren US-Administration anerkannt worden waren und nur von Trump und seinen Spießgesellen eingerissen worden waren. Seit Mitte der 1990er Jahre zählte die Überzeugung, Wechselkurse seien den Marktkräften zu überlassen, zu diesen Leitplanken.

Wir dürfen nicht vergessen: Die Volkswirtschaften dieser Welt haben im 20. Jahrhundert viel Lehrgeld dafür bezahlt, sich zu dieser Erkenntnis durchzuringen:

  • Die zerstörerischen Währungskriege der 1930er Jahre,
  • das krisenhafte Scheitern des Systems fester Wechselkurse in der ersten Hälfte der 1970er Jahre,
  • die fehlgeschlagenen Bemühungen der 1980er Jahre, mittels G7-Akkorden stabilisierende Wechselkursentwicklungen zu erzeugen, und schließlich
  • die Krisen des europäischen Wechselkurssystems Anfang der 1990er

hatten zur Erkenntnis geführt, dass letztendlich der Markt – trotz aller Volatilität, trotz notorischen Überschießens etc. – das bessere Gremium ist, um Wechselkurse zu bestimmen. Im Gegensatz zu den Verantwortlichen der scheidenden Administration, denen ich so viel Durchblick schlicht nicht zutraue, hat Yellen das alles begriffen (wahrscheinlich weitaus besser als Ihr FX-Analyst) und in ihrer Zeit im US Federal Reserve System immer vertreten. Ich bin daher wenig überrascht, dass sie diese Haltung auch vor dem US-Kongress vorzutragen gedenkt. Aber so ist’s halt: Der Markt braucht ständig neue Stories. Und heute Morgen ist’s halt die Meldung, dass nicht auch die zukünftige US-Administration den Dollar künstlich schwächen will. In diesen Zeiten ist ein wenig Rückkehr zur Normalität halt schon eine Sensationsmeldung.

Und falls auch das nicht klar war in den letzten vier Jahren: Auch die Art der Kommunikation der scheidenden Administration war völlig chaotisch und nicht vergleichbar mit allem, was wir in den Jahrzehnten davor von Vorgänger-Administrationen jedweder Couleur gesehen hatten. Wir dürfen uns darauf freuen, dass die US-Finanzministerin die Wechselkurspolitik verkünden wird und nur sie. Die Kakofonie der letzten Jahre, die nichts als kostenreiche Volatilität erzeugte, ist voraussichtlich beendet.

Allerdings, die USD-Kommunikation von Yellens Vor-Vor-…Vorgänger Robert Rubin werden wir von Yellen wohl nicht zu hören bekommen. Dessen berühmte Formulierung “a strong dollar is in the US interest” war zu seiner Zeit nötig, um dem Markt bei steigenden US-Leistungsbilanzdefiziten die Angst davor zu nehmen, die USA wollten sich mittels USD-Abwertung ihrer Auslandsverbindlichkeiten entledigen. Doch wird sich die USD-Rallye der späten 1990er Jahre, die Rubin befeuerte, kaum wiederholen. Denn einerseits wird Yellen exzessive USD-Stärke halt auch nicht passen. Die zurückhaltende USD-Kommunikation konventioneller US-Administrationen darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass natürlich Präferenzen für bestimmte USD-Richtungen bestehen. Momentan, wo die USA vorallem mit den konjunkturellen Folgen von Corona kämpfen müssen, gibt’s sicherlich keinen Appetit auf exzessive USD-Stärke. Zumal der Dollar eh auf Erholungskurs ist.

Die USD-Erholung dürfte noch eine Weile weitergehen. Die zu erwartende expansive US-Fiskalpolitik wird genügend rentierliche Anlagemöglichkeiten erzeugen, dass der eine oder andere Investor mehr Greenbacks benötigt, um auf den Zug aufzuspringen. Im Vergleich zu Europas ebenfalls expansiver Fiskalpolitik wirkt die der USA attraktiver. Dort ergeht man sich vielleicht im Kongress in Streit darüber. Ist’s aber erstmal beschlossen, dann läuft’s auch. Anders als hier (siehe Italien, siehe die Auseinandersetzungen zwischen EU und Polen sowie Ungarn).

Unsere Sicht, dass EUR-USD in nächster Zeit unter die 1,20-Marke fallen sollte, basiert nicht auf der Annahme, dass Yellen den Dollar starkredet.

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CNY: Gute Gesamtzahlen

Wie üblich ist Chinas BIP-Bericht ein aufsehenerregendes Ereignis. Das BIP-Gesamtwachstum übertrifft die Erwartungen, doch die Zahlen zur Wirtschaftstätigkeit im Dezember zeigen eine etwas nachlassende Dynamik. Insbesondere die Einzelhandelsumsätze lagen deutlich unter den Konsenserwartungen und die chinesischen Offiziellen erklärten, dass der Konsum wohl durch das erneute Aufleben des Virus beeinträchtigt wurde. Daher ergibt sich die ordentliche Erholung in China eher durch das verarbeitende Gewerbe. Meine Meinung lautet, dass die Gesamtzahlen zwar einen ordentlichen Eindruck machen, das zugrunde liegende Wachstum aber zumindest während des kalten Winters etwas nachgeben dürfte. Unterdessen gibt es bei der Entwicklung der Impfungen viele Unsicherheiten. Mit Sicherheit wird der Markt besonders auf den neuen US-Präsidenten achten und wie er seine China-Politik gestalten wird. Am Devisenmarkt veränderte sich nach der Veröffentlichung des BIP-Berichts der USD-CNY-Kurs kaum. Angesichts der uneinheitlichen Aussagen der Wirtschaftszahlen ist dies auch nachvollziehbar.

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